Auch deshalb fixieren sich die rund 15 Mitglieder aus Hemmingen und Umgebung längst nicht mehr auf ausschließlich Naturfotografien. „Für mich ist es spannender, mich in anderen Bereichen auszuprobieren und zu sehen, was herauskommt“, sagt Uwe Schmietainski. Wie nähere man sich einem Thema, wie gehe man damit um? Freilich hofft die Gruppe auch, mit ihrer Strategie ein breiteres Publikum zu locken. Keiner fahre 100 Kilometer weit für eine Fotoausstellung, vermutet der 61-Jährige zwar, sondern man gucke sie eher an, wenn sie auf dem Weg liegt. Aber vielleicht tun genau das nun mehr Menschen als bisher? Die Ausstellung „Kreativ sehen und fotografieren“ samt Multifunktionsshow vergangenen September im Rahmen der Kulturnacht jedenfalls sei überrannt worden, berichtet Uwe Schmietainski danach. Mittlerweile ist die Gruppe zudem um zwei Mitglieder gewachsen.
Schilf in Schweden
Jetzt also Spiegelungen, Motive im Doppelpack. Die nicht bloß in Gewässern entstehen. „Es gibt ganz viele Spiegelungen“, sagt Uwe Schmietainski und nennt Schaufenster als ein weiteres Beispiel. „Wenn man offen ist, ergeben sich tolle Phänomene“, so Schmietainski, der mit einem Spiegelei kokettiert habe. „Man hat einen Filter im Kopf, wenn man etwas betrachtet.“ Und könne mehr zeigen als nur Motiv und Spiegelung: Beides lasse sich zu einem Gesamtwerk kombinieren, oder man lege das Augenmerk auf das gespiegelte Motiv.
Die neue Ausstellung umfasst 20 Bilder. Es sind nicht nur Motive aus Hemmingen dabei, wie die Spiegelei mit Spiegelei. Die Hobbyfotografen zücken die Kamera, wann und wo immer ihnen Motive begegnen, die aus ihrer Sicht festgehalten werden müssen. Er habe Schilf in Schweden fotografiert, erzählt Uwe Schmietainski. Dann lacht er. Dass das Bild im Norden Europas entstanden ist, erkenne allerdings keiner.
Kiloschwere Ausrüstung im Gepäck
Dass heute fast jeder mit dem Smartphone fotografiert, ficht die Ende Februar 2012 gegründete, passionierte Gruppe nicht an. „Die Frage ist doch, was ich mit einem Foto anstellen will“, sagt Schmietainski. Um es in den sozialen Netzwerken zu posten, genüge die Qualität einer Handykamera völlig. Anders sehe es aus, will man ein Bild im Format A2 ausdrucken. Oder ein Detail herausholen. Auch für die Makrofotografie – mit dem Ziel, ein (kleines) Objekt möglichst groß und präzise darzustellen – eigne sich die Kamera eines Smartphones nicht. Mit einem schönen Foto auf dem Bildschirm seien die meisten zufrieden – „wir sind es aber nicht“, sagt Uwe Schmietainski.
Er berichtet, die Mitglieder der Gruppe würden eine Menge Zeit investieren, sich Gedanken über Motive machen, lange bevor sie den Auslöser drücken. Bei gemeinsamen Ausflügen mit der kiloschweren Ausrüstung im Gepäck bleiben sie oft eine ganze Weile stehen, bis für sie klar ist, ob ein Objekt als Motiv taugt oder nicht. Ohnehin biete eine Digitalkamera mehr Möglichkeiten zu experimentieren, sagt Schmietainski, der sich sein Wissen am liebsten selbst aneignet. Etliche seiner Mitstreiter würden dagegen Kurse besuchen, und regelmäßig setzt sich die Gruppe zusammen, um über Themen wie Bildbearbeitung zu sprechen. Die Ansprüche an ihre Fotos sind hoch.
„Keine Herausforderung, Bilder mit KI zu generieren“
Nichtsdestotrotz, die Handyfotografie sei toll, betont Uwe Schmietainski. Ebenso wenig sei er ein Gegner von Künstlicher Intelligenz (KI), zumal die Fotogruppe Bildbearbeitungsprogramme nutzt. Grundsätzlich komme die Konkurrenz vom KI-Hype, nicht von den Handykameras, sagt Schmietainski: KI produziere immer perfektere Bilder, egal wovon. Das erzeuge zwar Frust: „Ich nehme Strapazen auf mich, um ein tolles Bild zu machen – und zack, die KI liefert es binnen kurzer Zeit“, sagt Uwe Schmietainski.
Andererseits „ist es für uns keine Herausforderung, Bilder mit KI zu generieren“, meint der 61-Jährige. „Und wir fotografieren ja auch deshalb, um uns und anderen eine Freude zu bereiten. Es liegt an uns, was wir aus KI machen, die außerdem nicht alles kann“, ist er überzeugt – und ergänzt, möglicherweise sei es gerade Spontanes, Unvorhergesehenes wie ein herabhängender Ast oder ein Wetterumschwung, eben nicht das makellose Motiv, das künftig gewünscht ist.
Termin und Infos
Die Ausstellung „Spiegelungen“ im Rathaus öffnet an diesem Montag, 17. Juni, 17.30 Uhr. Der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) sagt ein paar Worte. www.nabu-foto-ag.de.