Engagement für ukrainische Flüchtlinge Hilfsfahrt geht trotz Motorschadens weiter

Jasmin Shabani, Konstantinos Satrazanis und Patrick Rastitard (von links) unternahmen einen Kraftakt für einen mit Motorschaden gestrandeten Hilfstransporter. Foto:  

Die Crowdfunding-Aktion eines „Gelben Engels“ aus Zell unter Aichelberg sorgt für eine große Spendenbereitschaft und bringt einen ukrainischen Hilfstransport wieder zum Laufen.

Alter Motor raus – neuer Motor rein. Seit Stunden sind Patrick Rastitard und sein Mitarbeiter Jasmin Shabani damit beschäftigt, einen VW-Kleinbus möglichst schnell wieder in die Gänge zu bekommen. Seit Kriegsbeginn pendelte er zwischen Deutschland und dem ukrainischen Krisengebiet hin und her – beladen mit Hilfsgütern auf dem Hinweg und Flüchtlingen auf dem Rückweg. Bis er am 1. April mit Motorschaden bei Nürtingen liegen blieb.

 

Ein Glücksfall war, dass er dort von Konstantinos Satrazanis aus Zell unter Aichelberg aufgelesen wurde, der seit zwölf Jahren ein sogenannter Gelber Engel des ADAC ist, also professioneller Pannenhelfer. „Das Fahrzeug war beladen mit Schutzwesten, Medikamenten und humanitären Hilfsgütern, die in der Ukraine dringend benötigt werden“, erzählt Satrazanis. „Der Name des Fahrers war Volodimir Strilchuk und die Geschichte, die er mir erzählte, bewegte mich sehr. Er ist einer von 19 ukrainischen Flüchtlingen, die von der Familie Lubow Selzer-Niederer aus Oberboihingen privat aufgenommen wurden. Seit Kriegsbeginn ist er mit dem weißen Kleinbus unermüdlich zwischen Deutschland und der Ukraine unterwegs. Bei den ersten Fahrten direkt nach Kriegsausbruch hat er bis zu 30 Flüchtlinge in dem eigentlich nur neunsitzigen Bus in Sicherheit gebracht“, erzählt der Zeller. Die hohe Belastung und die Laufleistung von weit mehr als 400 000 Kilometern hatten dem Kleinbus heftig zugesetzt. Motorschaden lautete die bittere Diagnose.

9000 Euro kostet der neue Motor

Konstantinos Satrazanis brachte das Fahrzeug in „Patricks Werkstatt“ in Weilheim. „Patrick kann schlecht nein sagen und ich hoffte, dass er den Schaden ohne hohe Kosten schnell beheben kann“, berichtet der Helfer mit einem Schmunzeln vom Anfang seiner Hilfsaktion.

„Durch den Ausfall des Fahrzeugs wird die Anzahl der Menschen, die sehnsüchtig auf einen Transport aus dem Kriegsgebiet warten, von Tag zu Tag größer. Auch die humanitären Güter werden dringend benötigt, da es inzwischen an allem fehlt.“

Der Werkstattinhaber Patrick Rastidard erklärte sich sofort bereit, kostenlos den nicht mehr zu rettenden Motor gegen einen neuen auszutauschen. Er wollte auch die Kosten für Öl, Kleinteile und die Kupplung übernehmen. Doch wer sollte die rund 9000 Euro für einen neuen Motor bezahlen?

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Konstantinos Satrazanis wandte sich hilfesuchend an verschiedene Stiftungen, doch das erwies sich als zu langwierig. Schließlich rief er über die Onlineplattform gofund.me eine Crowdfunding-Aktion ins Leben. „Ich wollte unbedingt dazu beizutragen, dass der kleine privat organisierte und finanzierte Hilfskonvoi wieder ins Rollen kommt“, erzählt der 34-Jährige und schüttelt verwundert den Kopf über die Resonanz. „Innerhalb von 30 Stunden kamen 10 300 Euro zusammen.“ Außerdem meldete sich Frieder Ratzel vom Autohaus Ratzel in Zell noch in der gleichen Nacht bei ihm und erklärte sich bereit, den Motor zu besorgen und zum Einkaufspreis abzugeben. Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. „Es gab nur diesen einen Motor in Deutschland und es ist dem Einsatz meiner Kollegen und Mitarbeiter zu verdanken, dass wir ihn bekommen haben und dass er so schnell geliefert wurde“, berichtet Frieder Ratzel. „Unsere Mitarbeiter waren auch in Sachen technische Hilfestellung in regem Kontakt mit Patricks Werkstatt.“ Konstantinos Satrazanis kenne er schon seit längerem sagt der Autohaus-Chef. „Er ist ein Gelber Engel durch und durch und hat ein unglaubliches soziales Gen. “

15 bis 16 Stunden Arbeit sind erforderlich

„Wir machen das gern“, erklären auch Patrick Rastitard und Jasmin Shabani. 15 bis 16 Stunden haben sie für die Arbeit eingeplant, und auch Satrazanis ist vor Ort, um „Handlangerdienste“ zu übernehmen. „Die Leute spenden immer noch“, stellt er mit einem Blick aufs Handy fest. „Sollte am Ende Geld übrig bleiben, werden wir davon Tankgutscheine besorgen oder bei Bedarf humanitäre Güter einkaufen“, erklärt der „Engel“, dem es zu verdanken ist, dass die Hilfsaktion ins Rollen kam und somit weitere Menschen gerettet werden können.

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