Sparen bei Mercedes, Bosch und Co. So reduzieren die Unternehmen ihren Energieverbrauch

Viele Unternehmen versuchen, ihren Heizkosten und Stromausgaben deutlich zu reduzieren. Dies auch, weil infolge des Homeofficetrends immer mehr Arbeitsplätze nicht mehr regelmäßig von den Mitarbeiterin beansprucht werden. Foto: imago images/Shotshop/Monkey Business

Mercedes-Benz hat bereits begonnen, Gas durch Grünstrom und Heizöl zu ersetzen. Hinzu kommen Sparvorgaben. Auch andere Unternehmen reduzieren ihren Energiekonsum. Wie?

Mercedes-Benz könnte den Gasverbrauch an seinen deutschen Standorten um insgesamt 50 Prozent reduzieren. Möglich sei das noch in diesem Winter, teilte der Konzern im Rahmen einer Umfrage unserer Zeitung unter Unternehmen aus der Region mit. Dafür werde Gas zum Teil durch regenerativ erzeugten Strom und durch Heizöl ersetzt. Zudem werde Energie gespart – durch „Minimierung des Betriebs aller nicht sicherheitsrelevanten Beleuchtungselemente“ und eine Absenkung der Heiztemperaturen.

 

Für öffentliche Gebäude sieht die von der Bundesregierung erlassene Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen (EnSikuMaV) eine Raumtemperatur von maximal 19 Grad vor. Neben öffentlichen Arbeitgebern wie der Förderbank L-Bank und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) richten sich auch private Unternehmen nach dieser Verordnung, wie die Umfrage ergab.

Heizung runter und Leuchtreklame aus

Bosch beispielsweise will „die Raumtemperaturen für Arbeitsplätze in Abstimmung mit Arbeitnehmervertretern und Werkärzten an die neuen zulässigen Werte anpassen“. Der Gasverbrauch sei im Jahresvergleich bereits um 15 Prozent gesunken, diese Einsparungen wolle man verdoppeln.

Auch Allianz Leben teilte mit: „Wir senken die Temperatur in unseren Bürobereichen um etwa zwei bis drei Grad ab, auf nicht kälter als 19 Grad.“ SAP senkt die Temperatur in den Büroräumen wo technisch möglich ebenfalls auf 19 Grad. Auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat die Raumtemperatur reduziert und optimiert die Zeitschaltung von Lüftungsanlagen und Aufzügen. Gespart wird bei vielen Unternehmen auch bei Außenbeleuchtung und Leuchtreklame.

Freitags reduziert die Allianz-Kantine ihr Angebot

In der Zentrale der LBBW wurden außerdem die Heizzeiten an Werktagen um 90 Minuten gekürzt. Die Öffnungszeiten der Filialen blieben aber unverändert, teilte ein Banksprecher auf Anfrage mit. Einige Einzelhändler haben in den vergangenen Wochen wegen der hohen Energiepreise ihre Öffnungszeiten eingeschränkt, wobei auch der Personalmangel eine Rolle spielt.

Allianz Leben setzt einen Teil der Bürogebäude bereits am Donnerstagabend „vorzeitig in den sogenannten Wochenendmodus“, die Temperatur wird dann noch deutlich unter 19 Grad gesenkt. Der Grund: Gerade freitags arbeiteten zahlreiche Beschäftigte daheim, erklärte Allianz Leben. Für die wenigen, die ins Büro kämen, werde „in ausgewiesenen Flächen eine diesem Bedarf angepasste Anzahl an Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt“. Zudem reduziere die Kantine freitags ihr Angebot an warmen Speisen. Bosch hält nach eigenen Angaben seine Beschäftigten an, „wo möglich auf freiwilliger Basis verstärkt mobil zu arbeiten. Ungenutzte Arbeitsflächen könnten somit ungeheizt bleiben.“ Klar sei aber: „Natürlich werden alle Mitarbeiter unverändert einen Arbeitsplatz im Betrieb aufsuchen können.“

Erste Spareffekte durch Heimarbeit sind schon sichtbar

Dass der Trend zum Homeoffice den Energieverbrauch im Betrieb verringert, haben einige Unternehmen schon in den vergangenen beiden Jahren festgestellt: Im Vergleich zu den Jahren vor der Coronapandemie seien „Einsparungen bei Strom und Heizung erzielt“ worden, erklärte die Börse Stuttgart. Derzeit arbeiteten rund 60 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice.

Ähnlich hoch ist die Quote bei der L-Bank, wobei die Mitarbeiter im Schnitt die Hälfte ihrer Arbeitszeit daheim verbringen. Die damit verbundenen Ersparnisse bei Strom und Heizung für die Förderbank lägen „in einem sehr niedrigen Bereich“, erklärte die Pressestelle.

Auch die milden Temperaturen helfen

Die LBBW teilte mit, bezogen aufs Heizen mache die Zahl der Mitarbeiter im Präsenzbetrieb keinen großen Unterschied, hier machten sich im bisherigen Jahresverlauf eher die milden Temperaturen bemerkbar. Der Stromverbrauch sei durch die reduzierte Büronutzung aber merklich zurückgegangen – auch wegen der „zeitweise sehr eingeschränkten Nutzung der Kantinen“. Zuletzt hätten etwa 40 Prozent der Beschäftigten des Unternehmens mobil gearbeitet.

Die Landesbank gehört zu den Unternehmen, die bereits beschlossen haben, ihren Mitarbeitern angesichts der steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten eine steuerfreie Sonderzahlung zu gewähren. Der Zuschuss fließt aber unabhängig davon, ob den Beschäftigten Zusatzkosten durch die Arbeit im Homeoffice entstehen. Allianz Leben verhandelt derzeit mit dem Konzernbetriebsrat über die Frage, „wie wir unsere Mitarbeitenden in Deutschland mit Blick auf besondere Belastungen gezielt unterstützen können“. Wegen der hohen Inflation hat die Bundesregierung Arbeitgebern ermöglicht, ihren Beschäftigten Sonderzahlungen von bis zu 3000 Euro steuer- und sozialabgabenfrei zu gewähren.

Investitionen in Solarstrom und Nutzung von Abwärme

Erfolge
 Bosch erzeugt bereits an verschiedenen Standorten weltweit Strom über Photovoltaikanlagen. „Allein 2021 kamen 29 neue Installationen mit einer jährlichen Erzeugungskapazität von 19 Gigawattstunden hinzu“, die Gesamtfläche dieser Solarzellen entspreche der von zwölf Fußballfeldern, teilte ein Sprecher mit. Schwäbisch Hall erklärte, seit 2009 sei der Stromverbrauch in der Hauptverwaltung nahezu halbiert und der Fernwärmeverbrauch um mehr als 60 Prozent gesenkt worden.

Zukunftspläne
Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische hat am neuen Standort in Kornwestheim, der 2023 bezogen wird, Photovoltaik auf den Parkhausdächern installiert. Geheizt werde dort unter anderem durch Rückgewinnung der Abwärme des Rechenzentrums. Auf diese Methode will künftig auch die LBBW setzen.

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