Energiekonzepte in Stuttgart Pochen auf eine schnelle „Wärmewende“

Die CDU fordert finanzielle Anreize für die energetische Sanierung. Foto: dapd
Die CDU fordert finanzielle Anreize für die energetische Sanierung. Foto: dapd

Die Stadt Stuttgart sammelt Ideen und Vorschläge für ein Energiekonzept. Ein zentraler Punkt der SPD ist die „Wärmewende“- man müsse neue Wege beim Heizen gehen.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Vor mehr als einem halben Jahr hat OB Fritz Kuhn den Entwurf eines Energiekonzeptes für Stuttgart vorgelegt – seither sammelt er weitere Ideen und Vorschläge von Parteien, Bürgern und Forschungsinstituten. 150 Anregungen sind laut Sprecher Sven Matis bisher bei der Stadt eingegangen; sie würden vom Amt für Umweltschutz derzeit auf ihre Machbarkeit geprüft. Für September ist noch eine Onlinebefragung sowie eine Diskussion mit zufällig ausgewählten Bürgern geplant. Letztlich entscheidet dann der Gemeinderat über die Fortschreibung.

Das bisher mit Abstand umfangreichste öffentliche Papier hat jetzt der SPD-Kreisverband vorgelegt: Während Kuhns Konzept 34 Seiten umfasst, kommt das Papier der SPD auf stolze 25. Ein zentraler Punkt darin ist die „Wärmewende“: Da Stuttgart wenig auf Wind- und Solarenergie setzen könne, müsse die Stadt beim Heizen der Häuser ganz neue Wege gehen. Es müssten viel mehr Anlagen für Kraft-Wärme-Kopplung gebaut werden. Quartiere, die bis jetzt mit Nachtspeicherheizungen ausgestattet werden, müssten einen Gasanschluss erhalten. Nahwärmenetze sollten errichtet werden. Und die Abwärme von Industrieanlagen müsse stärker genutzt werden.

Die SPD fordert einen Masterplan für die Energiewende

Damit die Bürger diesen Weg mitgehen und die Energiewende auch in der Breite stattfinde, sei es notwendig, dass sich die neuen Angebote rechneten, zum Beispiel durch eine bessere Förderung, sagt Walter Trösch, der früher Professor am Fraunhofer-Institut in Stuttgart war und der das SPD-Papier neben Christa Widmaier-Berthold maßgeblich mit erarbeitet hat.

Daneben fordert die SPD einen Masterplan für die Energiewende. Diese habe für Stuttgart eine ähnlich große Dimension wie der Bau eines Großflughafens oder der Elbphilharmonie: „Man braucht deshalb ein komplexes Planungsverfahren“, so Widmaier-Berthold. Als zentralen Akteur sieht die SPD die Stadtwerke Stuttgart. Dort müssten viel mehr Mitarbeiter eingestellt werden, damit möglichst schnell technische Konzepte ausgearbeitet und möglichst viele Planungen für Quartiere entwickelt werden könnten. In den Etatberatungen werde man entsprechende Anträge stellen, kündigte der SPD-Kreisvorsitzende und Stadtrat Dejan Perc an.

Die Fördersumme sollte auf 75 000 Euro erhöht werden

Die CDU-Fraktion hat schon vor einiger Zeit Ideen geliefert und legt jetzt nochmals mit einem konkreten Vorschlag nach: Das bestehende kommunale Förderprogramm zur energetischen Gebäudesanierung müsse massiv aufgestockt werden, fordern die Christdemokraten. Sie halten es für angemessen, die maximale Fördersumme von derzeit 30 000 Euro je Wohneinheit auf bis zu 75 000 Euro zu erhöhen. Daneben müsse es einen Sonderzuschlag geben, wenn mehrere Eigentümer in einer Straße gemeinsam eine Sanierung in Angriff nehmen oder wenn sich die Wohnungsbesitzer in einem Mehrfamilienhaus dazu durchringen. Auch Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sollten endlich im kommunalen Förderprogramm berücksichtigt werden. Die CDU erwartet von der Stadtverwaltung rechtzeitig einen Bericht über mögliche Anpassungen, damit schon in den Haushaltsberatungen dafür Geld zur Verfügung gestellt werden könnte.

Die Bürgerinitiative „Kommunale Stadtwerke“, das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart und der BUND haben im Verbund mit weiteren Gruppen bereits vor einiger Zeit ein Zehn-Punkte-Papier vorgelegt (wir berichteten). In einem neuen Bericht fordern sie nun, wie die SPD, dass die Kompetenzen bei den Stadtwerken gebündelt werden. Daneben ist ihnen der soziale Aspekt der Energiewende wichtig. Eine energetische Sanierung führe in der Regel zu Mieterhöhungen, was vor allem einkommensschwächere Familien stark belaste. Die öffentliche Hand müsse deshalb solche Mieter finanziell entlasten, sagt Michael Fuchs von den Kommunalen Stadtwerken e. V. So könnten kostenneutrale Sanierungen eher bewerkstelligt werden, wenn Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaften gemeinsam Konzepte erarbeiteten.




Unsere Empfehlung für Sie