Energiewende in Baden-Württemberg Bau der Stromtrasse Südlink startet
Lange war nur der Wurm drin bei der Stromtrasse Südlink. Jetzt sind die ersten 17 Kilometer genehmigt. Wieso die Kabel hier 200 Meter unter der Erde verlegt werden.
Lange war nur der Wurm drin bei der Stromtrasse Südlink. Jetzt sind die ersten 17 Kilometer genehmigt. Wieso die Kabel hier 200 Meter unter der Erde verlegt werden.
Manche Großprojekte in Deutschland verzögern sich so lange, dass Nachrichten über einen bevorstehenden Baubeginn fast märchenhaft klingen. Die Stromtrasse Südlink ist so ein Fall. Die 700 Kilometer lange Hochspannungsleitung vom schleswig-holsteinischen Brunsbüttel bis ins baden-württembergische Leingarten soll die stromhungrigen Regionen im Süden mit der windreichen Küste im Norden verbinden. Geplant wird sie seit 2012, eigentlich sollte die Trasse, die ein Herzstück der Energiewende ist, 2022 in Betrieb gehen.
Gebaut ist immer noch nichts. Aber jetzt liegt für die ersten siebzehn Trassenkilometer in der Gegend von Heilbronn eine Baugenehmigung vor. Und wie der zuständige Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW mitgeteilt hat, soll der unterirdische Trassenbau noch in diesem Jahr beginnen.
Gemessen an der windungs- und widerstandsreichen Vorgeschichte des Großprojekts ist das fast schon eine kleine Sensation. Bei Transnet-Geschäftsführer Werner Götz, Umweltministerin Thekla Walker und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne) meint man bei ihren Stellungnahmen förmlich die Wackersteine vom Herzen fallen zu hören, dass es jetzt wenigstens so weit ist. „Wir haben das erste Südlink-Genehmigungsverfahren erfolgreich abgeschlossen“, sagt Götz und führt das übereinstimmend mit dem Stuttgarter Regierungschef auch auf den intensiven Dialog mit Bürgern und Beteiligten zurück. „In Baden-Württemberg gehen wir voran – hier zahlt sich aus, dass wir die Bevölkerung früh, transparent und dialogorientiert in den Planungsprozess eingebunden haben“, so Kretschmann gegenüber unserer Redaktion.
Doch gibt es Bürgerbeteiligung auch für die Südlink-Abschnitte außerhalb des Südwestens. Aber das geschlossene Auftreten der Beteiligten, der konsequente Einsatz von Umweltministerin Walker und ihres Vorgängers Franz Untersteller für die Trasse und die frühe Einbeziehung der Bürger wird hinter den Kulissen allenthalben als Erfolgsfaktor herausgestellt. „Das grüne Licht für den ersten unterirdischen Südlink-Abschnitt ist ein echter Durchbruch und Blaupause für andere“, erklärt Kretschmann.
Dass der Südwesten beim Trassenbau vorne liegt, kommt dem Grünen-Ministerpräsidenten zupass. Wegen des langsamen Tempos beim Windkraftausbau, fehlenden Mitteln für die Verkehrswende und wenig ambitionierten Zielen beim Klimaschutzgesetz ist er klimapolitisch in die Defensive geraten. „Wir müssen weg vom Bedenkenwälzen hin zum Machen“, ergänzt er im Blick auf Südlink und pochte erneut auf Vorrang für den Netzausbau.
Technisch ist der Streckenabschnitt von Heilbronn bis Leingarten eine kleine Sensation. Hier werden die Übertragungskabel in 200 Meter Tiefe verlegt: 16 Kilometer Kabel werden in den Stollen eines Bergwerks geführt, in dem seit über hundert Jahren Steinsalz abgebaut wird. „Die Umsetzung eines Erdkabelvorhabens wie Südlink unter Tage ist weltweit einzigartig“, betont Natascha Groll, die im Vorstand der Südwestdeutschen Salzwerke für das Projekt zuständig ist.
„Ich freue mich, dass der Vorschlag des Landes umgesetzt wird, die Trasse im Raum Heilbronn unter Tage zu führen“, sagt Umweltministerin Walker. Zwar hatte es der Genehmigungsprozess für diesen Streckenabschnitt, wie bei Transnet zu hören ist, wegen der bergrechtlichen Aspekte in sich. Und die Kabel auf die 200 Meter Tiefe und wieder hoch zu bekommen, wird als technisch komplex beschrieben. Doch sind die Kabel erst einmal unten, kann die Verlegung in vorhandenen Stollen sich als Glücksfall erweisen. Thekla Walker ist jedenfalls überzeugt, dass der Trassenverlauf im Stollen „Konflikte in einer dicht besiedelten Region vermeidet“.
Mitte 2024 soll die Teufung der beiden Schächte in Bad Friedrichshall-Kochendorf und in Leingarten beginnen. Im Südwesten werden insgesamt rund 80 Kilometer Trasse gebaut. Das sind knapp zwölf Prozent der Gesamtstrecke. 2028 will Transnet Südlink in Betrieb nehmen.