Energieversorger Der Kampf ums Stromnetz

Von Wolfgang Messner 

Die Mitglieder des Neckarelektrizitäts- verbands (NEV) gründen die Netzagentur Neckarnetz KG und wollen Teile der RWE-Tochter Süwag kaufen.

Zum Verbandschef gewählt: der Esslinger OB Jürgen Zieger. Foto: Rudel
Zum Verbandschef gewählt: der Esslinger OB Jürgen Zieger. Foto: Rudel

Wernau - Im Kampf um die Stromnetze im Südwesten sind die 176 Mitglieder des Neckarelektrizitätsverbands (NEV) einen Schritt weiter gekommen. Der NEV beschloss in seiner jüngsten Sitzung in Wernau (Kreis Esslingen), eine eigene Agentur namens Neckarnetz KG gründen. Zudem will der kommunale Zweckverband Anteile der zum Verkauf stehenden RWE-Tochter Süwag erwerben, die ebenfalls Netze im NEV-Gebiet hält. Der Wirkungskreis der NEV erstreckt sich von Bad Rappenau in Nordbaden bis Lichtenstein im Kreis Reutlingen.

Bis Anfang kommenden Jahres sollen die Kommunen ein Signal geben, ob sie der neuen NEV-Gesellschaft beitreten oder ihr Netz von der EnBW zurückkaufen und eigene Stadtwerke gründen, sagte der neue Verbandschef und Esslinger OB Jürgen Zieger. "Das Thema Süwag beschäftigt uns", bestätigte er. Wie weit die Gespräche bereits gediehen sind, wollte Zieger nicht sagen. Die NEV ist mit 0,69 Prozent an der EnBW und mit 4,706 Prozent bereits an der Süwag beteiligt.

Risiken und Intransparenz

Seit längerem tobt im Südwesten ein Kampf um die rund 800 Strom- und Gas-Konzessionen, die in den nächsten beiden Jahren auslaufen werden. Die EnBW Regional AG, eine hundertprozentige Tochter des Karlsruher Stromkonzerns, sieht dabei mit Sorge, wie sich immer mehr Kommunen von ihr abwenden und eigenständig werden. Beteiligungsmodelle wie die der NEV helfen dem Multi, auch weiterhin im Geschäft zu bleiben. Nach dem Modell sollen die Kommunen und die NEV selbst 51 Prozent an der neuen Netzagentur halten. Da die Landeskartellbehörde ein Veto eingelegt hat, schrumpft die in Aussicht gestellte garantierte Rendite von acht auf 5,5 Prozent, erläuterte NEV-Geschäftsführer Rüdiger Braun. Allerdings könnten sich Gemeinden auch direkt an der Gesellschaft beteiligen, was wohl aber nur für größere Kommunen in Betracht komme, da auch das Risiko höher sei. Bis Ende September 2012 müssen die Städte und Gemeinden entschieden haben. Die Gesellschaft Neckarnetze KG soll mit dem Jahresbeginn 2013 ihre Geschäfte aufnehmen, hieß es.

Noch aber ist es nicht soweit. Viele Städte haben sich bereits für eigene Stadtwerke entschieden, so etwa Ludwigsburg, Göppingen, Ditzingen und Metzingen.

Herbert Krüger, Bürgermeister von Neckartenzlingen (Kreis Esslingen), bemängelte Risiken und Intransparenz bei der EnBW Regional AG. Die Kommunen seien gezwungen, für einen Beitritt in die Netzgesellschaft Geld aufzunehmen. Doch die EnBW-Tochter weigere sich, ihren Jahresabschluss offenzulegen. Zudem sei immer wieder zu hören, dass die EnBW Regional verkauft werden soll. Es sei unklar, in welche Hände die Gesellschaft dann komme. Ähnliche Bedenken hatte im Vorfeld bereits der Verein Kommunale Stadtwerkee.V. geäußert. Die Beschlüsse der NEV seien nicht demokratisch legitimiert, da kaum ein Bürgermeister vorher eine Weisung seines Gemeinderates eingeholt habe, kritisierte der Verein. Verbandschef Zieger aber sieht "darin kein Problem".