Frostige Temperaturen und hitzige Debatten bei den Energiepreisen. Wie gehen Landwirte und Floristen in Fellbach, Rommelshausen und Weinstadt damit um? Nicht aufgeregt, sondern eher besonnen. Sie finden ganz individuelle Wege, um mit den Herausforderungen der Natur und der Politik umzugehen. Zum Teil bedeutet das: zurück zur Normalität und zu Regeln und Gesetzen, die die Natur vorgibt. Pflanzen und Produkte aus heimischem Anbau werden eher wieder auf den Markt kommen, wenn dafür Saison ist, und nicht mehr unbedingt verfrüht, weil sie im warmen Gewächshaus gediehen und gereift sind.
Geranien im März wird es nicht geben
Peter Knauß, Gärtnermeister aus Strümpfelbach, sieht darin durchaus auch Vorteile. Man werde wohl davon abkommen, Geranien schon lange vor Beginn der Balkon-Saison auf den Markt zu bringen und auf die monatelange energieintensive Anzüchtung in den Wintermonaten verzichten, wo ihnen nicht nur Wärme, sondern vor allem auch das natürliche Licht der Sonne fehle. „Geranien im März wird es nicht geben.“ Er kehre zurück zur Saisonalität. Bei den Christrosen habe er dieses Jahr enormes Glück gehabt, die hätten bei den vielen Sonnentagen im Herbst extrem viele Blüten angesetzt – ohne Heizung.
Sein Kollege Dieter Knauß gehört zu den größten Anbietern von Weihnachtssternen in der Region. Für deren Produktion musste er bereits im Januar und März die Weichen stellen. Da war er von den jetzt aufgerufenen Preisen bei Gas und Öl weit entfernt. Bei den Weihnachtssternen hat er die Menge nur gering reduziert und „voll auf Risiko gesetzt“.
Der warme Oktober und November haben ihm in die Karten gespielt: „Ich musste die Gewächshäuser keinen Tag heizen“, sagt Dieter Knauß. Zwei Tage vor dem 1. Advent sei er für den Großhandel ausverkauft gewesen. Dabei sei das Geschäft bei Weihnachtssternen – eben durch die warmen Temperaturen im Herbst – zunächst gar nicht gut angelaufen. Bald kommen die Primeln zum Blühen. Die Gewächshäuser hat Dieter Knauß in den vergangenen Jahren energetisch aufgerüstet – und „dabei von vielen Subventionen profitiert“.
Auch die Familie Felger in Weinstadt hat in dieser Hinsicht vorausschauend agiert. Dieses Jahr hat sie jedoch zunächst vor allem vom schönen Herbst und den extrem milden Temperaturen profitiert. Bis spät in den November hinein konnte sie eigene Tomaten anbieten. „Die nächsten gibt es dann wieder im März“, sagt Junior Christian Felger. „Eine so lange Tomatensaison hatten wir noch nie, es war die längste, an die ich mich erinnern kann, und geschmacklich waren die Früchte sehr gut.“
Jungpflanzen sind deutlich teurer
Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Felger ist „klein strukturiert“, mit mehr als 35 Kulturen. Es seien nicht nur allein die Heizkosten in den Gewächshäusern, die eine neue Kalkulation erfordern. Es fange bei den Jungpflanzen an, die deutlich teurer geworden seien, rechnet Christian Felger vor. „Viele Faktoren kommen zusammen.“ Jetzt habe Wintergemüse Saison, Kraut und Wirsing wachsen im Freien. Da spielen Energiekosten keine Rolle. Bei Felger geht man mit der Zeit – Ingwer, Curcuma und Knoblauch gehören mittlerweile auch zum Angebot.
Apropos Angebot: Bei Gemüse Merz in Rommelshausen wird die Vielfalt der Produkte nach den Festtagen reduziert. „Viele unserer Mitarbeiter wollen an Weihnachten nach Hause“, sagt Christian Merz. Das sollen und dürfen sie. Er hat momentan nur wenig Salat in seinen Folienhäusern, die er und sein Bruder Rainer versuchen, frostfrei zu halten. Dabei sind nicht nur die Energiepreise Kostentreiber, auch Diesel für die Traktoren sei wesentlich teurer, Pflanzenschutz und anderes mehr. Den Anbau von Rosenkohl haben die beiden Brüder inzwischen komplett aufgegeben. Die weiße Fliege hatte die Pflanzen befallen, zudem mussten die kleinen Röschen just in der Zeit vom Acker geholt werden, wenn die Mitarbeiter in den Jahresurlaub in die Heimat fahren. Die Nachfrage am Großmarkt gibt ihm dieses Jahr recht, im Vergleich zu 2021 - während Corona – sei sie um 30 Prozent zurückgegangen und wieder beim Niveau vor der Pandemie angelangt. Die zweistelligen Minustemperaturen der vergangen Tage haben bei Christian Merz keine Sorgenfalten verursacht. Er hatte sich Schnee gewünscht, weil „Schnee eine wunderbare Isolation für die Pflanzen ist“. Der ist gekommen.