Auch im Landkreis Ludwigsburg wird es bald wohl üblich sein, dass sich Windräder in größerer Zahl drehen. Foto: dpa)
Das Kreishaus prüft aktuell viele Gesuche für Windräder. Aus Großbottwar könnte womöglich ein weiterer Antrag eingereicht werden. Die Überlegungen werden dort konkreter.
Christian Kempf
24.08.2025 - 10:00 Uhr
Das Windrad in Ingersheim war anfangs ein riesiger Zankapfel, wurde von Kritikern erbittert bekämpft, hat sich aber über die Jahre zu einem Wahrzeichen der Gemeinde gewandelt. Wesentlich für den Bekanntheitsgrad war wohl auch der Umstand, dass es die erste Anlage ihrer Art im Landkreis Ludwigsburg war und bis heute ist. Dieses Alleinstellungsmerkmal dürfte jedoch schon bald perdu sein und das Ingersheimer Windrad eines von vielen im Kreis sein. Denn beim Landratsamt Ludwigsburg sind mittlerweile für insgesamt 24 Anlagen Anträge auf eine Genehmigung eingegangen.
Die Gesuche beziehen sich auf sieben Standorte, die durch die Bank im neuen Regionalplan ausgewiesen werden sollen? und auf denen zwischen einem und acht Windräder angedacht sind. Jeweils zwei Areale befinden sich auf den Gemarkungen von Hemmingen und Markgröningen, je eines in Vaihingen an der Enz und Eberdingen. Dazu kommt eine Fläche, die sich über zwei Kommunen erstreckt: Oberriexingen und wiederum Vaihingen.
Weil auf all diesen Standorten Windräder errichtet werden sollen, die mehr als 50 Meter hoch wären, habe ein einfaches Baugesuch nicht ausgereicht, erklärt Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts in Ludwigsburg. Es brauche stattdessen für die Erstellung und den Betrieb eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung – die bislang in keinem Fall erteilt wurde. „Alle Anträge sind noch im Verfahren, eine abschließende Prüfung ist noch nicht erfolgt“, sagt Schuster.
Keine Bestrebungen für Windrad in Steinheim
Womöglich müssen die Fachleute im Kreishaus irgendwann auch ein Gesuch aus Großbottwar unter die Lupe nehmen. In der Kommune werden die Überlegungen konkreter, vor den Toren der Stadt im Hardtwald eine Anlage zur Erzeugung von grünem Strom montieren zu lassen. Der Verband Region Stuttgart kann sich hier im Forst zwei Vorranggebiete vorstellen, eines auf Großbottwarer, eines auf Steinheimer Gemarkung. Wobei man in Steinheim bei dem Thema gleich abwinkt. „Es gibt in Steinheim keine Bestrebungen, ein Windrad zu errichten“, sagt der Erste Beigeordnete Stephan Retter.
Anders dagegen die Gemengelage in der Nachbarkommune Großbottwar. Deren Bürgermeister Ralf Zimmermann hebt hervor, dass sich in unmittelbarer Nähe bald Rotoren drehen werden. „Vor allem in Aspach werden demnächst viele und hohe Windkraftanlagen gebaut. Das heißt, man wird die Anlagen auch im Bottwartal sehen, ob einem das gefällt oder nicht. Davon profitieren wir aber nicht. Deshalb stellt sich die Frage, einfach selbst eines zu bauen“, erklärt der Rathauschef.
Hinter dem Harzberg soll eine Freiflächen-PV-Anlage entstehen, die den gleichen Anschluss ans Stromnetz wie das Windrad nutzen könnte. Foto: Archiv (Avanti/Ralf Poller)
Falls sich der Betrieb rentieren würde, könne man die Umsetzung vielleicht über die eigene Energiegesellschaft oder über eine Genossenschaft anstoßen. Zudem habe man einen Interessenten in der Hinterhand, der aber mit spitzem Stift rechnen müsse, ob sich eine Investition für ihn lohne. „Das heißt nicht, dass die Windkraftanlage in Großbottwar kommt, und es heißt ebenfalls nicht, dass sie morgen gebaut würde“, stellt Zimmermann klar. Man wolle aber die Möglichkeit haben, das Ganze sauber durchplanen zu können.
Es braucht aus Sicht des Bürgermeisters dafür aber auch ein Entgegenkommen der Region. Nur dann könne man über einen wirklich praktikablen Standort diskutieren. Aktuell sei das nur bedingt der Fall. Der Verband Region Stuttgart habe das potenzielle Vorranggebiet zwischenzeitlich in den Norden verschoben.
„Unsere interne Vorprüfung hat aber ergeben, dass es wenige hundert Meter südlich mehr Sinn ergeben würde. Dort gibt es schon eine Stromtrasse. Außerdem planen wir in diesem Bereich hinter dem Harzberg eine Freiflächen-PV-Anlage. Damit ließen sich Synergieeffekte nutzen“, erklärt der Bürgermeister. Man könne dann nämlich einen gemeinsamen Anschluss an das Stromnetz für ein Windrad und die PV-Anlage installieren lassen.
Der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann hofft auf ein Entgegenkommen der Region, um einen möglichst praktikablen Windkraft-Standort unter die Lupe nehmen zu können. Foto: Archiv (KS-Images.de/Karsten Schmalz)
Davon abgesehen würde man dann auch von der Platzrunde der Segelflieger in Völkleshofen auf Aspacher Gemarkung wegrücken, gibt Zimmermann zu bedenken. Wohl kein unwesentliches Argument, wenn man berücksichtigt, dass die Region das ursprüngliche Wunschgebiet der Hardtwaldkommunen mit Raum für bis zu acht Windräder zuletzt rigoros zusammengestrichen hat – mit Verweis auf eben jene Platzrunde der Segelflieger.
Mehr als 3000 Stellungnahmen zu Windrad-Standorten
Allerdings ist unklar, ob der Verband Region Stuttgart (VRS) diesen Ball aufnimmt. Der neue Regionalplan, in dem alle potenziellen Standorte für Anlagen im Raum Stuttgart ausgewiesen sein werden, soll Anfang Dezember beschlossen werden, verkündet Thomas Kiwitt, Technischer Direktor des VRS.
Zu der zweiten Offenlegung des Entwurfs seien rund 3500 Stellungnahmen abgegeben worden. Man sei dabei, diese für die Beratung und Entscheidungsfindung im Dezember aufzubereiten. Eine Vorab-Einschätzung zum Umgang mit einzelnen Rückmeldungen wie der aus Großbottwar sei nicht möglich.
Entscheidung im Dezember
Stellungnahmen Der Verband Region Stuttgart muss in seinem Zuständigkeitsbereich auf mindestens 1,8 Prozent der Fläche Vorranggebiete für Windräder ausweisen. Zu einem ersten Entwurf mit möglichen Standorten waren zahlreiche Stellungnahmen eingegangen, das Werk war im Anschluss überarbeitet und abermals öffentlich ausgelegt worden. Bis 1. August bestand die Möglichkeit, Rückmeldungen zu der modifizierten Fassung einzureichen.
Eigentümer Am 3. Dezember soll abschließend entschieden werden, welche Standorte zum Bau von Windrädern reserviert werden sollen. Das heißt aber nicht, dass dort tatsächlich die Bagger anrücken. Mögliche Investoren müssten sich vor allem mit den jeweiligen Grundstückseigentümern einig werden. Im Fall des Standorts bei Großbottwar hat die Stadt die Zügel selbst in der Hand: Das betreffende Waldstück gehört der Kommune.