Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs EnBW will mehr Strom mit Kohle erzeugen

Über das Umspannwerk des EnBW-Kraftwerks mit der Bezeichnung RDK 8 im Karlsruher Rheinhafen wird der mit Kohle erzeugte Strom ins Netz eingespeist. Foto: Stefan Jehle

Der Kühlturm des Kohle-Blocks RDK 8 im Karlsruher Rheinhafen war wegen des heißen Sommers fast 46 Tage in Betrieb. Der ältere Meiler RDK 7 soll von Mitte September an wieder genutzt werden. Auch das Großkraftwerk Mannheim ist am Netz.

An den letzten Sommertagen des September war es ein ungewohntes Bild im Karlsruher Rheinhafen: das seit 2014 betriebene Kohlekraftwerk RDK 8 nutzte im Vollbetrieb stetig seinen 80 Meter hohen Kühlturm. Das ist notwendig ab einer Temperatur des Rheinwassers von 22,6 Grad Celsius – dann darf Kühlwasser nämlich nicht mehr in das Fließgewässer eingeleitet werden. Von Mitte September an soll auch der benachbarte Meiler RDK 7 wieder angefahren werden. Dampf für die Schlote der beiden Blöcke werden daher wohl auch in den nächsten Monaten öfter zu sehen sein.

 

Stilllegung war im Oktober 2021 beantragt worden

Der Energieversorger EnBW setzt im Herbst wegen der aktuellen Versorgungsprobleme auf dem Energiemarkt nun wieder verstärkt auf Kohle. Und das gilt für ganz Baden-Württemberg – mit den großen Standorten Mannheim, Karlsruhe und Heilbronn. „Wir setzen aktuell zahlreiche Maßnahmen um, damit unsere Kraftwerksblöcke im kommenden Winter eine möglichst hohe Verfügbarkeit haben und so einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, so eine EnBW-Sprecherin auf Anfrage. Der laut Betreiber EnBW hocheffiziente Block RDK 8 in Karlsruhe mit einer elektrischen Leistung von etwa 834 Mega-Watt (MWel) war im gesamten Jahr 2021 etwa drei Monate in Betrieb. Auf 1100 Stunden Betriebszeit summiert sich derweil allein in diesem Sommer inzwischen die Laufzeit des Kühlturms, das sind knapp 46 Tage. Dabei war der 1985 ans Netz gegangene Block RDK 7 des Dampfkraftwerks im Karlsruher Rheinhafen lange abgeschaltet – noch im vergangenen Oktober war bei der Bundesnetzagentur daher die Stilllegung des mittlerweile betagten Kraftwerks beantragt worden. Bereits Mitte 2022 sollte die auch beim Block 7 meist weithin sichtbare markante Dampfschwade der Vergangenheit angehören. In Folge des Kriegsgeschehens in der Ukraine soll RDK 7 mit der Nennleistung 517 MW laut EnBW nun aber mindestens bis zum Ende des Winters 2023/24 weiterbetrieben werden. Nach längeren Revisionsarbeiten soll Block 7 in den nächsten Tagen wieder in Betrieb gehen.

Großkraftwerk in Mannheim läuft im Vollbetrieb

Auch der aktuell größte Standort zur Energieerzeugung im Land, das Großkraftwerk Mannheim (GKM) am Rheinufer des südlich gelegenen Stadtteils Neckarau der Quadratestadt, läuft derzeit im Vollbetrieb. „Wir gehen auch für diesen Herbst und Winter von einer sehr hohen Auslastung aus“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Das GKM hat mit seinen vier Kraftwerksblöcken eine Gesamtleistung von 2146 Megawatt. Zum Vergleich: die beiden bis 2011 und 2019 betriebenen Blöcke eins und zwei des Kernkraftwerks Philippsburg hatten zusammen eine elektrische Leistung von 2394 MW.

Wichtigster Teil des Kraftwerks ist das GKM 9. Es ist – wie das RDK 8 in Karlsruhe – seit Mitte des letzten Jahrzehnts im Einsatz. Beide kosteten bei der Erstellung jeweils rund 1,3 Milliarden Euro. Betrieben wird das GKM als Gemeinschaftskraftwerk von einer RWE-Tochter, der EnBW sowie der MVV-Versorgungsbetriebe Mannheim. Neben Strom produzieren die Kraftwerke in Karlsruhe und Mannheim auch Fernwärme für nahe gelegene Wohngebiete.

Klimaschützer fordern die Abschaltung

Klimaschützer fordern schon länger die Abschaltung der Kohlemeiler – auch der moderneren Anlagen. In Karlsruhe wie in Mannheim gab es daher immer wieder Protestaktionen.

Das Großkraftwerk Mannheim GKM 9 sei eines der effizientesten Steinkohlekraftwerke Europas, heißt es von Seiten der Betreiber. Und in der zweitgrößten Stadt im Land rühmt man sich, im Vergleich zu Karlsruhe das sehr viel modernere Kühlsystem zu haben: einen Nasszellenkühler. Dieser würde gewährleisten, dass „der Rhein selbst an heißen Tagen durch das Kühlwasser von Block 9 nicht nennenswert erwärmt wird“, sagt eine GKM-Sprecherin.

Die wasserrechtliche Genehmigung läuft aus

In Karlsruhe wird in Kürze entschieden, wie es bei dem inzwischen fast 40 Jahre alten Block 7 weiter geht. Die wasserrechtliche Genehmigung läuft Ende dieses Monats aus. Die Wasserentnahme aus dem Rhein entspreche längst nicht mehr dem Stand der Technik, moniert der BUND. Die Genehmigung über den Weiterbetrieb fällt übrigens beim Regierungspräsidium Karlsruhe – dass das Kraftwerk aber bereits im Oktober wieder vom Netz geht, ist kaum zu erwarten.

Die im Südwesten betriebsbereiten Kohlekraftwerke

Karlsruhe
Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk (RDK) in Karlsruhe wird von der Energie Baden-Württemberg Kraftwerke AG (EnBW) betrieben und besteht aus zwei Kohle-Meilern: dem 2014 in Betrieb genommenen Steinkohlekraftwerk RDK 8 mit 834 Megawatt (MW) Leistung, und dem Kraftwerksblock RDK 7, mit einer Leistung von 517 MW. Die beiden Blöcke verfügen über 230 und 233 Meter hohe, weithin sichtbare Schornsteine. Im Oktober 2021 gab die EnBW bekannt, den Block 7 bis spätestens Mitte 2022 zur Stilllegung anmelden zu wollen. Das ist jedoch inzwischen überholt.

Mannheim
Die Großkraftwerk Mannheim AG (GKM) erzeugt mit Steinkohle Strom für rund 2,5 Millionen Menschen, Gewerbe und Industrie sowie Fernwärme für rund 120 00 Haushalte. Die Blöcke sechs, sieben acht und neun des GKM erzeugen laut den Betreibern eine Werkleistung von brutto 2146 MW, die installierte Fernwärmeleistung (Heizwasser) beträgt rund 1500 MW. Der GKM-Standort in Mannheim ist der größte im Südwesten. ttemberg.

Neckar
Am Neckar in Heilbronn steht ein weiteres großes Kohlekraftwerk mit dem Block 7 (HLB 7) und einer Nennleistung von 778 MW. Die dortigen Blöcke fünf und sechs, mit rund 250 MW, sind so genannte (Netz-) Kaltreserven. Ein deutlich kleineres Kohlekraftwerk wird zudem von der EnBW betrieben. Das Kraftwerk mit einer Leistung von rund 336 Megawatt wird von der EnBW in Altbach-Deizisau bei Esslingen betrieben.

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