Energie im Landkreis Böblingen Prokon könnte in Herrenberg Windräder errichten

Sollte in Herrenberg auf städtischen Flächen ein Windpark (im Bild der Windpark Simmersfeld im Schwarzwald) entstehen, hätte die Stadt bereits einen Investor ausgeguckt. Foto: dpa/Archiv

Herrenberg findet einen möglichen Investor für einen möglichen Windpark. Das Ergebnis löst auch Skepsis aus.

Das Unternehmen Prokon aus Itzehoe hat das Auswahlverfahren der Stadt Herrenberg als potenzieller Investor für einen potenziellen Windpark für sich entschieden. Das heißt, sollte in Herrenberg je ein Windpark auf städtischen Flächen gebaut werden, könnte Prokon das Projekt verwirklichen. Das ist das Ergebnis des so genannten Interessenbekundungsverfahren (IBV), das der Gemeinderat im vergangenen Juli auf den Weg gebracht hatte.

 

Als Standort hat sich die Stadtverwaltung Waldstücke am westlichen Rand der Gemarkung ausgeguckt, die beidseits der ehemaligen B 28 Richtung Jettingen zu Kuppingen und Haslach gehören. Dieses Areal ist Teil des BB-07 genannten Gebiets, das in der aktuell laufenden Fortschreibung des Regionalplans als mögliche Vorrangfläche für Windkraftanlagen vorgesehen ist.

Prokon, eine eingetragene Genossenschaft, sei klar als Siegerin aus dem Auswahlverfahren hervorgegangen, berichtete Anne Zahn, die als persönliche Referentin von Herrenbergs Baubürgermeisterin Susanne Schreiber das Vorhaben begleitet, den Mitgliedern des Technischen Ausschusses sowie den Ortschaftsräten von Haslach und Kuppingen bei deren gemeinsamer Vorberatung in dieser Woche.

Berühmt-berüchtigte Vergangenheit

Von den fünf abgegebenen Angeboten seien drei wegen geringer Wirtschaftlichkeit schnell ausgeschieden. Bei den beiden verbliebenen habe der nun favorisierte Anbieter bei allen Kriterien – auch Punkte wie Windparklayout, Betreiberkonzept und Wertschöpfung vor Ort wurden abgefragt – in der vom Gemeinderat festgelegten Bewertungsmatrix das höchste Ergebnis erzielt, so Zahn.

Angesichts der Tatsache, dass der Name Prokon, damals noch als Gesellschaft mit beschränkter Haftung, 2013 bundesweit mit einem Insolvenzverfahren, in dessen Zuge das Unternehmen in eine Genossenschaft umfirmierte, in den Schlagzeilen war, stellte Kuppingens Ortsvorsteher Markus Speer die Bonität infrage. Ihm würden keine Erkenntnisse vorliegen, dass diese schlecht sei, berichtete Hans-Jürgen Rossbach von der Kommunalberatung Rheinland-Pfalz, die das IBV in Herrenbergs Auftrag begleitet.

Prokon sei laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform inzwischen finanziell gut aufgestellt, so Rossbach weiter. Das Unternehmen verfüge über mehr als 400 Windkraftanlagen mit über 870 Megawatt installierter Leistung in 72 Windparks in Deutschland, Finnland und Polen. Die Genossenschaft hat rund 40 000 Mitglieder und 370 Mitarbeiter.

Viele Aufgaben, wenig Zeit

Fragen bezüglich der Zugangswege zu den, Stand jetzt, sieben Windrädern oder dazu, wie eine mögliche Visualisierung aussehen würde, sollen im Zuge einer Bürgerbeteiligung über die Sommermonate geklärt werden. Ob das Forum Energiedialog, ein kostenfreies Angebot des Landes Baden-Württemberg, diese durchführen wird, darüber entscheidet der Gemeinderat ebenso am kommenden Dienstag wie darüber, ob Prokon final ausgewählt wird.

Falls das Forum Energiedialog den Zuschlag erhält, dann wird es in den Sommermonaten einen ganzen Strauß an unterschiedlichen Beteiligungsformaten geben, wie Sarah Albiez erläuterte. Sie ist im Landkreis in Sachen Windkraft bereits in Holzgerlingen, Ehningen und Böblingen sowie in Weil der Stadt aktiv. Von der klassischen Infoveranstaltung über eine Visualisierungstour bis hin zur Windparkexkursion würde die Bandbreite reichen, so Albiez. „Allparteilich“ Sachfragen frühzeitig zu klären, das sei ihr Anspruch.

Quer durch allen Ratsfraktionen wurde klar: Diese Monate werden sportlich, auch angesichts der personellen Veränderungen im Gremium, die die Wahl im Juni mit sich bringen wird. Denn, so stellte Bodo Philipsen (SPD) fest, die Phase bis zur Formulierung des Pachtvertrags sei das „kurze Zeitfenster“ für die politische Diskussion. Über die Verpachtung soll der Gemeinderat laut Fahrplan noch Ende dieses Jahres entscheiden.

Im Staatsforst kann’s bald losgehen

Weiter fortgeschritten als das Herrenberger Windparkprojekt ist das im daran angrenzenden Jettinger Staatsforst: Dort haben die Stadtwerke Stuttgart (SWS) den Zuschlag bekommen, um – nach aktuellem Planungsstand – fünf Windräder zu errichten. Sobald alle Gutachten vorliegen – was Ende Juni der Fall sein soll – können die SWS ein Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz beantragen. Das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde prüft dann, ob die Planung den gesetzlichen Vorgaben und den Umweltauflagen entspricht.

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