Energiewende Diese Bank ist eine Powerbank

Von Torsten Ströbele 

Das Smartphone braucht Saft und die Beine eine Pause? Bald laden an vier Pilotstandorten in Stuttgart Solar-Bänke zum Verweilen ein. An ihnen können Handys, aber auch andere Dinge aufgeladen werden.

Bis zu vier Leute können gleichzeitig an dem Möbelstück ihren Handy-Akku aufladen. Foto: Firma Messwerk (z)
Bis zu vier Leute können gleichzeitig an dem Möbelstück ihren Handy-Akku aufladen. Foto: Firma Messwerk (z)

Stuttgart - So könnte die Sitzbank der Zukunft aussehen – auch in Stuttgart. Die Firma Messwerk aus Pforzheim produziert seit dem Jahr 2017 die sogenannte ibench. Mit vier Dübeln an einem sonnigen Platz montiert, speichert sie Solar-Energie, damit bis zu vier Leute gleichzeitig an dem Möbelstück ihren Handy-Akku aufladen können. Zwei Personen brauchen ein USB-Kabel, zwei können ihr Mobiltelefon kontaktlos und induktiv mit Strom versorgen. Zudem besteht je nach ibench-Modell auch die Möglichkeit, einen WLAN-Hotspot zu erzeugen, der etwa bis zu zehn Meter rund um die Sitzbank für eine kostenlose Internetverbindung sorgen kann.

Wer sich für eine Hybrid-Bank entscheidet, kann über Bluetooth sogar ein eingebautes Soundsystem nutzen. „Es gibt Lautsprecher“, sagte Jörg Oeser von den Stadtwerken Stuttgart, als er den Botnanger Bezirksbeiräten die Solar-Bank vorstellte. „Aber es wird zu keinen Lärmbelästigungen kommen“, ergänzte Harald Schäfer von der Firma Messwerk auf Nachfrage unserer Zeitung. „Man kann die maximale Lautstärke regeln und auch einstellen, bis zu welcher Uhrzeit diese Funktion überhaupt genutzt werden kann.“ Sogar sein E-Bike oder einen E-Scooter könnte man an einem weiteren Modell – einer sogenannten Hybrid-Bank – aufladen, das zusätzlich auch über ein 19-Zoll-Display verfügt, „das man für Werbe-, Unterhaltungs- und Informationszwecke verwenden kann“, sagte Schäfer.

Bislang steht in Stuttgart noch keine dieser neuen Solar-Bänke. Aber das soll sich zügig ändern. „Aktuell planen die Stadtwerke Stuttgart gemeinsam mit der BW-Bank für 2019 vier ,Pilot-Sitzbänke‘“, sagte Oeser. „Damit wollen wir Erfahrungen sammeln, wie die Bank in der Öffentlichkeit ankommt und genutzt wird. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sind in Zukunft weitere Solar-Sitzbänke denkbar. Die Ergebnisse aus den genannten Piloten gilt es jedoch zunächst einmal abzuwarten.“

Noch im Juni soll die 100. Solar-Bank aufgestellt werden

Die Pilot-Bezirke sollen der Stuttgarter Westen, Botnang, Degerloch und Feuerbach sein. „Mitte Mai wurden die Bezirksvorsteher angeschrieben. Botnang hat als erster Stadtbezirk auf unsere Anfrage reagiert“, betont Oeser, der daraufhin das Projekt im Bezirksbeirat vorgestellt hat. „Ein Ziel der Solar-Sitzbank ist es, die Bürger für die Energiewende zu sensibilisieren und für die Nutzung beziehungsweise Erzeugung der Erneuerbaren Energien zu begeistern“, erklärt Oeser. „Aufgrund der Sonneneinstrahlung und Gebäudestruktur in den drei genannten Außenstadtbezirken sehen wir dort eine gute Basis für die Kommunikation der Botschaft ,Energiewende‘ sowie eine starke Nutzung der Funktionen der Solar-Sitzbank durch die Öffentlichkeit.“

Die Botnanger Bezirksbeiräte könnten sich vorstellen, das neue Möbelstück auf den Marktplatz zu stellen. Auch der Spielplatz an der Kauffmannstraße wurde als Option ins Spiel gebracht sowie die Skateranlage an der Beethovenstraße. „Wir müssen die Vorschläge mit dem Tiefbauamt erst einmal klären“, sagte Bezirksvorsteherin Mina Smakaj.

Noch im Juni möchte die Firma Messwerk ihre insgesamt 100. ibench aufstellen. „Zwei Bänke sind zum Beispiel im Blühenden Barock in Ludwigsburg zu finden“, sagt Harald Schäfer. „Dort, wo Menschen unterwegs sind, wird sie auch ex­trem gut genutzt.“ In Halle an der Saale haben auf dem Marktplatz im September vergangenen Jahres rund 900 Handyladungen an der Sitzbank stattgefunden. „Die Funktion und Nutzung werden an einen Server kommuniziert und dokumentiert“, sagt Schäfer. „Die Daten sind für den Betreiber der ibench mit Passwort einsehbar. So sind auch Veränderungen der letzten 24 Stunden, der letzten Woche, des letzten Monats oder des letzten Jahres nachlesbar.“ Die Sitzbank könne nicht nur die Nutzungshäufigkeit dokumentieren, sondern auch die gewonnene und verbrauchte Energie in Wattstunden und Kilowattstunden beziehungsweise die CO2-Einsparung anzeigen. „Sie kann auch Umweltdaten wie Feinstaub oder Stickstoffdioxid messen, wenn man Funksensoren einbaut“, betont Schäfer.

Die Lieferzeit für eine weiße Bank beträgt etwa drei Wochen. Falls sie in Farbe sein soll, dauert es fünf bis sechs Wochen. Je nach Ausführung und Modell kostet eine ibench zwischen 4000 und 5000 Euro. „Service und Wartung während der Garantiezeit ist durch den Lieferanten gewährleistet“, sagte Oeser. Vandalismus-Schäden seien bislang keine bekannt.

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