Ende nach 27 Jahren Warum gibt es die Leomess nicht mehr?

Am Stand unserer Zeitung herrschte bei der Leomess stets großer Andrang. Foto: Archiv

Die beliebte Verbraucherschau hat vorerst keine Zukunft. Claudia Nowack, die Chefin des veranstaltenden Bundes der Selbstständigen, erzählt die Hintergründe.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Ein mögliches Ende deutete sich schon vor knapp zwei Jahren an: Alles andere als zufrieden zeigten sich etliche Aussteller, als die Leomess nach einer langen Corona-Zwangspause wieder ihre Tore geöffnet hatte. Damals dachte der veranstaltende Bund der Selbstständigen (BdS) noch über neue Konzepte nach. Doch nun steht fest: Die einstmals so beliebte Verbraucherschau wird es bis auf Weiteres nicht mehr geben.

 

„Das Ergebnis einer Umfrage unter unseren Mitgliedern hat eine eindeutige Sprache gesprochen“, sagt die Vorstandssprecherin des BdS, Claudia Nowack. „Die Leomess ruft offenbar überhaupt keine Begeisterung mehr hervor. Von unseren 122 Mitgliedern würden gerade mal sieben bei einer Neuauflage mitmachen. Angesichts dieses klaren Votums haben wir nicht den Auftrag, eine Messe zu organisieren.“

Der Bund der Selbstständigen ist eine landesweit aktive Interessengemeinschaft von Unternehmern und Führungskräften. In Leonberg verstehen sie sich zudem als eine Art lokaler Handels- und Gewerbeverein, der mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit die örtlichen Betriebe unterstützt.

1998, zur 750-Jahr-Feier der Stadt Leonberg, wurde erstmals eine „Leonberger Messe“ zentrumsnah auf dem Festplatz in der Steinstraße vom BdS veranstaltet. Seither ging es mit der Verbraucherschau, auf der sich vornehmlich Unternehmen aus Leonberg und dem Altkreis vorstellen, kontinuierlich aufwärts. Die Stadt unterstützte die Messe mit dem Bereitstellen des Platzes und anderer Sach- und Dienstleistungen. Der Oberbürgermeister trat als Schirmherr auf.

Doch das Heft in der Hand hatte stets der BdS, der in Zusammenarbeit mit einer professionellen Veranstaltungsfirma, die die Schau organisierte. Lange Jahre war das das Heilbronner Unternehmen Dörr & Koltes, dessen Chef eine enge persönliche Bindung zur Leomess hatte. Noch 2018 titelte unsere Zeitung „Eine Region strotzt vor Wirtschaftsstärke“ angesichts der seinerzeit überaus erfolgreichen Verbraucherschau mit gut 130 Ausstellern und mehreren tausend Besuchern. Die Delle kam, wie so oft, mit Corona. Die im Drei-Jahres-Rhythmus stattfindende Leistungsschau wurde 2020 um zwei Jahre verschoben. Tatsächlich fand sie erst im Mai 2023 statt – nach fünfjähriger Zwangspause.

Der Leonberger Modellbau-Club war mit seinen Booten meistens dabei. Foto: Archiv

Auch wenn es damals schon erste Vorboten gab: Dass diese Leomess die letzte sein würde, wollte seinerzeit niemand so recht glauben. Zwar hatte sich die Zahl der Aussteller fast halbiert. Auch das Publikumsinteresse war deutlich geringer als in Vor-Corona-Zeiten. Doch seinerzeit war noch von neuen Konzepten die Rede; vom Plan, der Leomess einen lokaleren Charakter zu geben, um so die heimische Wirtschaft gezielter ansprechen zu können. Auch Vereine, so hieß es, sollten stärker eingebunden werden.

Die vage Zuversicht, die Traditionsveranstaltung doch in eine gute Zukunft zu führen, ist mittlerweile der Ernüchterung gewichen. „Viele unserer Mitglieder haben uns gesagt: Diese Messe braucht es nicht mehr“, sagt Claudia Nowack. Zudem seien die Bemühungen, die individuelle Note der Leomess zu verstärken, mit der jetzigen Messeagentur nicht umsetzbar. „Das Unternehmen hat ein festes Konzept, das in jeder Stadt angewandt wird“, meint die BdS-Chefin. Da bleibe kaum Platz für neue Wege.

Nowack verhehlt nicht, dass finanzielle Erwägungen maßgeblich zur Beerdigung der Leomess mit beigetragen hätten. Die Mieten für die Zelte seien sehr hoch, entsprechend auch die Standgebühren für die Aussteller. „Um überhaupt eine Messe wieder in Angriff zu nehmen, hätte jedes unserer Mitglieder rund 1000 Euro bezahlen müssen.“ Und selbst wenn die Stadt wie vor zwei Jahren erneut einen Zuschuss gewähren würde, könne damit keine solide Finanzierung erstellt werden.

Der Leonberger Oberbürgermeister bedauert das Aus: „Die Leomess war stets eine bedeutende Plattform, um die Vielfalt, Qualität und Innovationskraft unserer regionalen Betriebe sichtbar zu machen und den direkten Austausch zwischen Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern sowie der Verwaltung zu fördern“, sagt Martin Georg Cohn. „Es war und ist mir ein persönliches Anliegen, dieses wichtige Format zu unterstützen. Wir werden gemeinsam nach Wegen suchen, wie wir auch ohne diese Veranstaltung die Sichtbarkeit und Vernetzung unserer lokalen Wirtschaft weiter fördern können.“

Ohne Rahmenprogramm geht es nicht

Leonberg steht mit solchen Problemen nicht allein da: „Bettina Schmauder, die Vorsitzende unseres Landesverbandes, hat uns gesagt, dass das Konzept der klassischen Verbrauchermesse einfach nicht mehr gefragt ist“, meint Claudia Nowack. „Heute braucht man ein riesiges Rahmenprogramm, sonst kommen die Leute nicht.“ Das allerdings müsse auch erst einmal finanziert werden. Kurzum: Momentan spreche alles gegen eine weitere Leomess. Eine Entscheidung für die Ewigkeit? „Man wird sehen“, meint die BdS-Chefin salomonisch.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leonberg Messe