Die Zeit des Anbiederns ist für sie vorbei. Seit der Firmengründung 2019 haben Max Koch aus Fellbach und Max Plessing aus Weinstadt versucht, mit Weinfly, einem Wein-Energydrink, einen Fuß in die traditionelle Weinwelt zu bekommen. Inzwischen ist es den beiden Schulfreunden egal, dass die Weinbranche nichts davon wissen will. Sie wollen sich nicht mehr in die althergebrachten Strukturen einfügen. Stattdessen setzen sie auf Social Media bei der Vermarktung – und auf Provokation.
Max Koch und Max Plessing sind weder Sommeliers noch Jungwinzer. Mit ihrer Art, den heimischen Wein zu interpretieren, sind sie einzigartig und schwimmen gegen den Strom. Fast immer, wenn die geschäftstüchtigen Jungunternehmer aus dem Remstal mit ihrem Weinfly vorstellig wurden, stießen sie bei Weinmachern auf eine Wand von Vorurteilen und wenig Verständnis für ihr Tun. „Die meisten Weinerzeuger sehen das, was wir machen, als eine Schande für ihre Zunft“, sagt Max Koch. „Und genau das nutzen wir jetzt für uns.“ Ganz bewusst, sagen sie, geben sie die „Bad Guys“ der Weinszene. „Auch die anderen großen Player auf dem Markt gehen nicht mit der Masse“, so der 31-Jährige.
„Unser Klientel geht nicht zu Weinproben, sondern auf den Rave“
Die Entscheidung, sich von Weinmessen und -festen zu lösen und sich mit ihrem „Wine with Energy“ stattdessen mehr in Richtung Genussmessen zu orientieren, fiel indes nicht ganz freiwillig. Noch im vergangenen Jahr hatten sie beim Fellbacher Herbst einen Stand auf dem Guntram-Palm-Platz. Diesmal wurden sie nicht zugelassen. „Dabei kam unser Weinfly gerade bei den Jungen sehr gut an“, sagt der 32-jährige Max Plessing. Vielleicht sei ja gerade das das Problem, erklärt sein langjähriger Kumpel und Kompagnon. Letztlich sei es ihnen aber auch ziemlich schnuppe, meint Max Koch. „Der Fellbacher Herbst ist für uns eh durch. Unser Klientel geht halt nicht auf den Weinweg oder zu Weinproben, sondern auf den Rave.“ Schließlich sei ihnen selbst „normaler Wein“, wie sie sagen, immer zu langweilig gewesen. „Wir wollten etwas, das so richtig knallt. So entstand Weinfly.“
Weinfly ist ein Roséwein mit Zutaten. Das genaue Rezept des Partygetränks wird nicht verraten. „Bei uns wird nicht ewig am Glas geschnüffelt oder über Geschmacksnuancen, die man nur mit viel Einbildung schmeckt, philosophiert“, sagt Max Plessing. Weinfly schmecke immer gleich fruchtig und variiere nicht von Jahrgang zu Jahrgang. Auch von anderen Energydrinks hebe sich Weinfly ab, denn es gibt, anders als bei den meisten Konkurrenten, nur eine Geschmacksrichtung. Konsumenten könnten sich auf das immer gleiche Geschmackserlebnis verlassen, erklären die Gründer. Außerdem kann, soll und darf man den weinbasierten Wachmacher nach Herzenslust auch zum Mischen verwenden.
Dass es nicht honoriert wird, dass sie mit ihrem Wein-Energydrink junges Publikum auch an das Produkt Wein heranführen, können Max Koch und Max Plessing zwar nicht verstehen – aber Fellbach ist den beiden Freunden ohnehin längst zu klein geworden. Sie denken jetzt größer. Statt auf dem traditionellen Herbstfest präsentieren sie ihr Muntermachgetränk auf Weinbasis auf der „Venus“ in Berlin, der angesagtesten Messe für Erotik und Livestyle, die vom 24. bis 27. Oktober stattfindet. „Es lief völlig unkompliziert. Die Veranstalter finden unseren Drink mega, wir sind jetzt sogar offizielle Sponsoren der Messe“, sagt Max Koch.
Auch bei den Jungen kommt der Wein in anderer Form gut an. Auf TikTok hat die Präsenz des schwäbischen Energydrinks schon mehr als 100 000 Follower. Das liegt wohl mit an der frech-frivolen Marketingstrategie. Weinfly wird als „Die Bitch der Weine“ und mit Sprüchen wie „Kann Spuren von Geilheit enthalten“ oder „Leck mich trocken“ promotet. Mit dem neuen Produkt und dem frechen Image eröffneten sich ihnen Märkte, für die Wein sonst nicht wirklich relevant sei, so die Jungunternehmer. Wie eben die Erotikmesse „Venus“. Doch der Auftritt in der deutschen Hauptstadt ist Max Koch und Max Plessing nicht genug. „Wir denken groß und sehen einen Markt für Weinfly in ganz Europa und Übersee“, erklärt Koch. „Schließlich sind wir weltweit auch die einzigen, die ein Warnsignal-Etikett haben.“
Wo es Weinfly im örtlichen Handel gibt
12 500 Liter Weinfly haben Max Koch und Max Plessing in diesem Jahr abfüllen lassen und keinen Zweifel, dass sie die auch loswerden. Einige glauben schon seit den Anfängen vor gut fünf Jahren an das energiegeladene Weinprodukt. An Tankstellen im Rems-Murr-Kreis, in Weinstadt-Endersbach oder in Fellbach, ist der fruchtige, perlige Muntermacher längst zu haben. Auch bei Rewe-Aupperle, der in Fellbach und Stadtteilen mehrere Lebensmittelmärkte betreibt, gibt es die 0,75 Flasche zum Preis von 9,99 Euro. Weinfly hat dort sogar einen der von Herstellern begehrten Plätze im Kühlregal ergattert. Auch bei Edeka Petermann in Korb sei ihr „Wein with Energy“ zu haben, erzählt Max Koch. „Bei Rewe Süd-Südwest sind wir jetzt gelistet, und mit Edeka laufen derzeit Gespräche über weitere Märkte.“
Ein Roséwein mit Energie
Getränk
Weinfly, ein Energydrink auf Weinbasis, ist fruchtig, beerig, süß und prickelnd zugleich. Ein Wein mit Energiekomponenten, die „man nicht herausschmecken, aber spüren kann“, wie dessen Macher sagen.
Zusammensetzung
Anders als die meisten herkömmlichen Energydrinks, die mit künstlichen Aromen arbeiten, bestehe Weinfly aus „purer Natur“: Basis ist ein Roséwein, dem je 0,04 Prozent Guarana und Taurin sowie 0,02 Prozent Koffein, bei 0,75 Litern sind das exakt 168 Milligramm, zugesetzt werden. Weitere Informationen gibt es unter www.weinfly.com .