Energiemarkt in Leinfelden-Echterdingen Energieriese kämpft um Kunden – auch in L.-E.

Die EnBW versucht derzeit, Gaskunden mit einer Preisgarantie für die kommenden anderthalb Jahre an sich zu binden. Foto: Norbert J. Leven
Die EnBW versucht derzeit, Gaskunden mit einer Preisgarantie für die kommenden anderthalb Jahre an sich zu binden. Foto: Norbert J. Leven

Vor dem Verkaufsstart für Strom und Gas durch die Stadtwerke L.-E. flattern EnBW-Kunden Angebote zu langfristigen Vertragsverlängerungen ins Haus.

Filder-Zeitung: Norbert J. Leven (njl)
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Leinfelden-Echterdingen - In der Post war ein Brief vom Energieversorger EnBW. Diesmal enthielt der Umschlag, den das Ehepaar Maier (Name geändert) aus Musberg am vergangenen Wochenende öffnete, keine Rechnung, sondern eine Offerte. Nur drei Schritte müssten sie unternehmen, um einen neuen Erdgaslieferungsvertrag abzuschließen und sich einen 50-Euro-Abschluss-Bonus zu sichern. Vorteil für die Erdgaskunden, die ihr Häusle mit dieser Energieart heizen: eine Preisgarantie bis 30. Juni 2015.

Der Rest des Angebots war für die Rentner optisch nicht mehr so einfach zu erfassen. Die Bedingungen, zu welchen der Tarifwechsel erfolgen soll, sind auf dem mehrseitigen Schreiben in einer Schriftgröße gedruckt, die gerade mal die Hälfte der Textzeilen dieses Artikels erreicht. Dennoch haben sie entziffern können, dass der Bonus und die Preisgarantie mit einer Bedingung verknüpft sind: Die Maiers müssten sich für 18 Monate an ihren Gaslieferanten binden und eine Kündigungsfrist von drei Monaten akzeptieren.

Kunden sind erstaunt

So wie diesem Ehepaar, das haben Recherchen der Filder-Zeitung ergeben, sind dieser Tage weiteren Kunden der EnBW in L.-E. Angebote zur Verlängerung ihrer Gasverträge ins Haus geflattert. Einige sind erstaunt, weil das Angebot just zu einem Zeitpunkt kommt, da die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen selbst im Begriff sind, in den Vertrieb von Strom und Gas einzusteigen: Vom 1. Juli an soll wie berichtet der Bezug möglich sein, die Veröffentlichung der Konditionen ist für den 18. Juni vorgesehen. Da spielt der Platzhirsch noch mal mit den Muskeln – so lässt sich beschreiben, wie informierte Gaskunden über die aktuelle Werbung der EnBW denken.

Die Aktion ist den Stadtwerken Leinfelden-Echterdingen, die erst vor Wochenfrist beim Stromnetz eine Partnerschaft mit der EnBW besiegelt haben, nicht verborgen geblieben. „Wir haben die Nachricht von einem Kunden erhalten, der schon länger über einen Wechsel zu uns nachdenkt“, erklärt Geschäftsführer Peter Friedrich. Nach außen reagiert er darauf ganz gelassen, intern hat das Vorgehen der EnBW bei den Stadtwerken L.-E. jedoch für einige Aufregung gesorgt.

Kampf mit harten Bandagen

Die Stadtwerke bekommen also – noch bevor sie richtig auf dem Markt präsent sind – zu spüren, mit welch harten Bandagen auf dem Energiesektor auch um die etwa vier- bis fünftausend Gaskunden in L.-E. gerungen wird. „Dass da mit Ellenbogen gekämpft wird“, sagt Friedrich, „war uns schon klar.“ So lange das fair ablaufe, „haben wir auch nichts dagegen“. Friedrich lässt aber durchblicken, dass man die aktuelle EnBW-Aktion unter dem Fairnessaspekt als „grenzwertig“ einstuft.

Eine Reaktion folgte am Freitag: Auf ihrer Internetseite regen die Stadtwerke nun an, eingehende Offerten eines Energieversorgers, die lange Laufzeiten enthalten, „gründlich zu prüfen“. Zum Beispiel darauf, „ob es sich überhaupt um ein besonderes Angebot handelt“. Mehr war laut Friedrich nicht möglich: Über ein Vorziehen der Veröffentlichung der eigenen Gastarife hätte zum Beispiel der Aufsichtsrat entscheiden müssen. Der aber konnte wegen der Pfingstferien nicht kurzfristig einberufen werden.

EnBW: Keine speziellen Aktivitäten in L.-E.

Der für den Vertrieb zuständige Pressesprecher der EnBW, Hans-Jörg Groscurth, versichert jedoch auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir haben in Leinfelden-Echterdingen keine speziellen Aktivitäten gestartet.“ Die Vorteilsaktion laufe im gesamten Versorgungsgebiet. In fünfstelliger Auflage habe man Werbebriefe verschickt. „Dabei ist nicht auszuschließen, dass darunter auch Kunden aus L.-E. sind“, sagt Groscurth. Er räumt auch ein, dass der Versorger nicht vorab ermittelt habe, ob das nun den Kunden vorgelegte Angebot auch das wirtschaftlich günstigste für ihn sei. Aus Erfahrung wisse man, dass dies inzwischen „jeder ohnehin vor einer Unterschrift prüft“.

Das Ehepaar Maier will hingegen das Angebot des bisherigen Versorgers nicht annehmen. Es vertraut auf die Aussage der Stadtwerke, dass ihnen beim künftigen LE-Gas-Tarif Kosten entstehen werden, die mit den bisherigen vergleichbar sind.




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