Energie ZF wird zum großen Anbieter bei Windkraft

Von StZ 

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will den Getriebehersteller Hansen kaufen und in die europäische Spitze bei Windkraftanlagen vorstoßen.

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will mit einer Übernahme das Geschäft mit der Windkraft ausbauen.  Foto: dapd
Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will mit einer Übernahme das Geschäft mit der Windkraft ausbauen. Foto: dapd

Stuttgart - Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will mit einer Übernahme in Belgien das Geschäft mit Windenergietechnik ausbauen. Der Stiftungskonzern vom Bodensee bietet 444,8 Millionen Pfund (505 Millionen Euro) für Hansen Transmissions, einen in London börsennotierten Hersteller von Getrieben für Windkraftanlagen, wie ZF mitteilte. Die Anteile der beiden Großaktionäre - des indischen Unternehmens Suzlon, das auch Eigentümer des deutschen Herstellers Repower ist, und der britischen Ecofin Water & Power - von zusammen 38,4 Prozent hat ZF ebenso sicher wie die Zustimmung des Verwaltungsrats. Die Verpflichtungen von Suzlon und Ecofin sind aber hinfällig, wenn ein Konkurrent die Offerte von ZF um 12,5 Prozent beziehungsweise zehn Prozent überbietet. Für den drittgrößten deutschen Automobilzulieferer ist es die teuerste Übernahme seit dem Kauf von Mannesmann Sachs vor zehn Jahren.

Mit 66 Pence je Aktie bieten die Friedrichshafener fast doppelt so viel wie Hansen am Freitag gekostet hat. Bezogen auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate beträgt die Prämie etwa 60 Prozent. Am Montag schossen die Hansen-Papiere prompt auf 65,5 Pence hoch. Der Getriebespezialist ZF Friedrichshafen ist selbst dabei, das Geschäft mit der Windkraft aufzubauen. Schon vor einem Jahr hatte ZF mit dem dänischen Weltmarktführer Vestas, der global 43.000 Windenergieanlagen installiert hat, einen Vertrag zur Lieferung von Windkraftgetrieben abgeschlossen. Sie sollen vom nächsten Jahr an in einem Werk in Gainesville im US-Bundesstaat Georgia gefertigt werden. Dieses neue Werk ist zurzeit im Aufbau.

Führender Anbieter in schwierigem Umfeld

ZF-Vorstandschef Hans-Georg Härter bezeichnete den Kauf von Hansen als eine logische Fortsetzung der strategischen Entscheidung von ZF, in das wachsende und sehr attraktive Geschäft mit Windkraftanlagen einzusteigen. Härter: "Dies ist eine ideale Gelegenheit, um den Ausbau des Geschäfts mit der Windenergie zu beschleunigen und eine hervorragende internationale Aufstellung mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und den USA zu schaffen."Nach den Worten von Michael Paul, Chef der Sparte Industrietechnik, wird die Bedeutung des Geschäfts außerhalb der Automobilindustrie gestärkt. Paul: "Wir sehen außerhalb der Automobilindustrie interessante Wachstumschancen." Sollte das Angebot angenommen werden, dann gehört ZF nach Angaben eines Sprechers zu den drei größten Windkraftgetriebeproduzenten in Europa. Mehrere Autozulieferer versuchen sich ein zweites Standbein im grünen Segment aufzubauen. So ist der Branchenprimus Bosch groß in die Solartechnik eingestiegen; am vorigen Freitag wurde der neue Hauptsitz der Sparte Solarenergie in Arnstadt/Thüringen eingeweiht.

Hansen gilt als eines der weltweit führenden Unternehmen für Getriebe von zahnradgetriebenen Windkraftanlagen. Hansen produziert am Hauptsitz im belgischen Lommel, im indischen Coimbatore und in Tianjin in China. Die weltweiten jährlichen Produktionskapazitäten umfassen Getriebe mit einer Leistung von 7600 Megawatt. Das Unternehmen mit 1450 Mitarbeitern hat im Geschäftsjahr 2010/11 (31. März) einen Umsatz von 378,7 Millionen Euro verbucht, 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Hansen weist einen Verlust von 18,6 Millionen Euro aus; bereits im Jahr zuvor war das Ergebnis mit 5,6 Millionen Euro negativ.

Alex De Ryck, Hansen-Vorstandschef, begrüßte das Angebot, das den fairen und angemessenen Wert des Unternehmens widerspiegele. Der Vorstandschef verwies darauf, dass es Mitarbeiter und Management von Hansen trotz eines schwierigen Marktumfelds in den vergangenen Jahren geschafft hätten, einen weltweit führenden Anbieter aufzubauen. De Ryck: "ZF erkennt diese Leistung in vollem Umfang an und möchte das Geschäft auf dieser Basis weiter internationalisieren und unsere Marktposition weiter ausbauen."