Engagement auf den Fildern Die Sundays for Future sind zum Putzen da

Wolfram Goldemann will seinen „bescheidenen Beitrag“ zum Umweltschutz leisten. Foto: Caroline Holowiecki

Wolfram Goldemann aus Echterdingen wird bald 80 und befreit einmal wöchentlich ein Firmengelände in Plattenhardt von Müll. Ganz freiwillig. Warum tut er das? Und was hat das mit Fridays for Future zu tun?

Da liegt schon wieder eine. Und da noch eine. Gestern erst war Wolfram Goldemann da, und bereits nach wenigen Stunden sind erneut Zigarettenkippen auf dem Boden zu finden. „Die Leute sind unverbesserlich“, sagt er und scannt mit Blicken den Parkplatz des Gartencenters Dehner in Plattenhardt. Hier hat Wolfram Goldemann sein Revier. Jeden Sonntag kommt der bald 80-Jährige von Echterdingen ins Filderstädter Gewerbegebiet gefahren und befreit den Parkplatz von Müll. „Ich zeige Ihnen was“, sagt er und kramt sein Handy hervor. Auf einem Bild ist ein Haufen Kippen zu sehen; die Ausbeute des Vortags. „Bei 230 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er.

 

Seit sechs Jahren widmet sich Wolfram Goldemann dem Parkplatz, rückt an den Wochenenden mit seinen beiden Schäufelchen an und nimmt Dreck vom Boden auf. „Mit der Zange gehe ich in die Ritzen“, sagt er, die Zigarettenstummeln, Papierchen und anderen Abfall entsorgt er im Container. Etwa eine Stunde braucht er für seine wöchentlichen Putzete, „mindestens 40 bis 45 Sonntage im Jahr bin ich da“. Rein ehrenamtlich. Sundays for Future nennt er das, angelehnt an die Jugendbewegung Fridays for Future. Für ihn hat das Umweltschutzgründe. „Ich will meinen bescheidenen Beitrag leisten“, sagt Wolfram Goldemann. Der Rentner fährt ein E-Auto, produziert mit mehr als 106 Solarelementen eigenen Strom, und jüngst wurden bei ihm Wärmepumpen installiert. Dass andere so sorglos mit dem Planeten umgehen, ärgert ihn. Sein Rekord lag bei 462 Kippen an einem Sonntag. „Ich mache mir ernsthafte Gedanken“, es gehe schließlich auch um seine fünf Enkel.

Der heutige Senior gründete das Gartencenter 1977 zusammen mit seiner Frau

Den Dehner-Parkplatz putzt der Senior nicht von ungefähr. Im August 1977 hat er den Betrieb zusammen mit seiner Frau gegründet, seinerzeit noch unter dem Namen Flora 2000. „Damals konnte ich einen Gummibaum nicht von einem Usambaraveilchen unterscheiden. Nach drei bis vier Monaten kannte ich mehr als 3000 botanische Namen auswendig“, erinnert sich der gelernte Großhandelskaufmann. „Wir waren damals das einzige Gartencenter, was im südlichen Großraum Stuttgarts geschaffen wurde“, erzählt er weiter. 40 Jahre später verkaufte er an Dehner – dem Geschäft ist er aber bis heute verbunden geblieben. Mindestens dreimal die Woche komme er zum Einkaufen. Wolfram Goldemann ist einer, der immer etwas wursteln muss. „Ich arbeite gern, nach wie vor“, sagt er, das halte jung. Seine Energie steckt er unter anderem in seinen Garten.

Während er Bilder von Beeten und Rasenflächen auf dem Handy zeigt, bleibt sein Blick immer wieder an den Kippen auf dem Boden hängen. Schließlich kann er nicht anders, er sammelt sie auf, entschuldigt sich kurz, rennt zum Mülleimer, wirft sie hinein. Singapur sei in puncto Sauberkeit sein Vorbild. „Es gibt keinen Kaugummi und keine Zigarette auf der Straße“, sagt er. Solange er fit genug bleibe, werde er den Parkplatz weiterhin freiwillig putzen. Das Hobby habe auch etwas Entspannendes. „Hier kann ich abschalten.“ Für sein Engagement wird er immer wieder belächelt. Wolfram Goldemann ist das egal. Was er tut, tut er aus Überzeugung. „Ich mache es für mich.“

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