Ordentlich geraucht hat es in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Engelbergtunnel. Allerdings war das alles, inklusive zeitweiser Vollsperrung beider Röhren, kein Einsatzgrund für die Feuerwehren aus dem Umland – obwohl die Brandschützer sehr wohl zugegen waren. Rauch und Feuer waren geplant. Es handelte sich dabei um den allerletzten Test für die Weströhre des Autobahntunnels, bevor sie regulär in Betrieb gehen konnte. Ein sogenannter Brandrauchversuch bestätigte die volle Funktionsfähigkeit des neuen, wie es offiziell heißt, „Systems für Branderkennung und Brandlüftung“.
„Die bestandene Prüfung war erforderlich, um die Bauarbeiten an der Weströhre abschließen zu können“, antwortet die Betreiberin, die Autobahn GmbH des Bundes, auf die Anfrage unserer Zeitung. Wie die Prüfung vonstatten ging? An drei Standorten im Tunnel wurden dafür Funktionstests durchgeführt: fünf Rauchversuche, um die Arbeitsweise der Lüftung zu erproben und ein Brandversuch, um die Reaktion der Brandmeldeanlage zu kontrollieren. „Alle Systeme bestanden die Prüfung einwandfrei“, heißt es von der Autobahn GmbH. Es sei ein Ergebnis, mit dem man gerechnet habe. „Diese Tests waren im Vorfeld schon erfolgreich im System simuliert worden.“ So sei es bei dem finalen, nächtlichen Test hauptsächlich um die Bestätigung der Funktionsfähigkeit gegangen – und zwar unter tatsächlichen Bedingungen im Tunnel.
Beim Brandrauchversuch in der Weströhre waren auch die zuständigen Feuerwehren aus Gerlingen, Leonberg und Ditzingen mit dabei. Sie waren schon zuvor in enger Zusammenarbeit stetig in den Fortgang der Bauarbeiten eingebunden. „Durch die Beobachtung der Reaktionen des neuen Systems im Tunnel können sie ihr Vorgehen bei möglichen Ereignissen entsprechend planen“, heißt es in der Antwort der Autobahn GmbH. Die Information beispielsweise, wie der Rauch sich bei neuer Lüftung bewegt, ermögliche den Rettungskräften, ihre Taktiken für Einsätze genau anzupassen.
Test nachts und am Wochenende, um Verkehr möglichst wenig zu stören
Um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen, ging der Brandrauchversuch nachts und am Wochenende über die Bühne – unter Vollsperrung beider Röhren. Gegen 7 Uhr am Sonntagmorgen war alles vorbei, früher als geplant. So konnte auch eines der größten Anliegen der Autobahn GmbH eingehalten werden: die reibungslose Anreise der Fußballfans zum EM-Spiel Slowenien gegen Dänemark am frühen Sonntagabend in der Stuttgarter Arena.
Bereits in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni war der Engelbergtunnel komplett dicht. Auch diese Vollsperrung war geplant gewesen, für die Fertigstellung der Weströhre war ein letztes Software-Update für die Tunneltechnik vonnöten. Auch dabei klappte alles reibungslos. Wie auch am vergangenen Wochenende wurden dabei mehrfach Test-Brandalarme ausgelöst.
Baustelle zieht nun in die Oströhre um
Im Laufe des Sommers wird die Baustelle nun in die Oströhre umziehen. Ende Juni soll die Verkehrsführung umgebaut werden. Auch in der Oströhre wird eine rund 180 Meter lange Zwischendecke eingezogen – wie es jetzt in der Weströhre geschehen ist. Grund für die Sanierung ist das Mineral Anhydrit, das in Kontakt mit Wasser aufquillt und Druck auf Tunneldecke und -wände ausübt. Das führte in der Vergangenheit zu erheblichen Schäden in Form von Rissen und Abplatzungen in der Schale.
Die Bauarbeiten zur Sanierung des 1999 fertiggestellten Tunnels laufen seit September 2019. Sie begannen zunächst unter der Fahrbahn und gingen 2021 im Verkehrsraum der Weströhre weiter. Ende des Jahres 2025 soll alles erledigt sein, die Kosten belaufen sich auf rund 130 Millionen Euro.