Energiewende in Stuttgart Stadtwerke bieten Pachtmodell für Solaranlagen an

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Auf rund 28 500 Häusern in Stuttgart könnte man noch eine Solaranlage installieren – bisher hinkt Stuttgart aber der Entwicklung in diesem Bereich weit hinterher. Die Stadtwerke Stuttgart haben nun ein neues Pachtmodell für Hausbesitzer entwickelt.

Rote Häuser im Solaratlas sind sehr gut, orangene gut für Anlagen geeignet. Foto: Stadtwerke
Rote Häuser im Solaratlas sind sehr gut, orangene gut für Anlagen geeignet. Foto: Stadtwerke

Stuttgart - Die Stadtwerke Stuttgart wollen der bisher recht unterentwickelten Fotovoltaik in der Landeshauptstadt einen Schub verleihen und bieten deshalb seit Freitag den Eigentümern von Ein- oder Zweifamilienhäusern ein Pachtmodell an, mit dem die Stadtwerke „gerade die Kosten einspielen“ könnten, wie Geschäftsführer Martin Rau bei der Vorstellung sagte. Den Stadtwerken gehe es nicht darum, eine „Cashcow“ zu erhalten, sondern darum, den Bürgern ein faires Angebot zu machen, um mehr Solaranlagen auf die Dächer zu bekommen.

Bisher haben dem Vernehmen nach erst fünf Prozent aller Häuser in Stuttgart eine solche Anlage. Für das Angebot der Stadtwerke kämen 28 500 der etwa 74 000 Gebäude Stuttgarts in Frage. Auch die EnBW plant unabhängig davon „sehr zeitnah“ ein solches Angebot, wie Sprecher Hans-Jörg Groscurth auf Anfrage bestätigte.Bei dem Modell der Stadtwerke übernehmen diese und ihr Partner BayWa renew­able energy aus Tübingen die komplette Abwicklung: Sie übernehmen die Finanzierung, sie veranlassen die Installation durch einen örtlichen Handwerker, und sie kümmern sich um die Wartung. Der Kunde verbraucht den produzierten Strom selbst, und zwar möglichst viel davon, weil dieser Anteil von der EEG-Umlage befreit ist und deshalb ein besonders hohes Einsparpotenzial gegenüber dem normalen Strompreis bietet. Der Überschuss wird ins Netz eingespeist und vergütet. Im Gegenzug zahlt der Kunde eine vorher berechnete Pacht pro Monat, die 18 Jahre lang gleich bleibt – so lange läuft der Vertrag.

Nicht für jeden Hausbesitzer lohnt sich das Angebot

Wirtschaftlich lohne sich das Modell für den Bürger, so betont der technische Geschäftsführer der Stadtwerke, Michael Maxelon, wenn er mindestens 25 Prozent des produzierten Stroms selbst verbrauche. Wie hoch die Pachtgebühr wäre, kann jeder bei einem Solarrechner auf www.solar ­strom-fuer-stuttgart.de ungefähr ausrechnen. Meist liegen die monatlichen Kosten deutlich unter 100 Euro. Nach Ablauf des Vertrages gehört die Anlage dem Kunden.

Ein neuer Solaratlas zeigt das Potenzial in Stuttgart auf

Stuttgart hat tatsächlich einen enormen Nachholbedarf, was die Nutzung der Sonne als Energiequelle anbetrifft – insgesamt liegt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Stuttgart nur bei 1,5 Prozent; die Solarenergie macht dabei nur einen kleinen Teil aus. Andere Städte sind mit ihren Angeboten deutlich weiter. Auch ein Solaratlas, den die Stadtwerke am Freitag vorgestellt haben, gibt es anderswo schon seit Jahren. Bei diesem Solaratlas (unter der gleichen Internetadresse) kann jeder Bürger prüfen, wie gut sein Haus für eine Solaranlage geeignet wäre – man gibt einfach seine Adresse ein. Je nach Kennzeichnung ist ein Haus dann mehr oder weniger gut für Fotovoltaik geeignet.

Für die BayWa r.e., eine Tochter der BayWa AG, ist die Kooperation mit den Stadtwerken das erste Pachtmodell in einer Großstadt. „Wir haben sehr große Erwartungen, dass sich viele dafür entscheiden“, sagte Geschäftsführer Günter Haug am Freitag. Das Modell sei für alle geeignet, die die hohe Investition scheuten – eine Anlage kostet je nach Größe bis zu 10 000 Euro; interessant sei sie aber auch für jene Hausbesitzer, die sich nicht selbst darum kümmern wollten, die richtige Anlage und den richtigen Handwerker auszusuchen. Martin Rau sprach von einem „Rundum-Sorglos-Paket“. Vermutlich stellen sich aber viele, die in Eigenregie eine Anlage installieren, wirtschaftlich gesehen günstiger, müssen aber mehr selbst tun.Das geplante Angebot der EnBW sieht in den Grundzügen ähnlich aus. Es richtet sich zunächst ebenfalls an Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern; auch die EnBW kooperiert dabei mit einem Partner. Einen Akzent wolle man aber darauf legen, dass der Solarstrom gespeichert werden könne, betont Hans-Jörg Groscurth.

Auch die EnBW kommen mit einem Angebot auf den Markt

Bisher gilt das Angebot der Stadtwerke – und auch jenes der EnBW – nur für Eigentümer, die ihr Haus selbst bewohnen. Mieter können aus rechtlichen Gründen noch nicht profitieren. Beide Energieunternehmen arbeiten aber an Modellen, um auch diesen ein Angebot zu machen.

Dass Stadtwerke und EnBW in diesem Bereich Konkurrenten sind, wo sie doch jetzt bei den Netzen zusammenarbeiten, ist für Michael Maxelon kein Problem: Auch beim Stromvertrieb stehe man im Wettbewerb – das sei im Energiemarkt einfach so.

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