Stuttgarts Kirchengemeinden sind Multiplikatoren auf dem Weg der Stadt zur Erreichung der Klimaneutralität.

Derzeit können sich landesweit 46 evangelische Gemeinden mit dem Grünen Gockel schmücken. Auch die Stuttgarter Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang kann seit vielen Jahren auf den Umwelthahn verweisen, der alle vier Jahre rezertifiziert werden muss. Zudem wurde ihr das Umweltsiegel EMAS (Eco-Management And Audit Scheme) der Europäischen Union verliehen.

„Wir kümmern uns hier um ganz unterschiedliche Themen“, sagt Thomas Binder-Leube vom Umweltteam der Laurentiuskirche Rohr und der Stephanuskirche in Dürrlewang. Biodiversität stehe ebenso auf der Agenda wie Ökologie. Ob es um die Bepflanzung der Grünflächen, die Einrichtung von Insektenhotels oder die Auswahl umweltschonender Putzmittel gehe: Man versuche, alle Details im Blick zu behalten. Auch den Energieverbrauch und Möglichkeiten, Energie zu sparen.

Können Kirchengemeinden als Motor im Klimaschutz funktionieren?

Vor Kurzem ist das Netzwerk der Umweltteams im evangelischen Kirchenkreis Stuttgart in den Gemeinderäumen der Laurentiuskirche zusammengekommen, um sich auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Den Abschluss bildete eine abendliche Veranstaltung unter der Fragestellung: „Können Kirchengemeinden als Motor im Klimaschutz fungieren?“ Referent Felix Wellenreuther, Energie-Fachmann im Umweltamt der Stadt Stuttgart, sieht Nachholbedarf im Austausch mit den Gemeinden. Was die Beratung von Privatleuten angehe, sei man gut aufgestellt. Für Institutionen fehle es noch an spezifischen Angeboten.

Der Bedarf und der Wille sind da

Der Bedarf wäre in jedem Fall da: Viele Kirchenbauten sind sanierungsbedürftig. Die nötigen Maßnahmen ließen sich ideal mit der Entwicklung passender Energiekonzepte kombinieren. Auch der Wille, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten, ist seit Langem vorhanden.

„Ich denke, dass Kirche eine Vorbildfunktion hat, wenn es um den Umgang mit der Schöpfung geht“, ist Netzwerker Volker Ruta überzeugt und ergänzt:. „Sie kann zum Umdenken anregen und die Bedeutung der Ziele vermitteln, die sich die Stadt gesteckt hat.“ Konkret bedeutet das: Klimaneutralität bis 2050, vielleicht sogar schon bis 2035, eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent und des Endenergieverbrauchs um 50 Prozent, jeweils gemessen am Wert von 1990.

Ein Geräteaustausch spart Energie

10 000 Wärmepumpen sollen in Betrieb genommen werden, derzeit laufen 1300. 10 000 neue Photovoltaik-Anlagen sind als Energielieferanten vorgesehen. Auch hier gibt es von kirchlicher Seite bereits Beiträge, etwa in der Paul-Gerhardt-Gemeinde im Stuttgarter Westen. Dort erzeugt man rund 40 Prozent des Stromverbrauchs für Kita, Werkstatt, PC-Raum und Küchen über Solarenergie vom eigenen Dach. Die Energiekosten im Gemeindezentrum sind deutlich gesunken. „Das ist natürlich ein positiver Nebeneffekt“, so Volker Ruta. In seiner Heimatgemeinde in Heumaden-Süd habe der Pfarrer schon gewitzelt, ohne die Arbeit des Umweltteams wäre man bald pleite. Vor Jahren wurde beispielsweise eine veraltete Wasserumwälzpumpe der Heizung als wahrer Stromfresser ausgemacht. Fast ein Drittel des Gemeindeverbrauchs ging auf das Konto der Altlast.

Die Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang strebt laut ihrer Umwelterklärung von 2014 „eine sparsame Nutzung von Rohstoffen und Energieträgern sowie den Einsatz von erneuerbaren Energien“ an. Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sollen dabei Hand in Hand gehen. „Wir helfen dem Oberbürgermeister gerne dabei, auch weiterhin sagen zu können, Stuttgart sei mit seinem Energiekonzept spitze“, merkt Volker Ruta augenzwinkernd an. Die Informationen von Felix Wellenreuther, etwa zu möglichen Zuschüssen der Stadt für den Austausch alter Heizungen oder die Nutzung von Geothermie, werden im Netzwerk der Umweltteams sicher Nachhall finden.