Sie ziehen die Stecker der Elektrogeräte oder tauen die Gefriertruhe regelmäßig ab. Was sich die Mitglieder von Winfried Kretschmanns Landesregierung einfallen lassen, um Energie zu sparen, erzählen sie hier.

Politik/Baden-Württemberg: Renate Allgöwer (ral)

Der Ministerpräsident hat schon vor längerer Zeit angekündigt, dass er seine Heizung auf Pellets umstellen wird. Seit 25 fast Jahren bezieht Winfried Kretschmann (Grüne) das warme Wasser größtenteils aus der eigenen thermischen Solaranlage. Er achtet schon lange auf geringen Energieverbrauch, hat die Beleuchtung auf LED umgestellt und heizt im Haus in der Regel nur einen Raum.

Der Innenminister

Thomas Strobl (CDU) sagt: „Jeder Beitrag zum Energiesparen zählt. Jeder kann seinen Beitrag leisten. Wir wollen mitmachen.“ Die Waschmaschine bei Strobls wird mit PV-Strom von der Anlage auf dem Dach versorgt. „Ich gucke auch nicht stundenlang Videos auf YouTube“, berichtet der Innenminister. „Für Duschorgien habe ich seit Jahrzehnten keine Zeit“, sagt er, auf den Markt geht er zu Fuß. „Neu eingestellt haben wir uns darauf, dass es auch mit einigen Grad weniger in der Wohnung im Winter warm genug ist“, kündigt der stellvertretende Ministerpräsident an.

Der Verkehrsminister

„Immer nur so viel Wasser erhitzen, wie tatsächlich gebraucht wird“ – darauf achtet Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Und er plant, in der Wohnung Fenster mit einer höheren Wärmeisolation einbauen zu lassen. In dem Mehrparteienhaus, in dem Hermann wohnt, gibt es bereits eine Wärmepumpe und einen modernen Brennwertkessel, demnächst soll eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach folgen.

Die Wirtschaftsministerin

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) setzt zuhause „wo es geht Energiesparlampen ein“. Die Familie achtet darauf, dass alle elektrischen Geräte im Haushalt ausgeschaltet sind und nicht auf Stand-by-Betrieb laufen. Seit sich die Energiekrise abzeichnet, wird das Sparen im Hause Hoffmeister-Kraut noch intensiviert: „Wir machen strikt das Licht aus, wenn wir das Zimmer verlassen, oder lassen beim Zähneputzen das Wasser nur dann laufen, wenn wir es wirklich brauchen“, erzählt die Ministerin.

Die Wissenschaftsministerin

„Konsequent das Schlafzimmer verschatten und für einen guten Luftzug sorgen“, ist das Rezept von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Bei ihr ist in den subtropischen Nächten kein Ventilator mehr im Einsatz. Dazu hat sie die Dusche umgestellt auf lauwarm und Kurzzeit und überlegt, „geht es noch kürzer und noch kühler“. Im Haus checkt sie, ob etwa noch Stecker in den Dosen sind, ohne dass die Geräte in Gebrauch sind.

Der Gesundheitsminister

Kürzeres Duschen hat sich auch Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) angewöhnt. „Unter zwei Minuten“, ist sein Ziel. Auf dem Dach gibt es Solarthermie, im Haus neue Fenster wegen der Energieeffizienz. Geplant ist im Hause Lucha zudem eine Photovoltaik-Anlage.

Der Landwirtschaftsminister

„Keine Heizung bis Oktober“ gilt zuhause bei Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Im Winter wird eine Vorlauftemperatur von 16 Grad angepeilt. Sollte es sehr kalt werden, wird der Ofen angefeuert, in dem Restholz verbrannt wird. Warmes Wasser bezieht Hauk über seine Solartherme. Im Ministerium wurde das warme Wasser ganz abgestellt.

Die Ministerin für Wohnen

Wohnungsministerin Nicole Razavi verzichtet noch häufiger als früher auf das Auto und geht zu Fuß, wenn sie an ihrem Wohnort etwas zu erledigen hat. Seit langem dreht sie im Winter jeden Morgen die Heizung runter, wenn sie nicht zu Hause ist: „Das bringt einiges an Einsparung“, sagt die CDU-Politikerin.

Die Kultusministerin

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) setzt auf große und kleine Sparmöglichkeiten. Auf dem Hausdach ist Solarthermie installiert. So braucht sie kein Gas zur Warmwassererhitzung. Die Heizung wird jedes Jahr gewartet und optimal auf den Verbrauch eingestellt, die Fenster sind aus Dreifachglas und außerdem ist der Einbau einer Wärmepumpe geplant. Auch im Kleinen beherzigt Schopper Energiespartipps: Sie taut regelmäßig die Gefriertruhe ab.

Die Justizministerin

Justizministerin Marion Gentges (CDU) verzichtet „beruflich wie privat auf Flugreisen“. Im Haushalt hat sie einige Sparpotenziale gefunden: „Ich habe bei der Spülmaschine entdeckt, dass es ein Schnellwaschprogramm gibt“, berichtet sie. So reduziert sie die Spüldauer von zweieinhalb Stunden auf 30 Minuten und lässt das Geschirr lufttrocknen. „Gibt ein paar mehr Kalkflecken, aber die sollen uns nicht stören“. Den Wäschetrockner hat sie als einen der größten Stromverbraucher im Haushalt identifiziert und setzt auf Sonnen- und Windenergie in ihrer herkömmlichsten Form: Wäscheaufhängen an der Leine. Dadurch spare sie sich gleich noch das Bügeln, meint Gentges.

Der Finanzminister

Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) schwitzte in den vergangenen Tagen und Wochen in seinem Büro. Das ist nicht klimatisiert und eine alten, stromfressenden mobilen Kühler lässt er lieber aus. Auch weil er sehr laut ist. Und im Sommer duscht er tatsächlich kalt.

Die Umweltministerin

Umweltministerin Thekla Walker ist in Stuttgart meist zu Fuß unterwegs – oder mit dem E-Bike. Beim Energiesparen setzt die Grüne auf die Klassiker kürzer und lauwarm duschen und in der Heizperiode die Heizung deutlich runterdrehen. Haushaltsgeräte hat sie ohnehin wenige. Die – wie auch der PC – werden stets komplett abgeschaltet und die Wäsche wird meist bei höchstens 30 Grad gewaschen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch will die Heizung warten und einstellen lassen. Er geht davon aus: „Durch die Wartung kommt eine Ersparnis von 10 bis 15 Prozent zusammen.“ Außerdem wird bei Stochs sehr bewusst geheizt: „Räume, in denen wenig los ist, werden nicht geheizt“, sagt der SPD-Chef.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke droht bekanntlich einem seiner Söhne, er werde von Robert Habeck geholt, wenn er weiterhin so lange und so heiß dusche. Der Liberale selbst duscht seit 20 Jahren kalt und das maximal eine Minute. Im Herbst kann er sich vorstellen, dass er zudem die Heizung drosselt.

Der Chef der CDU-Fraktion

Manuel Hagel, der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, will sehen, ob bei der Raumtemperatur zu Hause „noch was geht“. Allerdings hat Hagel zwei kleine Kinder. „Im Büro läuft die Klimaanlage nur dann, wen es unbedingt sein muss“ und auch Hagel achtet auf seine Duschzeiten und die Wassertemperatur.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende

Kurz und knapp äußert sich AfD-Fraktionschef Bernd Gögel. „Dass man überflüssige Kosten flach hält, sollte bei extrem steigenden Preisen im eigenen Interesse selbstverständlich sein.“ Sein persönliches Energiesparverhalten will er nicht preisgeben und den Bürgern will er keine Tipps geben.

Der Vorsitzende der Grünen im Landtag

Andreas Schwarz, der Vorsitzende der Grünenfraktion, dagegen hat Energiesparen zu einem kleinen Hobby gemacht. Weil er es genau wissen will, hat er seinen persönlichen CO2 -Verbrauch auf der Seite des Umweltbundesamts gecheckt. „Die Werte liegen deutlich unter dem Durchschnitt, das motiviert mich, meine Bilanz noch weiter zu verbessern“, freut sich Schwarz. Sein Haus genüge höchsten Energiestandards, sagt er. Solaranlage auf dem Dach ist selbstverständlich.