Engagiert in Marbach Voll im Einsatz beim Roten Kreuz – sogar noch mit 86 Jahren

Von hier aus hält sie alles am Laufen: Esther Maier am Schreibtisch der Bereitschaftsleitung. Foto: Mostbacher-Dix

Mit ihrem Engagement für die Gesellschaft könnte man Bücher füllen: Seit 1958 ist Esther Maier Mitglied im Deutschen Roten Kreuz. Im Ortsverein Marbach und darüber hinaus hat sie viel bewegt.

Sie hat die Umrisse des Landkreises Ludwigsburg und ein rotes Kreuz: die Verdienstmedaille in Gold, die höchste Auszeichnung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Mit dieser geehrt wurde Esther Maier für Jahrzehnte lange ehrenamtliche Tätigkeit und außergewöhnliches Engagement für das DRK im Ortsverein Marbach, im Kreisverband Ludwigsburg sowie im Landesverband Stuttgart. Nicht die erste Auszeichnung für die 86-Jährige. „Aber diese war eine echte Überraschung, ich freue mich sehr. Die Medaille sehe ich als Preis für alle beim DRK – ohne Team geht nichts.“

 

Die agile Frau weiß, wovon sie spricht. Schon 1958 trat sie in das Marbacher DRK ein, nachdem sie den Erste-Hilfe-Kurs und die Sanitätsausbildung absolviert hatte. Bereits drei Jahre später leitete sie die Blutspendeaktionen – und tut das noch heute. „Das ist so wichtig“, betont Esther Maier. Bis 2023 war sie dort auch Bereitschaftsleitung (BL) – seit 1973. Nun ist sie Stellvertretende in der Position. Die BL ist für das Ehrenamt zuständig. Dazu gehören Aus- und Fortbildungen, etwa im DRK-Kreisverband, in der Landessanitätsschule Pfalzgrafenweiler oder der Feuerwehrschule Bruchsal, die Organisation von Führungskursen, Sanitätsausbildung mit Herz-Lungen-Wiederbelebung, Grundlehrgang Sozialmanagement und realistische Unfalldarstellung. „Ich war in der Mim- und Schminkgruppe des Kreisverbands Ludwigsburg.“

Auch dort hielt Esther Maier die Fäden für die Ehrenamtlichen in der Hand – für 46 Ortsvereinen. Mehr als 15 Jahre, von 1985 bis 2000, war sie als Kreisbereitschaftsleiterin tätig, habe maßgeblich die Bereitschaften im Kreis zu dem gemacht, was sie heute sind, lobt das DRK Marbach. Auch im Kreisvorstand, der Fachberatung im Landratsamt und im Sozialausschuss des Landesverbands Stuttgart wirkte sie.

Wie war der Start beim DRK?

Esther Maier erinnert sich daran, wie sie als frischgebackene Kreisbereitschaftsleiterin den Unfallfolgedienst gründete. Gab es doch für auswärtige Angehörige von Unfallopfern keine Bleibe. „Die mussten bei der Polizei übernachten oder im Frauenhaus. Als jemand von der Leitstelle sagte, dass sie in der Nacht wieder eine Frau mit zwei Kindern in der Ausnüchterungszelle unterbringen mussten, entwickelte ich den Unfallfolgedienst, aus dem später die Notfallseelsorge wurde.“

Gleichzeitig rief sie die Hundestaffel erneut ins Leben und initiierte das Kreisauskunftsbüro (KAB). Ihr Vorbild: der Suchdienst des Roten Kreuzes nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wir setzen den KAB bei Hochwasser, Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen ein.“ Auch bei Übungen werde die Personenregistrierung mit Such- und Antwortkarten durchgespielt. „Wenn Angehörige fehlen, kann man zum KAB.“

Auch Übungen und Wettbewerbe plante sie. Und bis heute betreut sie die Aus- und Weiterbildung der Schwesternhelferinnen. „Mehr als 600 Namen waren, als ich kam, in der Kartei registriert – ohne eingesetzt zu werden. Viele pausierten nach der Heirat. Meine Aufgabe war, sie zu reaktivieren und auch zu vergüten.“ Über den Landesverband wurden die Schwesternhelferinnen angeschrieben, ob sie Interesse an Fortbildungen hätten. Ein Riesenerfolg.

„Zum ersten Kurs kamen acht, bald mehr. Nach zwei Jahren hatten wir so viele, dass wir aufteilen mussten.“ Auch sei es – mit dem Ausbildungsleiter vom Kreisverband Ludwigsburg – möglich geworden, Schulungen auch in Ludwigsburg stattfinden zu lassen statt nur in Pfalzgrafenweiler. „Damit waren die Frauen nicht acht Tage weg von der Familie.“ Die dreifache Großmutter schmunzelt. „Mutter der Nation“ sei sie immer wieder genannt worden. „Oder Hebamme.“

Eine solche habe sie als Kind werden wollen. „Schon früh interessierte ich mich für Medizin, wollte Menschen helfen.“ Nach der Handelsschule ergab es sich, dass die gebürtige Kirchbergerin in Marbach Zahnarzthelferin lernte. Von einer Patientin wurde die damals knapp 20-Jährige gefragt, ob sie Sitzwachen bei den frisch Operierten im Krankenhaus halten wolle. Eins kam zum anderen – und zum DRK. „Ein Lernprozess“, sei es, mit den Schicksalen umgehen zu können, denen sie im Laufe der Jahre begegnete. So manches Mal habe sie Familien in Not Essen gekauft. „Man muss sich in die Lebenslagen von Menschen hineinfühlen, ihnen offen begegnen, sich fragen, wie würde ich an dieser Stelle handeln“, beschreibt sie ihr Credo.

Wie steht es um den Nachwuchs beim DRK?

Das liegt in der Familie. „Mein Mann war Freiwilliger beim Katastrophenschutz.“ Auch ihre beiden Söhne engagierten sich. Hat sie Wünsche? „Schön wäre, wenn wir in Marbach wieder ein Jugendrotkreuz hätten. Kinder heute haben oft viel zu tun. Nachwuchs findet sich in der Großstadt oder auf dem Land einfacher als an einem Ort dazwischen.“ Man müsse den Jungen zuhören, versuchen ihre Anliegen zu verstehen. „Die Zeiten sind stetig im Wandel, man muss voneinander und miteinander lernen – ein Leben lang. Und sich in der Not helfen.“

Im Sinne der Ideale des Roten Kreuzes, betont sie – und zeigt Fotos vom „Fiaccolata“. Dieser Fackelzug geht seit 1992 jährlich um die Welt geht und endet am 24. Juni im italienischen Solferino. Er erinnert an die Anfänge der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung: Im Staffellauf wird das „Licht der Hoffnung und Menschlichkeit“ von Rotkreuzgliederung zu Rotkreuzgliederung weitergegeben. Esther Maier trug im Jahr 2023 die Fackel vom Blühenden Barock in Ludwigsburg zum Seeschloss Monrepos. „Ich will wieder dabei sein.“

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