Volle Gasspeicher helfen im Energiekrise-Winter. Das Februar-Ziel wird vermutlich erreicht. Hier zeigen wir den aktuellen Stand.

Volontäre: Simon Koenigsdorff (sko)

Über den Winter weiter heizen und Industrieanlagen betreiben – dafür ist in der Energiekrise entscheidend, ob genug Erdgas in den deutschen Speichern vorhanden ist. Zum 1. Februar soll der Füllstand bei mindestens 40 Prozent liegen.

Wie groß sind die deutschen Gasreserven in den mehr als 40 Speichern aktuell – und liegen sie im Plan, auch wenn durch die Pipeline Nord Stream 1 kein russisches Gas mehr fließt? Das zeigen tagesaktuelle Daten der Organisation Gas Infrastructure Europe (GIE).

Wie gut sind die deutschen Speicher derzeit gefüllt?

Die folgende Grafik zeigt täglich aktualisiert den Verlauf des Gasspeicher-Füllstands in Deutschland seit Januar 2022. Zum Vergleich sind die Füllstandskurve von 2021 und der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre eingezeichnet. Die Vorgabe von 95 Prozent zum 1. November wird bereits Mitte Oktober knapp erreicht. Das 40-Prozent-Ziel zum 1. Februar wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht.

Im letzten Winter waren die Gasspeicher vergleichsweise wenig gefüllt – der Höchststand lag nur bei rund 72 Prozent. Am Ende der Heizperiode im Frühjahr 2022 waren die Speicher deshalb deutlich leerer als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Seit dem Frühjahr, als die Bundesregierung zum ersten Mal Vorgaben für die Speicherbetreiber herausgegeben hat, haben sich die Speicher jedoch vergleichsweise schnell gefüllt.

Seit Mitte August ist mehr Gas in den Speichern als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Am 13. November waren die Speicher zu 100 Prozent gefüllt. Seither sinkt der Füllstand tendenziell, über die Weihnachtstage wurde dagegen Gas eingespeichert.

Wie viel entnommen wird

Die maximale Gasmenge in den deutschen Speichern, rund 245 Terawattstunden, ist weniger als die Hälfte dessen, was in Deutschland laut der Bundesnetzagentur in der vergangenen Heizsaison von November bis März verbraucht wurde. Das wird allerdings nur unter der Annahme relevant, dass plötzlich überhaupt kein Gas mehr nach Deutschland importiert würde. Das ist aber nicht der Fall, aus Norwegen und den westlichen Nachbarländern sowie über die neuen LNG-Terminals fließt weiterhin viel Gas nach Deutschland.

Dennoch wird permanent aus- oder eingespeichert. Wie viel, das zeigt die folgende Grafik:

Während der Kälteperiode Mitte Dezember wurde teilweise mehr als ein Prozent der gesamten Speicherkapazität ins Netz gepumpt. Die Speicher können sich also auch rasch leeren – oder befüllen, wenn wie über die Weihnachtstage der Verbrauch niedrig und der Netto-Gasimport hoch ist.

Ähnlich wie beim Strom wird auch Erdgas in Europa über Ländergrenzen hinweg gehandelt. Für Süddeutschland ist beispielsweise auch der große österreichische Gasspeicher Haidach wichtig. Umgekehrt ist auch das Gas in deutschen Speichern nicht allein für die Bundesrepublik reserviert.

Gasspeicher in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es nur zwei Gasspeicher, die zu den kleinsten in ganz Deutschland gehören. Solche unterirdischen Speicher nutzen entweder die Lücken in porösem Gestein (Porenspeicher) oder künstliche Hohlräume (Kavernenspeicher). In Fronhofen (Landkreis Ravensburg) befindet sich der kleinste deutsche Gasspeicher mit einer Arbeitsgaskapazität von rund 0,1 Terawattstunden. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was der größte Speicher im niedersächsischen Rehden mit mehr als 43 Terawattstunden fasst.

Der zweite Gasspeicher in Sandhausen bei Heidelberg ist ein Sonderfall: Er zählt nicht zum gesamtdeutschen Füllstand, weil er nicht – wie die meisten anderen Speicher – einem gesonderten Speicherbetreiber gehört, der ihn dem Gasmarkt zur Verfügung stellt, sondern direkt zum Netzbetreiber Terranets BW gehört, einem Tochterunternehmen des Energiekonzerns EnBW. Der Speicher ist mit rund 0,34 Terawattstunden Kapazität zwar etwas mehr als dreimal so groß wie der Speicher in Fronhofen, im Vergleich zu anderen Speichern aber ebenfalls klein.

Die folgende Grafik zeigt die Füllstände der beiden Speicher in Baden-Württemberg und den deutschlandweiten Speicherstand zum Vergleich.

Der Speicher in Sandhausen war bereits seit Frühjahr mit einer einzigen Ausnahme dauerhaft vollständig gefüllt, der Speicher Fronhofen wurde ab September von unter 50 Prozent innerhalb eines Monats wieder auf knapp unter 100 Prozent befüllt. Laut einer Sprecherin von Terranets BW wird der Speicher in Sandhausen von dem Unternehmen zur Stabilisierung des eigenen Gasnetzes eingesetzt, das sich hauptsächlich über Baden-Württemberg und Hessen erstreckt.

Diese und viele weitere Daten zur Energie in Deutschland zeigen wir regelmäßig aktualisiert in diesem Beitrag.