Engelbergtunnel Leonberg nach Brand Herrenlose Pkw, verkohlte Kühlschränke – so sah es nach dem Feuer im Tunnel aus

, aktualisiert am 04.03.2026 - 12:16 Uhr
Ausgebrannter Auflieger: Der Anhänger hatte Kühlschränke geladen. Foto: Marius Venturini

Der Lkw-Brand im Engelbergtunnel bei Leonberg setzt Verkehr und Einsatzkräften massiv zu. Die Besichtigung des Schauplatzes zeigt das gewaltige Ausmaß der Zerstörung.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Der Gestank nach Verbranntem ist massiv. Er beginnt schon in einem der Querschläge, der von der Ost- in die Weströhre des Engelbergtunnels führt. Doch öffnet man eine der Notausgangstüren, herrscht zunächst: Dunkelheit. Ein paar Meter weiter steht ein Sattelzug, davor ein Tesla mit angeschalteter Warnblinkanlage. In der Ferne, in Richtung Tunnelausfahrt, sind Blaulichter zu erkennen, noch ein Sattelzug. Und immer dieser üble Gestank . . .

 

Dann, um kurz nach 18 Uhr am Dienstagabend, wird bei einem Ortstermin das Ausmaß dessen sichtbar, was am Nachmittag im Engelbergtunnel passiert ist. Dass das deformierte Gefährt mal ein funktionierender Sattelzug-Auflieger gewesen sein soll, ist schwer vorstellbar. Die verkohlten Reste, die daneben liegen, waren anscheinend einmal Kühlschränke. Hochleistungs-Scheinwerfer des Technischen Hilfswerks (THW) beleuchten die Szenerie.

Auf dem Gehweg neben der Fahrbahn watet man durch Überbleibsel vom Löschschaum. Die Decke ist schwarz vor Ruß, es hängen Kabel herunter, der Beton ist teilweise abgeplatzt. Wie die Autobahn GmbH mitteilt, sind sowohl die Kabel der Tunnelsteuerung als auch der Brandmeldeanlage selbst verschmort.

Engelbergtunnel bei Leonberg nach dem Brand: Waten durch Löschschaum

Um 14.19 Uhr ging bei der Polizei die Meldung ein: Im Engelbergtunnel brennt ein Lkw. Was ohnehin schon sämtliche Alarmglocken losschrillen ließ, entwickelte sich zu einem gigantischen Einsatz für die Rettungskräfte. Am Ende waren 200 Helfende von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, 100 von verschiedenen Rettungsdiensten und 40 bis 50 Polizeibeamte gebunden. Die Autobahn GmbH, Betreiberin des Tunnels, spricht von 386 Einsatzkräften mit 57 Fahrzeugen.

Feuer im Engelbergtunnel: Der Auflieger brennt lichterloh. Foto: KS-Images.de

Zwei Personen wurden dabei verletzt, bei ihnen handelt es sich laut Leonbergs Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann um die Lkw-Besatzung. Sie zogen sich schwere Rauchgasvergiftungen zu. Insgesamt wurden 35 Menschen mindestens kurzzeitig vom Rettungsdienst betreut.

In der Nähe der Tunnelwand steht ein Sattelschlepper ohne Auflieger. Es ist der Truck des ausgebrannten Anhängers, den der Fahrer noch abgekoppelt und in Sicherheit gebracht hat. Polizeibeamte stehen um ihn herum, ein Man in gelber Warnjacke steigt ein und wirft den Motor an. Die Bergung der Fahrzeuge aus dem Tunnel wird sich an diesem Abend jedoch noch eine Weile hinziehen. Die Brandursache ist noch unklar.

Engelbergtunnel: Oströhre wieder offen, Weströhre bleibt wohl noch wochenlang geschlossen

Vor Ort am Tunnel war, nach einer kurzfristig im Rathaus anberaumten Pressekonferenz mit Vertretern der Blaulichtorganisationen, auch Leonbergs Rathauschef Tobias Degode. Mit seiner „Oberbürgermeister“-Warnjacke fällt er zwischen all den Rettungskräften gar nicht auf. Er hatte sich bereits am Nachmittag in der Feuerwache ein Bild von der Situation gemacht.

Über Leonberg kreist derweil der Polizeihubschrauber. Er beobachtet das Verkehrschaos, das sich nach der Vollsperrung der beiden Tunnelröhren entwickelt hat. Klar ist: In den kommenden Tagen und Wochen wird sich daran nur wenig ändern. Denn der Schaden, den die erst vor kurzem fertig sanierte Weströhre bei dem Brand genommen hat, muss erst noch gesichtet und anschließend behoben werden.

Wann der Tunnel wieder befahrbar sein wird, ist zu diesem Zeitpunkt am Dienstagabend noch offen. Die Oströhre solle jedoch schnellstmöglich wieder geöffnet werden, heißt es. Am frühen Mittwochmorgen gegen 5 Uhr wird sie dann tatsächlich für den Verkehr freigegeben. Die Weströhre wird dagegen wohl noch wochenlang geschlossen bleiben.

Feuerwehr-Kommandant zum Feuer im Engelbergtunnel: „Brand im Tunnel ist für Feuerwehrkräfte immer lebensgefährlich“

Vor Ort steht Wolfgang Zimmermann am Dienstagabend Rede und Antwort, begleitet von Fernsehkameras und belagert von Pressevertreterinnen und -vertretern. Der Kommandant der Feuerwehr steht am linken Rand der Zufahrt zur Weströhre, und damit an exakt jenem Punkt, von dem aus die Feuerwehr den Einsatz startete. Zu diesem Zeitpunkt seien noch zahlreiche Menschen im Tunnel gewesen. „Ein Brand im Tunnel ist für uns Feuerwehrkräfte immer lebensgefährlich“, betont Zimmermann.

Den Rückweg treten die Vertreterinnen und Vertreter von Presse, Politik und Rettungskräften – wie auch den Hinweg – in mehreren Mannschaftswagen der Feuerwehr an. Für einige ist es die erste Fahrt mit Blaulicht. Beim Blick aus dem Fenster wird nochmals deutlich, welch riesiges Verkehrschaos auf den Straßen in und um Leonberg auch nach Stunden noch herrscht. Allein aus Richtung Ditzingen ist der Stau schier endlos. Welche Umwege der Verkehr nehmen wird, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Der Engelbergtunnel

Zahlen
Genau 2530 Meter ist der Engelbergtunnel lang. Rund 120 000 Fahrzeuge passieren die beiden Röhren täglich. Der Engelbergtunnel ist de facto der längste und verkehrsreichste Autobahntunnel in Baden-Württemberg.

Geschichte
Zwischen den Jahren 1995 und 1999 wurde er gebaut, die A 81 führt durch ihn hindurch. Nach Norden geht es in Richtung Heilbronn, nach Süden zum Dreieck Leonberg. Und eigentlich heißt der Tunnel „Engelbergbasistunnel“. Denn einen „Engelbergtunnel“ gab es früher schon. Der wurde 1938 nach drei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen und liegt etwa 60 Meter über seinem Nachfolger. Auch er hatte bereits zwei Röhren. In der westlichen, genauer gesagt im Südportal, befindet sich heute die KZ-Gedenkstätte Leonberg. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten Zwangsarbeiter in der Röhre Teile für Messerschmidt-Flugzeuge fertigen müssen.

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