Energie Kreis Esslingen Wendlingen will ein eigenes Nahwärmenetz

Das Gruppenklärwerk könnte zum Ausgangspunkt eines Nahwärmenetzes in Wendlingen werden. Foto: kd

Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung in Wendlingen empfehlen die Nutzung von Fluss- und Abwasserwärme. Was daraus folgt.

Im April 2023 hatte der Wendlinger Gemeinderat beschlossen, sich in Sachen kommunaler Wärmeplanung (KWP) im Konvoi mit Köngen, Unterensingen, Oberboihingen, Wernau, Deizisau und Plochingen auf den Weg zu machen. Die Ergebnisse liegen nun vor und zumindest die Wendlinger haben jüngst einstimmig beschlossen die nun vorliegende KWP bestehend aus Bestands- und Potenzialanalyse, Zielszenarien sowie Wärmewendestrategie inklusive Maßnahmenkatalog, als strategische Grundlage auf dem Weg zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung zu nutzen. Der Antrag im Konvoi hatte den Vorteil, dass höhere Fördersummen beim Land abgerufen werden konnten. Für die Datenerfassung war aber jede Kommune für sich selbst zuständig, ebenso dafür, wie die Ergebnisse künftig genutzt werden sollen.

 

Wichtig ist der KWP laut Markus Lämmle, dem ersten Beigeordneten der Stadt, um Fördergelder für daraus resultierende Maßnahmen zu generieren: „Die Abläufe sind hierbei entscheidend.“

Größtes Potenzial für das Wärmenetz ist zwischen Rathaus und Neckar

Das größte Potenzial wurde dabei in Wendlingen in der Kernstadt, groß besagt dem Bereich vom Rathaus bis zum Neckar, ausgemacht. Aktuell wird die Stadt zu 95 Prozent über fossile Energieträger wie Öl, Gas oder Kohle mit Wärme versorgt. Der meisten Emissionen verursacht der Wohnsektor: Was laut KWP für einen dringenden Handlungsbedarf spricht, gleichzeitig aber auch Gelegenheit gibt, sich über nachhaltigere und effizientere Versorgungsmöglichkeiten Gedanken zu machen. Die vielversprechendsten Lösungen bieten laut den Ergebnissen die Nutzung von Flusswärme sowie die Nutzung von Wärmepotenzial aus dem Abwasser des Gruppenklärwerks (GKW). Auch in Sachen Photovoltaik gibt es noch reichlich Luft nach oben.

Als nächsten Schritt werden laut Lämmle nun exakte Machbarkeitsstudien zwecks Wärmenetzversorgung erstellt. Dabei geht es schon um eine mögliche Trassenführung, über die Wärme vom GKW oder vom Neckar geleitet werden kann. Auch weitere Fördergelder sollen generiert werden: So sind Machbarkeitsstudien zu einer geplanten Wärmenetzversorgung mit 50 Prozent im Rahmen des Programms „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ förderfähig.

Mit ihrer frühzeitigen Erstellung des KWP bewies die Stadt Wendlingen Weitblick, obwohl 2023 noch gar keine Notwendigkeit dazu bestand: Erst seit Anfang 2024 müssen gemäß Wärmeplanungsgesetz des Bundes alle Kommunen in Deutschland bis spätestens Ende Juni 2028 einen kommunalen Wärmeplan erstellen. Übergeordnetes Ziel bleibt beim Bund die treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis 2045, Baden Württemberg will es sogar bis 2040 schaffen, das Land klimaneutral zu bekommen.

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