Ende nach 75 Jahren Bäckerei Zander in Herrenberg schließt – neues Café geplant

Da haben sich zwei gefunden: Volkan Gezen (links) und Detlef Zander. Gezen übernimmt den Standort der Bäckerei in der Horber Straße. Foto: Stefanie Schlecht

Bald geht der Ofen in der Backstube für immer aus. Doch hinter dem Ende einer Tradition steht auch ein Neuanfang. Am Standort in der Horber Straße soll ein neues Café eröffnen.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

An Weihnachten wird Bäckermeister Detlef Zander in seiner Backstube im Herrenberger Ahornweg ein letztes Mal den Ofen anwerfen. Danach ist Schluss. Die Bäckerei Zander schließt nach knapp 75 Jahren ihre Pforten. Seit 1951 hat erst der Vater von Detlef Zander, danach er selbst die Herrenbergerinnen und Herrenberger mit Brezeln, Brötchen und Brot versorgt.

 

Zu dem Abschied, der Detlef Zander sichtlich nicht leicht fällt, gehört auch ein Neuanfang: Am Standort der Bäckerei in der Horber Straße 8 will Volkan Gezen voraussichtlich im Februar ein Café eröffnen, bei dem Zander im Hintergrund noch ein bisschen mitwirken wird.

„Aber ich kann nicht einen Euro für ein Vollkornbrötchen verlangen, wenn es im Discounter 34 Cent kostet.“

Detlef Zander, Bäckermeister mit vielen Zwängen

Der 66-jährige Zander und der 36-jährige Gezen stehen in der Backstube und erzählen von Vergangenheit und Zukunft. 30 Jahre liegen zwischen den beiden. Genau so viele wie zwischen Zander und seinem Vater als er die Bäckerei 1989 übernahm. Zander und Gezen kennen sich seit Beginn der Corona-Pandemie, als Gezen in die Bäckerei kam und nach einem Job gefragt hat.

Warum Zander die Bäckerei aufgibt

Bei der Entscheidung, die Bäckerei aufzugeben, haben unterschiedliche Gründe eine Rolle gespielt – nicht zuletzt das Alter. Zander hat 40 Jahre gearbeitet und möchte gerne einen Gang zurückschalten. Seit die sechs vorne steht, gehe die Kraft langsam aus, sagt er. Als weiteren Faktor nennt er die allgemeine wirtschaftliche Situation.

Die Einkaufspreise seien in gleichem Maße gestiegen wie die Umsätze zurückgegangen seien. Hinzu kommt: In der Backstube stünden Investitionen an. Ausgaben, die er in seinem Alter nicht mehr finanziert bekomme. „Es war ein Entschluss, den meine Frau und ich uns nicht leicht gemacht haben“, sagt Zander.

Mit der Entscheidung scheint aber auch eine gewisse Erleichterung verbunden zu sein scheint. „Der Druck ist weg.“ Dabei geht es dem Bäckermeister nicht um die Arbeit an sich. „Der Job als solcher macht so viel Spaß, aber das Drumherum ist das Problem.“ Jeden Sonntag sitze er zwei Stunden in seinem Büro, um zu dokumentieren.

Wie alles begann

Sein Vater gründete 1951 in der Tübinger Straße die Bäckerei. Als er einen Bauplatz im Ahornweg bekam, zog die Backstube um. Dass Zander ebenfalls Bäcker wird, war nicht von Anfang an vorgezeichnet. „Während der Schulzeit wollte ich eher Metzger werden“, sagt der 66-Jährige schmunzelnd. Nach einem Erlebnis in der Wurstküche, sei dieser Wunsch verblasst. Dann also doch Bäcker.

Im Jahr 1974 begann er seine Ausbildung in Stuttgart-Möhringen, 1981 legte er seine Meisterprüfung ab und übernahm 1989 den Betrieb von seinem Vater. Viele Jahre setze Zander auf Biolandprodukte, sein Slogan in weiß auf auffälligem, pinkfarbenen Hintergrund lautete: „Bioland trifft Handwerkskunst.“

Doch vor zwei Jahren habe er sich von Bioland verabschiedet. „ Es war mir einfach zu teuer“, sagt er. Dabei halte er Bioland für eine gute Idee, die er immer sehr unterstützt habe. „Aber ich kann nicht einen Euro für ein Vollkornbrötchen verlangen, wenn es im Discounter 34 Cent kostet.“

Volkan Gezen will Café eröffnen

Aktuell hat die Bäckerei neben dem Ahornweg und der Horber Straße noch einen weiteren Standort in Kuppingen und verkauft ihre Backwaren auf dem Herrenberger Wochenmarkt. All das endet nun. Nicht nur für Zander, sondern sicher auch für seine 16 Mitarbeiter eine große Umstellung. Die Verkäuferinnen überlegten noch, was sie machen sollen, sagt Zander.

Ein Mitarbeiter mit Handicap arbeite gerade zur Probe bei einem Bäckerkollegen. Bei den Bäckern, die er angestellt hat, mache er sich keine Sorgen, dass sie etwas Neues finden. „Die können gleich morgen woanders anfangen.“

Das nun mit dem Café eine andere Ära beginnen könnte, scheint für Zander zu passen. „Es ist Zeit für etwas Neues“, meint er. „Nook“, was so viel wie „gemütliches Eckchen“ bedeutet, soll das Café heißen. Als Inhaber übernimmt Volkan Gezen. Der gelernte Restaurantfachmann bringt eigene Ideen und Erfahrungen mit, will aber auch weiterhin auf Zanders Expertise setze.

Wann die Eröffnung geplant ist

Während der Coronapandemie, als er in Kurzarbeit war, fing Gezen bei Zander im Verkauf an. 2022 machte er sich in Jettingen mit dem Catering-Unternehmen Walker Events selbstständig, arbeitete aber weiterhin auch in der Bäckerei. „Wir haben einen guten Draht zueinander gefunden“, sagt Zander. Als klar war, dass er und seine Frau nicht mehr weitermachen und es auch niemanden gibt, der die Bäckerei weiterführen will, kam das Café ins Spiel.

„Wir haben einen guten Draht zueinander gefunden.“

Detlef Zander über seinen Nachfolger

Gezen plant den etwas angestaubt wirkenden Standort in der Horber Straße internationaler und jugendlicher zu gestalten, in beigen und mintfarbenen Tönen. Auf der Karte sollen unter anderem Kaffeespezialitäten, frisch zubereitete Sandwiches, Bagels, Bowls und Croissants stehen. Backen will Gezen selbst. Er habe von Zander viel gelernt – aktuell wie man Zimtsterne macht – und in seiner Ausbildung einen Schwerpunkt auf Patisserie gelegt.

Auf seine neue Aufgabe schaue er mit einem guten Gefühl. „Ich bin von unseren Produkten und von Zanders Produkten überzeugt“, zeigt er sich selbstbewusst. Läuft alles nach Plan eröffnet das Café Nook am 14. Februar, dem Valentinstag.

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