Stuttgart - Der Karlsruher Energiekonzern EnBW ist derzeit eine Ausnahme: Anders als weite Teile der Wirtschaft rechnet das Unternehmen derzeit nicht mit merklichen Bremsspuren wegen der Corona-Krise. „Wir gehen – bei allen Unsicherheiten – zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass die Folgen der Corona-Pandemie keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2020 haben werden“, sagte der Finanzvorstand des Konzerns, Thomas Kusterer, am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Stuttgart.
Intern habe man bereits Anfang Februar eine Taskforce Corona gebildet, hatte zuvor EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux berichtet. Derzeit arbeiteten rund 10 000 Mitarbeiter im Homeoffice, zugleich seien Maßnahmen getroffen, weiterhin verlässlich Strom, Gas und Wasser zu liefern. Bereits vergangene Woche hatte das Unternehmen beschlossen, bestehende Strom-, Gas- oder Fernwärmesperren aufzuheben. Auf neue Sperren soll vorerst verzichtet werden: „Die Menschen haben im Moment andere Sorgen“, sagte Mastiaux. Für das Unternehmen sei der Effekt nicht wesentlich, da es schon bisher nur in geringem Umfang solche Sperren gegeben habe. Sie werden in der Regel verhängt, wenn ein Kunde über längere Zeit seine Rechnung nicht bezahlt.
Probleme bei Gesetzentwurf zu Schuldnern
Den Vorstoß der Bundesregierung, Schuldner, die wegen der Pandemie ihre vertraglichen Pflichten nicht erfüllen können, von rechtlichen Folgen zu befreien, unterstütze die EnBW, sagte Mastiaux. Eine Schwierigkeit für Energieversorger bestehe allerdings darin, dass beispielsweise drei Viertel des Strompreises Fremdkosten wie Steuern und Abgaben und Umlagen seien, die man weiter an den Staat oder Netzbetreiber abführen müsse.
Auch die Energiewende wird nach Einschätzung von Mastiaux durch die Pandemie nicht gebremst. Die grundsätzliche Herausforderung des Klimawandels bleibe bestehen, das Thema komme wieder. Derzeit demonstriere die Politik Entschlusskraft, daraus könne man auch für die Energiewende Kraft schöpfen.
Die Geschäfte laufen gut
Abgesehen von der aktuellen Corona-Krise konnten Mastiaux und Kusterer von einem „kraftvollen“ zurückliegenden Jahr berichten. Das bereits 2013 für das Jahr 2020 gefasste Ergebnisziel habe das Unternehmen bereits 2019 erreicht: 2,4 Milliarden Euro. Konkret geht es um das adjusted Ebitda, also das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Dazu beigetragen hätten alle Segmente des EnBW-Geschäftes. Bis 2025 soll diese Kennziffer auf 3,2 Milliarden Euro steigen. Für das laufende Jahr peilt Finanzchef Kusterer ein Ergebniswachstum um 13 bis 19 Prozent an.
Kusterer bestätigte eine Börsen-Pflichtmitteilung der EnBW-Beteiligung MVV, wonach eine Grundsatzeinigung über den Verkauf der von der EnBW und der Rheinenergie gehaltenen Anteile erzielt worden sei. Gerüchte, wonach es sich bei dem Käufer um den australischen Infrastrukturinvestor First State handle, wollte er allerdings nicht kommentieren. Die EnBW hält an MVV 28,8 Prozent, die Kölner Rheinenergie weitere 16,3 Prozent. Das Verhältnis zwischen dem Karlsruher Konzern und dem wesentlich kleineren Mannheimer Konkurrenten ist seit langem angespannt.