Energiewende im Ostalbkreis Die Revolution von Rainau

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Energiewende von unten: die 3000-Einwohner-Gemeinde Rainau will ihren Bedarf an Strom, Gas und Treibstoff selbst decken. Ein Dorfrundgang mit dem Bürgermeister Christoph Konle.

3000 Einwohner, fünf Ortsteile, jede Menge Wiesen und Wälder: das ist die Gemeinde Rainau, die ihren Energiebedarf in Eigenregie und ohne Zuschüsse decken kann Foto: Gottfried Stoppel
3000 Einwohner, fünf Ortsteile, jede Menge Wiesen und Wälder: das ist die Gemeinde Rainau, die ihren Energiebedarf in Eigenregie und ohne Zuschüsse decken kann Foto: Gottfried Stoppel

Rainau - Zum Besten, was die Gemeinde Rainau im Ostalbkreis zu bieten hat, gehört der handgemachte Zwetschenkuchen der Bäckerei Maier unweit des Rathauses. Man könnte sagen, das sei nicht schwer, weil der andere Bäckerladen im Ortsteil Buch im Juni notgedrungen schließen musste, aber der Bürgermeister Christoph Konle hat wirklich nicht zu viel versprochen. Das köstliche Streuselgebäck ist der Beweis, dass sich mit Rezepten von gestern auch morgen noch gut leben lässt – zumindest in Einzelfällen.

Die Rainauer zehren noch auf andere Weise von der Vergangenheit. Da ist vor allem das von einer mächtigen Glaskonstruktion überwölbte Limestor bei Dalkingen, ein wahrer Touristenmagnet. Interessant auch die Reste eines römischen Kastells oder der Bucher Stausee, ein Anziehungsort für Schwimmer, Segler, Angler und große Scharen seltener Wildgänse. Nebenher speist das Wasser eine alte Turbine, der Kalk lässt sie stottern, aber das wird sich durch ein neues Wartungskonzept bald ändern.

Christoph Konle, Bürgermeister von Rainau. Foto: Gottfried Stoppel
Vieles ändert sich in Rainau gerade, und das liegt an diesem neuen Bürgermeister, der im März ins Amt gewählt wurde. Er besitzt das Parteibuch der CDU, aber seine Visionen sind so grün wie die saftigen Wiesen, die sich zwischen den fünf Ortsteilen der Gemeinde bei Ellwangen erstrecken. „Wir wollen einen Masterplan für die Energiewende entwickeln“, sagt Christoph Konle. Die Gemeinde soll baldmöglichst den Energiebedarf der Einwohner selber produzieren, und zwar alle Energie: Wärme, Strom, Treibstoff für den Autoverkehr.

Reines Verwalten ist für Konle nichts

Leute gibt’s, die wissen schon früh, was sie werden wollen, und wenn nicht das, dann doch immerhin, dass sie was werden wollen. Konle, der mal Fußball gespielt hat und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Fußballtrainer Klopp nicht ableugnen kann, ist so jemand. Früh wurde er Geschäftsstellenleiter einer Sparkassenfiliale, engagierte sich nebenher als Gemeinderat in Unterschneidheim, und im Alter von 30 packte er erneut etwas an und bewarb sich in Rainau als Bürgermeister. Zack, saß er auf dem Chefsessel. „Ich wollte schon immer was bewegen“, sagt Konle.

Der mittlerweile 31-Jährige könnte es gemächlich angehen lassen und wohlgefällig das Wirken und Werden seiner Gemeinde steuern. Die kommunalen Finanzen sind ordentlich bestellt. Hier vielleicht ein bisschen mehr Werbung für die Römerstätten, dort etwas Pep für die Gemeindehomepage, dazu ein wachsames Auge auf den anstehenden Bau von fünf Windrädern am Ostrand – das könnte ein hinlängliches Arbeitsprogramm für den Beginn sein.

Bloß: schon Konles Wahlkampf hat angedeutet, dass reines Verwalten nichts für ihn ist. Und jetzt sagt er es immer und immer wieder: „Wir wollen, dass die Energiewende gelingt. Wir wollen Mustergemeinde für die ganze Region werden.“

Wir, das sind vorläufig der Jungbürgermeister sowie die Wissenschaftlerin Martina Hoffmann, die Inhaberin des Lehrstuhls für Erneuerbare Energien an der Hochschule Aalen. Wenn sie über den verfahrenen Stand der Energiewende erzählt, bekommt ihre Stimme etwas Empörtes. Sie erzählt vom „Wildwuchs der EEG-Gesetzgebung“, von Windparks, die immer wieder abgeschaltet werden müssten, damit die Stromnetze nicht kollabierten; von getriebenen Energiekonzernen, die „nur am Netzausbauen sind“, die riesige neue Stromtrassen über Hunderte Kilometer zögen, während die Energiespeichertechnik voranschreite und die Trassen in ein paar Jahren wohl überflüssig mache.