Energiewende in Stuttgart Sonnenkraftwerkchen am Balkongeländer

Zur Energiewende könne jeder etwas beitragen – und dabei sogar noch sparen. So sieht das Ulrich Schmidt aus Stuttgart-Schönberg, und er ist zuversichtlich, viele andere in der Bevölkerung von den kleinen Fotovoltaik-Anlagen zu überzeugen.

Die Solaranlage von Ulrich Schmidt aus Stuttgart-Schönberg: Der Klimaaktivist hat vergangene Woche Fakten geschaffen. Foto: privat
Die Solaranlage von Ulrich Schmidt aus Stuttgart-Schönberg: Der Klimaaktivist hat vergangene Woche Fakten geschaffen. Foto: privat

Plieningen - Der Erste, den Ulrich Schmidt von der Sache überzeugt hat, war Ulrich Schmidt selbst. Deshalb hat er seit vergangener Woche eine Fotovoltaik-Anlage an seiner Balkonbrüstung hängen. Wenn die Sonne auf seinen Südbalkon pratzelt, dann liefert sie den Strom für das, was tagsüber saugt: Kühlschrank, WLAN-Router und so weiter. Knapp 500 Euro habe er alles in allem bezahlt; das Modul, das in der Spitze 300 Watt produziert, sei ruckzuck zusammengesteckt gewesen. „Da braucht mein kein fachmännisches Know-how“, sagt der 59-jährige Mann aus Schönberg. „Es ist viel einfacher, als ein Ikea-Regal aufzubauen.“

Werbung für die Kraftwerkchen für jedermann

Weil es so einfach ist und doch einiges bringe auf dem Weg in ein klimafreundlicheres Leben, will Ulrich Schmidt möglichst vielen davon erzählen. Und nicht nur er. Bei einer Veranstaltung, die in möglichst vielen Stadtteilen stattfinden soll, soll für die Sonnenkraftwerkchen für jedermann Werbung gemacht werden. Los geht es in Plieningen am Samstag, 11. Juli, um 16 Uhr vor der Martinskirche.

Ulrich Schmidt ist studierter Agrarwissenschaftler, er arbeitet aber als Künstler – und er ist Klimaaktivst. Die Werbetour für die Balkon-Anlagen finden unter der Ägide des BUND und der Parents For Future statt. Bei beiden macht der Schönberger mit. In den kleinen Solaranlagen für die Balkonreling sieht er eine große Chance. „Wir verstehen uns als Teil der Energiewende“, sagt Schmidt. Wenn ihre Kampagne erfolgreich verlaufen sollte, würde dies einen erheblichen Beitrag für den Klimaschutz leisten, glaubt er.

Jeder Einzelne könne Fakten schaffen

Ulrich Schmidt geht davon aus, dass sich auch Menschen überzeugen lassen, die vor allem die Kosten im Blick haben. „Irgendwann merkt man es auf der Stromrechnung“, sagt er. „Es ist dann vielleicht ein Einstieg in ein größeres Umweltbewusstsein.“ Was die Stadt Stuttgart mit ihrem Klimaschutzprogramm vorhabe, seien vor allem Dinge, die im Verantwortungsbereich der Stadt liegen, sagt Schmidt. Mit einer Balkon-Anlage könne jeder Einzelne Fakten schaffen– und damit bald Geld sparen. Der Schönberger wohnt zur Miete in einem Mehrfamilienhaus. Die Vermieterin war einverstanden, dann ging alles sehr schnell. In seinem Fall musste noch ein Loch fürs Kabel in die Wand am Balkon gebohrt werden, keine große Sache, sagt Ulrich Schmidt. Wer eine Steckdose auf dem Balkon habe, der habe es noch leichter. Er habe seine neue Anlage an den Stromversorger gemeldet, der daraufhin seinen Stromzähler ausgetauscht habe. Bei anderen bemerkt er ein großes Interesse. Wenn er über das Thema spreche, „machen alle große Augen“.

Die Kosten lägen zwischen 300 und 800 Euro

Das bestätigt Jörg Sutter, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. „Die Leute haben ein gesteigertes Interesse“, sagt er. Viele fänden den Gedanken, konkret etwas tun zu können, verlockend. „Dann bin ich ein kleiner Energiewender.“ Und bei einigen seien die kleinen Module ein Einstieg in mehr. „Wenn sie mal gesehen haben, wie das funktioniert.“ Die Kosten für die Balkonmodule lägen zwischen 300 und 800 Euro.

Jörg Sutter wird am 11. Juli in Plieningen dabei sein und auch Detailfragen beantworten – Rechtliches, Technisches, er wird zudem praktische Tipps geben. So sei es wichtig, zunächst zu prüfen, wie viel Strom man überhaupt brauche und danach die Module auszuwählen. Ist das Kraftwerkchen zu groß, „produziert man mehr, als man braucht“, sagt Sutter. Die Energie sei nämlich nicht speicherbar.

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