An diesem Freitag endet die letzte von vier Schließwochen an der Universität Stuttgart. Unter Studierenden war die Sparmaßnahme, mit der angesichts von Energiekrise und Inflation die Kosten reduziert werden sollen, ohnehin umstritten. Nun kritisieren Vertreter der Studierenden, dass zwar 57 zentral betriebene Hörsäle geschlossen seien und stattdessen Online-Vorlesungen angeboten würden, die Energiesparwochen aber tatsächlich „gar nicht in allen Gebäuden“ umgesetzt würden, erklärt Julian Siebert, der Präsident des Studierendenparlaments.
Weil sie wissen wollten, ob und wie das Rektorat die Energiesparmaßnahmen umsetzt, haben einige findige Studierende selbst Temperatursensoren gebaut und sie in fünf Hörsälen platziert. Dabei haben sie festgestellt: „In drei Hörsälen wurde die Heizung tatsächlich abgesenkt, dort hatte es zwischen 11,38 und 13,2 Grad Celsius“, erzählt Julian Siebert. Für zwei andere aber lasse sich das nicht sagen. „Ich studiere Informatik“, sagt Siebert, der eben mit seinem Masterstudium begonnen hat. „Im dortigen geschlossenen Hörsaal V38.01 hat es tagsüber warme 21 Grad Celsius“, erklärte der Präsident des Studierendenparlaments. „Das ist vermutlich wärmer, als manche Studierenden ihre Wohngemeinschaft heizen können“, sagt Siebert verärgert.
Sogar „noch wärmer“ sei es am Dienstagnachmittag im ebenfalls geschlossenen Tiefenhörsaal im Kollegiengebäude II an der Keplerstraße in Mitte gewesen, wo man um diese Zeit 24 Grad Celsius gemessen habe, berichtet er. Auch in kleineren Hörsälen im K2-Gebäude sei „die Heizung aufgedreht gewesen“, kritisiert er. „Das stößt einem sauer auf“, wenn man sich vorstelle, dass die Studierenden trotzdem zuhause säßen, sich mit Video-Vorlesungen begnügen und dort für die Heizkosten selbst aufkommen müssten. Das sei geradezu „absurd“, findet der 24-Jährige.
Für Julian Siebert und seine Mitstreiter ist wichtig, dass sich diese Situation „nicht wiederholt“, auch wenn nicht alle Gebäude geschlossen waren und man in Einzelfällen Lösungen gefunden habe. Noch mit der Corona-Erfahrung im Rücken betont er: „Schließungen dürfen kein Dauerzustand sein.“ Vor allem auch, weil viele Gebäude der Uni Stuttgart in einem „desolaten Zustand“ seien. Man habe die Sanierung der Unigebäude versäumt, „und das müssen jetzt die Studis ausbaden“, übt Julian Siebert scharfe Kritik an die Adresse des Landes, das der Universität die Energieeinsparung im Umfang von 20 Prozent zur Auflage gemacht hatte. An Klimaneutralität sei unter diesen Bedingungen aber nicht einmal zu denken, erklärt der Präsident des Studierendenparlaments.
Die Hochschulleitung reagiert offen auf die Kritik der Studierenden. „Das Feedback ist wichtig und wertvoll, um reagieren und nachsteuern zu können“, sagt Florian Krüger, der neue Sprecher der Universität. Bei weit mehr als 100 über das ganze Stadtgebiet verteilten Gebäuden ließen sich die beschriebenen Fälle „nicht gänzlich ausschließen“. Zumal die Universität ihren Betrieb nicht eingestellt habe und auch nicht alle Hörsäle zu seien. Ausdrücklich geschlossen und nur minimal belüftet und beheizt seien nur jene 57 zentral betriebenen Hörsäle, sagte Florian Krüger. In dezentralen Hörsälen und Laboreinrichtungen – insbesondere, wenn ein digitales Lehrangebot nicht möglich sei – könne in Verantwortung der jeweiligen Einrichtung auch Präsenz angeboten werden.
Nach Abschluss der Energiesparwochen werde es eine Auswertung geben, sagte der Pressesprecher. Dort werde „auch das Feedback von Studierenden einfließen“. Die Energiesparwochen seien aber nur eine von mehreren Maßnahmen zum Energiesparen. Man wolle dadurch „auch lernen, welchen Beitrag diese Maßnahme leisten kann.“