Energiekonzern unter Druck EnBW will bewährten Geschäftsbereich verkaufen
Treue Kunden, gute Wachstumschancen – trotzdem will die EnBW das Contracting-Geschäft abstoßen. Plant der unter Druck geratene Konzern weitere Verkäufe?
Treue Kunden, gute Wachstumschancen – trotzdem will die EnBW das Contracting-Geschäft abstoßen. Plant der unter Druck geratene Konzern weitere Verkäufe?
Beim landeseigenen Energiekonzern EnBW mehren sich die Anzeichen für eine angespannte wirtschaftliche Lage. Gerade erst hat das Unternehmen den Ausstieg aus zwei großen Windkraft-Projekten in Großbritannien verkündet, der zu einer Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro führte. Darüber wird an diesem Mittwoch im Landtag auf Antrag der AfD-Fraktion debattiert. Nun wird bekannt, dass sich die EnBW von Unternehmensteilen trennen will – und einen bestimmten Verkauf bereits konkret vorbereitet: Für den Contracting-Bereich, der Komplett-Lösungen für Industrie, Immobilienwirtschaft und Kommunen liefert, wird derzeit ein Käufer gesucht. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte ein Sprecher des Unternehmens.
Unter Contracting im Energiebereich versteht man, dass ein externer Dienstleister die Energieversorgung eines Betriebs oder Gebäudes aus einer Hand plant, finanziert, baut und betreibt. Der Kunde bezahlt dafür, etwa über laufende Gebühren oder die Energiepreise. Die Kunden der EnBW in diesem Bereich kommen laut dem Sprecher überwiegend aus der Immobilienwirtschaft und der Industrie. Kommunale Anlagen machten etwa 20 Prozent aus, teilweise befänden sie sich außerhalb Baden-Württembergs.
Für Städte und Gemeinden ist der Energiekonzern beim Contracting ein wichtiger Partner, weshalb sie die Verkaufspläne mit Sorge sehen. Es könne auch nicht im Interesse des Landes sein, wenn sich die EnBW zur Stabilisierung ihrer Finanzen von dieser Sparte trenne, heißt es in kommunalen Kreisen. Offen blieb zunächst, inwieweit der Aufsichtsrat mit Vertretern des Landes und der oberschwäbischen Landkreise in das Vorhaben eingebunden ist.
Der EnBW-Sprecher wertete die Verkaufspläne als normalen Vorgang. Angesichts der in den nächsten Jahren geplanten Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro sei es „fester Bestandteil unserer Geschäftsroutine“, das Portfolio kontinuierlich zu überprüfen „hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Übereinstimmung mit unserer strategischen Ausrichtung“. Für das Contracting sprächen langjährige Kundenbeziehungen und gute Wachstumschancen, es gehöre jedoch „nicht zum unmittelbaren Kerngeschäft der EnBW“. Man suche nach einer „nachhaltigen und verantwortungsvollen Lösung“, für Kunden und Mitarbeitende gleichermaßen. Ein entsprechend fokussierter Käufer könne helfen, „die Potenziale des Contracting-Bereichs noch besser zu entfalten“.
Nach Informationen unserer Zeitung läuft derzeit eine unverbindliche Bieterrunde; nach einer Unternehmensbewertung sollen dann verbindliche Angebote eingeholt werden. Zur Größenordnung eines möglichen Verkaufserlöses äußerte sich die EnBW nicht. Im Konzernmaßstab gilt der Bereich als relativ klein, sodass der Erlös überschaubar sein dürfte. Ob auch der Verkauf größerer Unternehmensteile erwogen wird, beantwortete das Unternehmen nicht konkret. Der kurzzeitige EnBW-Chef Andreas Schell hatte mit Blick auf den enormen Investitionsbedarf erwogen, das gesamte Gasgeschäft abzugeben. Dies wollten die Großaktionäre jedoch nicht, sie setzten weiter auf einen „integrierten Energiekonzern“ mit allen Sparten. Diesen Kurs verfolgte bisher auch der aktuelle Konzernchef Georg Stamatelopoulos.
Das Verhältnis zu den Kommunen sähe der EnBW-Sprecher durch einen Verkauf des Contractings nicht belastet. Man biete ihnen auch in Zukunft ein „umfassendes Leistungsportfolio“. Die „langjährig gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ bleibe für das Unternehmen von besonderer Bedeutung.