Energiewende Erneuerbare Energien holen Kohle ein

Von Alexander Del Regno 

In Deutschland wird mehr Ökostrom erzeugt. Dennoch sieht die Branche die Ziele für den Ausbau regenerativer Energien und damit den Klimaschutz in Gefahr.

Vor allem Strom aus Wind und Sonne hat deutlich zugenommen. Foto: dpa
Vor allem Strom aus Wind und Sonne hat deutlich zugenommen. Foto: dpa

Stuttgart - Erneuerbare Energien spielen eine immer wichtigere Rolle für die Stromversorgung in Deutschland. Allein in den ersten drei Quartalen haben regenerative Quellen 38 Prozent des Stromverbrauchs gedeckt, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Auch für das gesamte Jahr rechnen der Verband und das Forschungsinstitut mit einer Erneuerbaren-Quote von 38 Prozent.

Insgesamt wurden demnach zwischen Januar und Ende September 2018 fast 170 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen grünen Quellen in die Stromnetze eingespeist – deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit liegen die erneuerbaren Energien erstmals nahezu gleichauf mit der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle.

Um fast 16 Prozent ist die Fotovoltaik gewachsen

Am meisten zum CO2-freien Stromangebot habe mit insgesamt 63 Milliarden Kilowattstunden die Windkraft am Land beigetragen, heißt es. Zur Einordnung: Allein mit dieser Energiemenge können ungefähr 18 Millionen Drei-Personen-Haushalte in Deutschland ein Jahr lang mit Strom versorgt werden, schätzen Experten. Der Ertrag der Windenergie an Land ist damit um 13 Prozent gestiegen. Um fast 16 Prozent ist die Fotovoltaik gewachsen. Schon bis September sei mehr Solarstrom erzeugt worden als im gesamten Vorjahr, erklärte das ZSW. Dennoch warnen Branchenverbände, dass der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie gehemmt werde und dadurch die Klimaschutzziele Deutschlands in Gefahr gerieten. Der Chef des Fotovoltaik-Verbandes Solarcluster Baden-Württemberg, Franz Pöter, forderte gegenüber unserer Zeitung die Streichung der Förderbegrenzung auf 52 Gigawatt, da diese bereits im Jahr 2020 erreicht werde. Die bisherige gesetzliche Regelung sieht vor, dass neue Photovoltaikanlagen nur bis zum Erreichen einer insgesamt installierten Leistung von 52 Gigawatt eine Einspeisevergütung erhalten. „Die Deckelung ist kontraproduktiv“, sagte Pöter. Einerseits müsse Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen, andererseits bremse man den Ausbau der klimafreundlichen und mittlerweile günstigen Energie aus.

Streit um zusätzlichen Ausbau beigelegt

Der Geschäftsführer des ZSW, Frithjof Staiß, nannte die Zunahme der regenerativen Stromerzeugung zwar erfreulich. „Sorgen bereiten allerdings die Sektoren Wärme und Verkehr. Hier müssen wir endlich zu spürbaren Fortschritten kommen“, erklärte Staiß, Mitglied einer Expertenkommission der Bundesregierung.

Die große Koalition hat sich unterdessen nach monatelangem Streit auf den zusätzlichen Ausbau von Wind- und Solarenergie bis 2021 verständigt. Diese Einigung komme aber zu spät, um die Ausbauziele einzuhalten, kritisiert die Branche.