Schulbeginn in der Region Stuttgart Engpass bei Busfahrern – Fallen Schulbusse aus?

Es fehlen Busfahrer, um die Schülerinnen und Schüler zur Schule zu bringen. Mit Sorge blicken die Busunternehmen auf die beginnende Schulbussaison. Foto: dpa/Franziska / Kraufmann

Im Land fehlen aktuell 2500 Busfahrer. Der Branchenverband kritisiert die drastischen Vorgaben aus der Politik für Berufseinsteiger. Mit dem Beginn des Schülerverkehrs in der kommenden Woche steigt die Belastung für die Transportunternehmen gehörig.

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Wenn kommende Woche wieder die Schule beginnt, ist das nicht nur für die Schülerinnen und Schüler im Land eine Herausforderung. Dort, wo die Schulwege zu lang sind, um sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen, ist der Schulbus gefragt.

 

Es fehlen 2500 Busfahrer

Eine Woche vor Schulauftakt schlägt der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) Alarm. Nach Angaben der Branchenvereinigung fehlen im Land 2500 Busfahrer. Die Personalgewinnung werde durch scharfe politische Vorgaben erschwert. „Die Lage zum Schulstart wird richtig eng“, sagt etwa Andreas Kühner, Geschäftsführender Gesellschafter des Busunternehmens Friedrich Gross aus Heilbronn Heilbronn und Vorsitzender des WBO-Bezirks Stuttgart.

Der Engpass bei den Fahrern sei kein neues Phänomen, habe sich zuletzt aber massiv verstärkt, sagt Kühner. Seine Kollegin Carry Buchholz, Geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens LVL Jäger aus Ludwigsburg sagt, dass man zwar alle Fahrten habe durchführen können und dies auch zum Schulstart zusagen könne, aber: „Alle, die bei uns im Unternehmen die Berechtigung dazu haben, fahren auch“. Viel Luft ist in der Personalplanung nicht mehr. Andernorts klemmen sich auch die Chefs wie er wieder hinters Steuer, erzählt Matthias Knisel vom gleichnamigen Stuttgarter Unternehmen. Die jüngst von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) abermals geforderte Staffelung des Unterrichtsberginns am Morgen, die zu einer Entzerrung im Schülerverkehr beitragen soll, unterstützen die Busunternehmen. Carry Buchholz erinnert daran, dass man mit einer entsprechenden Regelung während der Corona-Pandemie gute Erfahrungen gemacht habe.

Teurer Busführerschein

Der Busverband sieht sich bei seinen Bemühungen um neues Personal hinterm Steuer von der Politik ausgebremst. „Es braucht dringend eine Reform der Gesetzgebung“, sagt Yvonne Hüneburg, Geschäftsführerin des WBO. Die Verbandschefin nennt Zahlen: In Österreich koste der Erwerb des entsprechenden Führerscheins rund 2500 Euro. In Deutschland schlage die Fahrberechtigung mit 12 500 Euro zu Buche. Zudem müssten 80 Pflichtfahrstunden absolviert werden. Den Einwand, dass bei der Fahrausbildung Genauigkeit vor Schnelligkeit zu gehen habe, lässt sie abermals unter Verweis auf Österreich nicht gelten. Dort sei trotz des einfacheren Wegs zum Busführerschein auch die Sicherheit der Fahrgäste gewährleistet.

Ein entschlackter Weg zur Fahrberechtigung mache den Beruf auch für Gruppen attraktiver, die heute noch unterrepräsentiert sind. In Österreich liegt der Frauenanteil beim Fahrpersonal bei 20 Prozent, in Deutschland sind es magere fünf Prozent. Mit Blick auf die angespannte Personallage sagt Hüneburg: „Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, ganze Gruppen bei der Personalgewinnung nicht zu erreichen“. Bei einer Vereinfachung der Zugangsbedingungen setzt Hüneburg auf das Landesverkehrsministerium, das mit einer entsprechenden Initiative einen Reformprozess bei den Vorgaben des Bundes in Gang setzen soll. Dass die Personaldecke schnell wieder dicker wird, ist unterdessen nicht zu erwarten. Das Durchschnittsalter der Fahrerinnen und Fahrer im Land liegt jenseits der 50, für viele ist der Ruhestand nicht mehr fern.

Hohe Kosten für E-Busse

Neben der Lage an der Personalfront macht den Busunternehmen eine weitere Vorgabe aus der Politik mächtig Sorgen. Wegen des Umweltschutzes sollen die Busflotten auf alternative Antriebe umgestellt werden. Mit gewissen Bedenken verfolgt der WBO das derzeitige Gesetzgebungsverfahren, an dessen Ende die genauen Vorgaben zur Flottentransformation im Landesmobilitätsgesetz stehen sollen. Aktuell sieht es so aus, als ob die Busunternehmen von 2028 an nur noch Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten anschaffen dürfen. Derzeit sind auf den Straßen des Landes rund 7000 Busse unterwegs.

Die Mehrkosten für die Anschaffung eines E-Busses im Vergleich zu einem dieselgetriebenen Gefährt beziffert Hüneburg auf rund 300 000 Euro. Der Fördertopf des Landes sei aber lediglich mit 15 bis 20 Millionen Euro pro Jahr gefüllt. Wer künftig eine reine Flotte von E-Bussen betreiben soll, müsse zudem in die Ladeinfrastruktur auf dem eigenen Betriebshof investierte. Hüneburg appelliert ans Land, möglichst rasch eine verbindliche und längerfristig angelegte Förderung einzurichten. Und Carry Buchholz ergänzt: „Wir tragen die Transformation mit. Wir wollen aber natürlich wissen, wie das für die Betrieb funktionieren soll.“

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