Endometriose Der lange ignorierte Schmerz der Frauen
Endometriose als Modediagnose? Ein Irrtum. Die steigenden Diagnosen zeigen vielmehr, wie Gesundheitspolitik jahrzehntelang versagt hat, meint unsere Autorin Nina Ayerle.
Endometriose als Modediagnose? Ein Irrtum. Die steigenden Diagnosen zeigen vielmehr, wie Gesundheitspolitik jahrzehntelang versagt hat, meint unsere Autorin Nina Ayerle.
Kaum eine Krankheit steht so sehr für die Vernachlässigung von Frauen in der Medizin wie Endometriose. Schmerzen während der Periode? Lange ein Tabu. Ärzte erklärten die Beschwerden seien „normal“. Ein Irrtum. Der Arztreport der Barmer zeigt: Mit wachsendem Bewusstsein steigen die Diagnosen – und dadurch erst haben sich die Methoden, mit denen die Krankheit erkannt wird, verbessert.
Dennoch ist es bitter, dass es in Deutschland immer noch vom Wohnort abhängt, wie schnell eine Frau ihre Diagnose erhält. Wer im Saarland lebt, hat es besser als Frauen in Thüringen. Was auch daran liegt, dass die Politik in 20 Jahren nur rund 500 000 Euro in die Forschung der Krankheit investierte, die Wissenschaftler aufgrund der äußerst komplexen und gravierenden Symptome als „Chamäleon“ bezeichnen.
Aber die Krankheit ist kein „Modetrend“ – wie manche Ärzte teils noch behaupten. Die steigenden Zahlen machen sichtbar, wie die medizinische Forschung betroffene Frauen systematisch ignoriert hat. Es ist ein politisches Versagen: zu wenig Forschung und Aufmerksamkeit, keine Priorität. Dieses Versagen ist kein Zufall: Eine Medizin, die weibliche Schmerzen als „Teil des Frauseins“ abtat, verzögerte Diagnosen und verlängerte Leid. Hinzu kommt der Gender Health Gap: Forschung orientiert sich häufig am männlichen Körper, frauenspezifische Krankheiten bleiben unterfinanziert. Dass Endometriose bis heute kaum verstanden wird, ist Folge dieser Ignoranz.