Entertainer Roland Baisch wird 65 Nach der Rente ist vor der Rente

Von Tom Hörner 

Zum fünften Mal präsentiert der Entertainer Roland Baisch am Montag, 28. Oktober, eine neue Ausgabe seiner Show „Goldener Roland“. Hier spricht er über seinen ersten Auftritt im Rentenalter.

Entertainer Roland Baisch (rechts) mit seinem wunderbaren Count Baischy Orchester, im Hintergrund Florian Dohrmann  am Bass. Foto: Horst Doemoetoer
Entertainer Roland Baisch (rechts) mit seinem wunderbaren Count Baischy Orchester, im Hintergrund Florian Dohrmann am Bass. Foto: Horst Doemoetoer

Stuttgart - Neulich saß der Unterhalter Roland Baisch /Korntal zusammen mit dem Comedian ­Dominik „Dodokay“ Kuhn/Reutlingen und zwei jungen Komikern in einer Talk-Runde. Die beiden Nachwuchsspaßmacher taten das, was sie ihrer Meinung nach am besten können: Sie rissen Witze. Baisch und Kuhn beschränkten sich weitgehend darauf, ­Geschichten aus dem Leben zu erzählen – und ernteten mindestens so viele Lacher wie die Spaßvögel.

Alles eine Frage des Timings

Roland Baisch war zufrieden mit dem Abend. Der Auftritt habe ihm wahnsinnig Spaß gemacht, sagt er hinterher. Erst mal beobachten, wie das Publikum reagiert – und dann schauen, wie weit man die Hosen runterlassen kann. Baisch: „Am besten, man fängt mit der Wahrheit an – und setzt dann noch einen drauf.“ Was jetzt nicht heißt, dass bei solchen Auftritten nicht Platz für den einen oder anderen Gag bliebe. Etwa den von dem Typen, der durch den Idiotentest gefallen ist, weil er auf die Frage, was der Unterschied zwischen dem Hasen und dem Hirsch sei, antwortete: „Der Hase macht um neun auf, der Hirsch um zehn.“ Alles eine Frage des richtigen Timings.

Als käme er vom Golfplatz

„Im Leben“, sagt Baisch, „läuft so viel schief. Wenn du so lange in dem Beruf bist wie ich, kannst du aus dem Vollen schöpfen. Es fühlt sich nicht immer gut an, wenn du drinsitzt. Aber für die Bühne ist das erstklassiger Stoff.“ Er weiß, wovon er spricht: Baisch gehörte zur Foolsbewegung um den Clown Jango Edwards, arbeitete bei dem Piloten zu Harald Schmidts erster Late-Night-Show mit, war bei der „Comedy Factory“ von Pro Sieben, einer Art Komikerkommune, von der Partie. Bei aller schwäbischen Bescheidenheit: Unser Mann aus Korntal hat Comedy-Geschichte mitgeschrieben. Voriges Jahr feierte Baisch sein 40-Jahr-Bühnenjubiläum. Man könnte auch sagen, seit 40 Jahren ist der musizierende Komiker bemüht, die Menschen mit gepflegter Unterhaltung zu versorgen. Wobei Baisch bei „bemüht“ Einspruch erheben würde. Auch wenn der Job des Unterhalters bisweilen hart sei, sagt Baisch, die Kunst bestehe genau darin, als Entertainer entspannt zu wirken. Kollege Harald Schmidt hat das so beschrieben: Der Gastgeber einer Talk-Show muss den Eindruck erwecken, als sei er eben vom Golfplatz gekommen.

Dean Martin als Vorbild

Man könnte das auch als amerikanische Schule bezeichnen – von der hat der passionierte Golfspieler Baisch einiges gelernt. Seine Vorbilder sind Männer vom Schlage eines Dean Martin, die im Smoking auf der Bühne stehen, das Whiskeyglas in der einen, die Zigarette in der anderen Hand – wohl wissend, dass die Kippe aus feuerpolizeilichen Gründen heutzutage zum Problem werden könnte. Baischs Rezept: Man sollte in dem Gewerbe im Anzug eine Showtreppe herunterschreiten können, ohne sich was zu brechen. „Daran ist schon mancher gescheitert. Auch nüchtern.“ Hilfreich sei zudem, wenn ein gewisses Talent vorhanden sei.

„Mit 66 Jahren, da fängt die Leber an.“

An diesem Sonntag, 27. Oktober, wird Baisch 65 Jahre alt, am Montag präsentiert er im Theaterhaus die fünfte Ausgabe von „Der Goldene Roland“ (Karten unter Telefon 0711/40 20 7-20). Wie er sich auf den ersten Auftritt im Rentenalter vorbereite? „Nach der Rente ist vor der Rente“, sagt Baisch. Und: „Mit 66 Jahren, da fängt die Leber an.“

Kollegen haben den Spaß ernst genommen

Zur Feier des Tages gibt es ein „Der goldene Roland Spezial: Swinging 65“. In den vergangenen Jahren hat sich Baisch den Spaß gemacht, den Preis an sich selbst zu verleihen – eine gängige Praxis in der Kabarettbranche. Der Kollege Dieter Nuhr diente ihm als Vorbild. Dass Baisch nun erstmals von dem Prinzip abweicht, hängt damit zusammen, dass einige Künstler den Spaß ernst genommen und nachgefragt haben, wie sie für diesen Preis nominiert werden könnten. Namen nennt er keine. „Wenn du Kabarettisten beleidigst, kannst du dir Feinde machen. Politiker sind das gewöhnt.“

Die Tochter mischt mit

Das neue Format muss dem Spaß keinen Abbruch tun. Mit dabei ist Patricia Moresco, Baischs Weggefährtin aus den Shy-Guys- Tagen. Für den gepflegten Klang sorgen das Count Baischy Orchester, die Hot Club Harmonists sowie Rudie Blazer & The Broadwaycowboys. Die Rikas mit Baischs Sohn Sam mussten kurzfristig absagen. Sie werden derzeit so hoch gehandelt, dass sie auf Radiotour müssen. Dafür erweist Tochter Vanessa Lee, eine begnadete Luftakrobatin und Jongleurin, dem Vater die Ehre. „Ich zwinge sie halt“, sagt Baisch lächelnd.

Rentner Rolands Pläne

Auch fürs nächste Jahr hat der Rentner Roland Pläne. Vielleicht tritt er gegen fünf Frauen an. Aber dann wieder mit Preisverleihung an sich selbst.




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