Enormer Preisanstieg ab Mai Viele Kita-Plätze in Stuttgart werden um bis zu 40 Prozent teurer

Viele Eltern sind auf einen guten Kita-Platz für ihr Kind angewiesen. Künftig müssen sie dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen. Foto: Robert Kneschke/ stock.adobe.com

Mehr zahlen müssen künftig alle Eltern. Besonders hart trifft es die, die ihr Kind in einer nicht-städtischen Kita haben. Warum das so ist und welche Probleme sich daraus ergeben.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Der Brief des Evangelischen Verwaltungszentrums an die Eltern ist sachlich und nüchtern: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass eine Erhöhung der Elternbeiträge in den evangelischen Kindertageseinrichtungen notwendig wird“, ist darin zu lesen. Doch die Details treffen manche Mütter und Väter wie ein Schlag. Denn vom 1. Mai an sollen sie bis zu 40 Prozent mehr für die Betreuung ihres Nachwuchses zahlen.

 
  • Bei der evangelischen Kirche kostet ein Ganztagesplatz für ein Kleinkind in einer Einrichtung mit täglich zehnstündiger Öffnungszeit aktuell 256 Euro. Künftig sind es 351 Euro. Das ist ein Plus von 37 Prozent.
  • Der gleiche Ganztagsplatz für ein Kind ab drei Jahren kostet bisher 186 Euro. Künftig müssen Eltern dafür 260 Euro, also knapp 40 Prozent mehr zahlen.
  • Die Kosten für einen Platz mit sechsstündiger Betreuung betragen für ein Kleinkind bisher 182 Euro. Ab Mai sind es 243 Euro, also 33 Prozent mehr.
  • Für ein Kind ab drei Jahren kostet eine sechsstündige Betreuung aktuell 112 Euro. Von Mai an zahlen Eltern dafür 152 Euro und damit 35 Prozent mehr.

Grund für die Erhöhungen sind die vom Gemeinderat im Dezember gefassten und seit 1. Januar wirksamen Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung. Denn damit wurden die Zuschüsse für die freien Träger deutlich reduziert. Für diese besonders schmerzhaft ist der Wegfall eines bisher freiwillig von der Stadt gewährten Zuschusses zu den Fachpersonalkosten in Höhe von 2,5 Prozentpunkten.

Die Kürzungen seien eine große Herausforderung, „da unsere laufenden Kosten – insbesondere für qualifiziertes Fachpersonal und den täglichen Betrieb – weiterhin gedeckt werden müssen“, schreibt das Evangelische Verwaltungszentrum an die Eltern. Und weiter: „Wir wissen, dass eine Beitragserhöhung für Familien eine zusätzliche Belastung bedeutet. Leider ist dieser Schritt unumgänglich, um den Fortbestand und die pädagogische Qualität zu sichern.“

In diesem Umfang steigen die Gebühren für städtische Einrichtungen

Doch nicht nur die Kita-Plätze bei der evangelischen Kirche werden teurer. Die Gebühren für katholische und private Kitas werden aller Voraussicht nach ebenfalls steigen – wenn auch nicht zwingend in gleichem Umfang. Die vom Gemeinderat beschlossenen Erhöhungen für städtische Kita-Plätze ist vergleichsweise moderat.

  • In der Kleinkindbetreuung steigen die Kosten für einen Ganztagsplatz von aktuell 256 Euro zum September um elf Prozent auf 284,16 Euro.
  • Die Kosten für einen Ganztagsplatz für Kinder ab drei Jahren steigen von aktuell 186 Euro zum September um 7,5 Prozent auf 199,95 Euro.
  • Die Kosten für einen Platz mit sechs- und siebenstündiger Betreuung im Kleinkindbereich steigen von aktuell 182 Euro zum September um 7,5 Prozent auf 195,65 Euro.
  • Die Kosten für einen Platz mit sechs- und siebenstündiger Betreuung für ein Kind ab drei Jahren steigen von aktuell 112 Euro zum September um vier Prozent auf 116,48 Euro.

Für die Folgejahre sind weitere Gebührenerhöhungen in den städtischen Kitas bereits beschlossen. Auch die nicht-städtischen Kitas werden ihre Elternbeiträge dann wohl noch einmal anpassen.

Welche Folgen haben unterschiedliche Kita-Gebühren?

Etwa ein Drittel der Kita-Plätze in Stuttgart ist städtisch, zwei Drittel der Plätze werden von privaten und kirchlichen Trägern angeboten. Bisher waren die Gebühren vergleichbar. Künftig aber müssen etwa zwei Drittel der Eltern deutlich mehr zahlen als das eine Drittel, das seinen Nachwuchs in einer städtischen Einrichtung betreuen lässt. „Das macht uns große Sorgen“, sagte Jörg Schulze-Gronemeyer vom Evangelischen Verwaltungszentrum am Montag in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, als das Thema auf den Tisch kam. Man könne noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen die künftig sehr unterschiedlichen Gebühren in städtischen und nicht-städtischen Einrichtungen haben werden.

Grundsätzlich sind zwei Szenarien denkbar: Entweder eine Segregation zwischen finanziell besser gestellten und weniger gut gestellten Familien. Oder aber die freien Träger bekommen ihre Kita-Plätze künftig nicht mehr belegt, während es bei der Stadt womöglich Wartelisten gibt.

Genau vor diesen möglichen Entwicklungen hatten die freien Träger bereits während der Haushaltsberatungen eindringlich gewarnt. Die Geschwindigkeit und die Wucht, mit der die freien Träger jetzt ihre Kita-Gebühren erhöhen, scheinen die Verwaltung und einige Stadträte nun aber doch zu überraschen.

Auch Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (links) und Jugendamtsleiterin Katrin Schulze sprechen sich für vergleichbare Kita-Gebühren aus. Wie man da wieder hinkommt, muss sich aber erst noch weisen. Foto: Stadt Stuttgart

Die Vertreter der freien Träger betonten in der Sitzung am Montag, dass ihrer Meinung nach die Kita-Gebühren für alle Eltern vergleichbar sein sollten. „Wir brauchen einen entsprechenden politischen Zielbeschluss“, sagte Armin Biermann vom Caritasverband. Auch Clemens Kullmann, der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, und Klaus Käpplinger von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart forderten Gespräche, um der Schieflage entgegenzuwirken. „Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit“, ergänzte Waltraud Weegmann von dem freien Träger Konzept-e.

Auch die Stadtverwaltung wolle vergleichbare Elternbeiträge für alle, sagten sowohl die Jugendamtsleiterin Katrin Schulze als auch die Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer. Man könne sich die Kalkulationsgrundlage der freien Träger für die Kita-Gebühren gerne noch einmal gemeinsam anschauen, fügte Fezer hinzu.

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