Engagement für Stuttgart-Ost Der Nicht-Verein, der den Osten liebt

Von Thomas Graf-Miedaner 

Was und vor allem wer verbirgt sich hinter dem Verein „Anti Stöckach Stöckach Club“, von dem im ganzen Stadtbezirk Aufkleber zu finden sind?

Constantin Schiller (links) und Pascal Hof an ihrem Lieblingsort: dem Stöckachplatz. Foto: Thomas Graf-Miedaner
Constantin Schiller (links) und Pascal Hof an ihrem Lieblingsort: dem Stöckachplatz. Foto: Thomas Graf-Miedaner

Stuttgart-Ost - Viele Aufkleber im Straßenbild, eine Maske für ein Holzpferd und Leergut für Bedürftige? Um den Zusammenhang zu verstehen, muss man den sogenannten „Anti Stöckach Stöckach Club“ genauer unter die Lupe nehmen.

Wer seine Liebe kundtun möchte, kann Briefe oder Gedichte schreiben, vielleicht auch Blumen oder Geschenke schicken. Pascal Hof und Constantin Schiller haben ein Konstrukt gebildet, von dem sie sich gar nicht so sicher sind, wie man es definiert und dem Ganzen einen Namen gegeben, der eher Abneigung anstatt Liebe assoziiert: Den „Anti Stöckach Stöckach Club“. Wer bei diesem Namen denkt, da möchte jemand seine Ablehnung dem Stadtteil gegenüber kundtun, liegt komplett falsch.

Total begeistert vom Stöckach

„Wir sind total begeistert vom Stöckach“, sagt Pascal Hof, der schon an vielen Orten in Stuttgart gewohnt hat und nun aber seine Liebe für den Stöckach entdeckt hat. Gemeinsam mit Constantin Schiller hat er die Agentur „Schillerhof“ in der Rieckestraße, unweit des Stöckachplatzes, eröffnet und kann seitdem von dem Stadtteil nicht genug bekommen. Schiller, der hier bereits zur Schule gegangen ist, geht es ähnlich. Wenn zwei kreative Menschen beieinander sind, auch noch spezialisiert auf visuelle Kommunikation, passiert es schnell, dass diese Begeisterung nach außen getragen wird. „Zunächst haben wir uns gefragt, warum wollen eigentlich alle immer in den Stuttgarter Westen oder an den Marienplatz, wenn man doch auch im Osten so toll leben kann“, sagt Hof. Er selbst hat viele Jahre im Westen gelebt und hatte irgendwann genug von der „schicken“ Umgebung. Die Idee vom „Anti Stöckach Stöckach Club“ ist zunächst eher agenturgesteuert entstanden und sollte eine gewisse Abgrenzung gegenüber den „schickeren“ Stadtteilen signalisieren. „Das hat sich inzwischen aber schon sehr verselbstständigt und vor allem erweitert“, sagt Hof. „Es hat sich eine Art Plattform für Kreative herausgebildet“, erklärt er. Die vor allem eins teilt – die Begeisterung für den Stadtteil. Denn diesem hängt nach Meinung des „Clubs“, gerade im Vergleich zum Westen, vollkommen unfairerweise ein Schmuddel-Image an. „Dabei ist es eigentlich ein Hotspot für Kreative“, so Hof.

Plötzlich hatte das Holzpferd eine Maske

Wenn Kreative beisammensitzen, ist natürlich auch schnell ein Logo kreiert. Eines, das viele Menschen im Osten bereits kennen, da es einem von unzähligen Laternenmasten, Metallgeländern oder Zigarettenautomaten entgegenstrahlt. In weißer und türkiser Farbe: „Anti Stöckach Stöckach Club“. Doch beim einfachen Aufkleber unter Leute bringen wollten es die „Club“-Mitglieder nicht belassen. Zur Einführung der Maskenpflicht in Folge der Corona-Pandemie stand auf einmal auch das große Holzpferd der „Jung von Matt“-Agentur in der Neckarstraße mit Mund- und Nasenschutz da. Wer zunächst an einen PR-Gag der renommiertenAgentur dachte, liegt falsch. Dahinter steckt ebenfalls der „Anti Stöckach Stöckach Club“.

Die Corona-Pandemie hat die Kreativen des „Clubs“ gleichzeitig nachdenklicher gemacht: Mit der nächsten Aktion, dem zur Verfügung stellen von großen Mengen Leergut auf dem Stöckachplatz, wollte man darauf aufmerksam machen, dass durch die Pandemie nicht nur viele Menschen auf Großveranstaltungen und Partys verzichten müssen, sondern das Ausbleiben auch die ganz Bedürftigen betrifft, die ihr rares Einkommen durch das Sammeln von Pfandflaschen auf gerade solchen Veranstaltungen verbessern.

Unterstützung für Viva con Aqua

Nun tritt der „Anti Stöckach Stöckach Club“ auch ganz offiziell in Erscheinung. „Wir beteiligten uns bei der Quellen Galerie im Wizemann in Bad Cannstatt mit einem Kunstobjekt“, sagt Schiller.

Die Quellen Galerie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Wizemann mit verschiedenen Kooperationspartnern. Die Erlöse der Ausstellung mit den unterschiedlichsten Kunstobjekten kommen dem Wasserprojekt „Viva con Aqua“ zu Gute. Weitere Aktionen, ob jetzt ganz offiziell oder weniger offiziell, sind bereits in Planung. Festlegen will man sich beim „Anti Stöckach Stöckach Club“ aber noch nicht. Es ist eben wie bei der Liebe: So richtig wissen, wie lange sie hält, kann man eben nicht.

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