In Birkach und Plieningen wird seit 2021 deutlich mehr Sonnenstrom geerntet – auch im Vergleich zu anderen Stadtbezirken. Die lokale Nachhaltigkeitsinitiative hat eine Erklärung dafür.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Der Balken bei Birkach/Plieningen fällt auf. Er überragt jene für die anderen Filderbezirke Degerloch, Sillenbuch, Vaihingen und Möhringen deutlich. Das Balken-Diagramm zeigt, wie viel Sonnenstrom in den genannten Stadtbezirken produziert wird, letzte Messung – begrenzt auf Haushalte – fürs Jahr 2021. Und genau im zurückliegenden Jahr stechen die Birkacher und Plieninger auf den Fildern deutlich hervor. Der Zuwachs liegt laut der Daten bei 18 Watt-Peak pro Person. In Sillenbuch liege der Zuwachs beispielsweise nur bei 13 Watt-Peak pro Person, zeigt Ulrich Schmidt auf einer Grafik und spricht von 34 neuen Anlagen 2021.

Schmidt ist Mitglied der Nachhaltigkeitsinitiative 70599_Lebenswert. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das auf lokaler Ebene Erfahrungen für die Gesamtstadt sammelt. Globale Ziele treffen hier auf lokalen Alltag: Die Vereinten Nationen haben sich mit den Sustainable Development Goals vorgenommen, die Welt bis 2030 nachhaltiger zu gestalten. In Birkach und Plieningen probieren Menschen in ihrer Freizeit aus, wie eher abstrakte Vorstellungen in konkrete Lösungen umgewandelt werden können.

Wie erklären sie sich den auffälligen Zuwachs?

Teil der Initiative ist das Energieteam, bei dem Ulrich Schmidt aus dem Stadtteil Schönberg mitmacht. Das Thema interessiert ihn persönlich, er erntet mit einer PV-Anlage auf dem Dach seines vermieteten Hauses in Birkach Sonnenstrom; und in der Wohnung, in der er wohnt, hängt am Balkongeländer ein Stecker-Solarmodul. Offenbar machen es immer mehr Menschen Ulrich Schmidt und den anderen von Lebenswert nach. Wie die Auswertung aus Zahlen des Marktstammdatenregisters zeigen, die der Leiter des Amts für Umweltschutz, Jürgen Görres, auf Nachfrage bestätigt. Doch woran liegt es? Schmidt glaubt: „Wir und das Amt für Umweltschutz führen dies auf unsere gemeinsame intensive Informationskampagne zurück und glauben, dass dies eine Blaupause für die gesamte Stadt sein könnte.“

Zum Energieteam gehören sieben Leute. Um zu erklären, was sie seit der Gründung 2020 alles gemacht haben, sind neben Ulrich Schmidt auch Evelyn Sindermann, Günter Wenninger und Thomas Gerner zum Videotreffen gekommen. Sie haben die Aufgaben aufgeteilt, ihr Ziel ist dasselbe: die Energiewende vor Ort voranbringen. Oder wie sie es nennen: Energie-Offensive. Thomas Gerner nennt sich selbst Bürger-Informant. Jede Woche kämen ein, zwei Anfragen von Leuten, die mit einer Solaranlage liebäugeln, die aber noch Fragen haben. Gerner sagt, er berate nicht, er diskutiere. Erstens, weil er das gern macht, zweitens, weil Beratungen für gewöhnlich kosten würden, seine Ratschläge hingegen gibt es gratis – und bei Bedarf sogar inklusive einer Besichtigung seiner eigenen Anlage, der Wallbox und der Wärmepumpe.

Die PV-Anlage hat Gerner seit 2019 auf dem Dach. Warum erst so kurz? Als der 64-Jährige noch berufstätig war, sei wenig Zeit geblieben, sich darum zu kümmern, erklärt er. So geht es mutmaßlich vielen. Ihnen möchte das Energieteam helfen und Arbeit abnehmen. Günter Wenninger hat einen Leitfragen für PV-Kaufwillige entwickelt. Er besteht aus 50 Fragen, die man der Solarfirma stellen sollte oder kann, es gibt ihn als kostenlosen Download. Er soll helfen, dass man auch die richtige Technik verbaut bekommt, „viele wissen gar nicht, was alles möglich ist“, sagt er. Ulrich Schmidt wäre damals froh um den Leitfaden gewesen, sagt er. Seine Dach-PV-Anlage sei beispielsweise nicht notstromfähig, leider auch nicht durch Nachrüstung. Die Initiative aus Birkach und Plieningen möchte den Menschen solchen Frust ersparen. „Die Leute sollen ein positives Erlebnis haben“, sagt Gerner.

Info-Veranstaltung

Beratung
Am Samstag, 23. Juli, informiert die Initiative 70599_Lebenswert in Plieningen über das Thema Solaranlagen. Von 10 bis 13 Uhr bekommt man auf seine Fragen Antworten. Ort ist der Mönchhof.