Entscheidung im Gemeinderat Letzter Abschlag für den Golfplatz?
Am Donnerstag fällt im Göppinger Gemeinderat die lange umkämpfte Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Golfplatz-Areals.
Am Donnerstag fällt im Göppinger Gemeinderat die lange umkämpfte Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Golfplatz-Areals.
Was wird aus dem Göppinger Golfplatz? Die Frage beschäftigt die Lokalpolitik schon seit längerer Zeit. Es geht um die Entwicklung einer Fläche im Stauferpark, die so groß ist wie etwa 50 Fußballfelder. Verschiedene Varianten kursierten. Die Golfplatz-Betreiber und eine Bürgerinitiative wehren sich gegen eine Bebauung mit Wohnungen und Gewerbe und wollen die Freizeiteinrichtung erhalten. Der Oberbürgermeister vertagte damals die Abstimmung. Am heutigen Donnerstag steht nun aber die Vorberatung für die Grundsatzentscheidung über das Gebiet „Stauferpark Süd“ an. Am 30. April folgt der Beschluss.
Die Stadtverwaltung hat inzwischen Antworten auf die Bedenken und Fragen der Gegner erarbeitet und ausführlich auch die finanziellen und naturschutzrechtlichen Fragestellungen bewerten lassen. Fazit: Die Stadt spricht sich nun für eine Mischung aus Wohnbebauung (4,9 Hektar), Freiflächen (16,9 Hektar) und Gewerbe (12,2 Hektar) aus. Das ist gegenüber der ursprünglichen Variante etwas mehr Grünfläche und etwas weniger Wohnbebauung.
Die neuen Wohnflächen böten je nach Dichte der Bebauung Platz für 500 bis 656 Menschen. Die Stadt beruft sich mit ihren Plänen auf Berechnungen, nach denen bis 2035 in der Hohenstaufenstadt 2000 zusätzliche Wohnungen und Häuser gebraucht werden. Mit den derzeit geplanten Wohnungsbauvorhaben und etwa 1340 Wohneinheiten könne „ein Großteil des Wohnungsbedarfs bis 2035 realisiert werden – jedoch nicht vollständig.“ Deshalb müssten zusätzlich auch die städtischen Flächen im Stauferpark Süd herangezogen werden, so die Schlussfolgerung.
Ähnlich verhält es sich nach Ansicht der Verwaltung auch mit Gewerbeflächen. Zwar gibt es in der Stadt viele wenig genutzte oder verlassene Gewerbeflächen im Bestand sowie historische Industrie-Areale. Doch auf deren Entwicklung habe die Stadt meist keinen Einfluss. Um die ökonomische Leistungsfähigkeit der Stadt zu erhalten, müssten auch neue Flächen hinzukommen, mahnt die Verwaltung. Da hinke Göppingen im Vergleich mit anderen Städten in der Region deutlich hinterher.
Für den Natur- und Artenschutz seien bereits in den bisherigen Szenarien bestimmte Tabu-Flächen berücksichtigt. Nach Meinung der Stadt ergibt sich „aus naturschutzrechtlicher Sicht keine Erfordernis, von einer baulichen Entwicklung der Flächen im Stauferpark Süd abzusehen“. Für den Klimaschutz soll eine Kaltluftschneise freigehalten werden. Auf die Auswirkungen extremer Starkregenereignisse könne mit Hilfe einer Einteilung in weniger oder mehr gefährdete Zonen reagiert werden. Das Naherholungspotenzial der Flächen schätzt die Stadt als grundsätzlich hoch ein. Er sei für die Öffentlichkeit derzeit aber stark eingeschränkt. „Als Golfplatz dient das Areal in erster Linie einer exklusiven Nutzergruppe“, heißt es in der Vorlage für die Stadträte. Die Allgemeinheit müsse sich derzeit auf einen Weg rund um das Gelände beschränken. Dass es keinen Golfplatz in Göppingen mehr geben wird, sei „aus sportpolitischer Sicht zu bedauern und ein Verlust für die Sportstadt Göppingen“, heißt es aus dem Rathaus. In der Abwägung sei aber eine Umnutzung geboten.
Grob gesagt hält die Stadt auch den Verkehr und Lärmschutz für beherrschbar. Die Zusatzbelastung durch mehr Autoverkehr im Wohngebiet Galgenberg sei mit einer besseren Ampelschaltung am Knotenpunkt mit der Großeislinger Straße zu regeln. Die Grünschneise zwischen der Wohnbebauung und dem Gewerbegebiet südlich der Firma Kleemann wirke sich positiv auf den Lärmschutz aus, erklärt die Stadt.
Das alles sieht der Golfclub Göppingen völlig anders. Angesichts des drohenden Endes des Neun-Loch-Golfplatzes, für den der Pachtvertrag Ende 2027 ausläuft, hat der Vorstand eine Pressemitteilung verschickt. Im Zentrum der Kritik stehen insbesondere die Themen Klima- und Artenschutz. „Nach unserer Einschätzung werden zentrale Fragen derzeit eher klein geredet als belastbar geklärt“, heißt es unter anderem in der Mitteilung. Die Stellungnahme sei Ergebnis einer erweiterten Sitzung von Vorstand und Beirat sowie einer Mitgliederinformation des Vereins, erklärt Ingo Hagen, der Vorstandsmitglied im Golfclub und Chef der Betreibergesellschaft ist.
Nach Ansicht des Vereins fehle es den Gutachtern an der Datengrundlage: „Wer hier frühzeitig Entwarnung gibt, ohne alle relevanten Aspekte untersucht zu haben, riskiert, dass genau diese Themen das Verfahren später erheblich verzögern“, heißt es. Kritisiert werden vor allem die mangelnden Untersuchungen zur Kaltluft-Entstehung und Durchlüftung sowie die Vorstellung, die verbleibenden knapp 17 Hektar Grünfläche könnten die heutigen Funktionen ersetzen. „Ein Grünstreifen zwischen Hallen ist kein Ersatz für ein gewachsenes Naherholungsgebiet.“ Zudem weist der Verein die Einschätzung zurück, der Golfpark werde nur von einem exklusiven Personenkreis genutzt. „Das greift deutlich zu kurz. Die Golfanlage besteht seit rund 70 Jahren und ist damit eine der ältesten in Baden-Württemberg sowie eine der traditionsreichsten Sportstätten Göppingens mit klarem Breitensportcharakter.“
Grundstückserlöse
Aus Grundstücksverkäufen der favorisierten Variante würden 27,6 Millionen Euro in die Göppinger Stadtkasse fließen (bei 380 Euro pro Quadratmeter für Wohnbauplätze und 150 Euro für Gewerbeflächen).
Erschließung
Abziehen müsste man die Erschließungskosten, die die Stadt auf knapp 11 Millionen Euro schätzt.
Einkommensteuer
Die Stadt rechnet durch die neuen Einwohner mit jährlich zwischen 550.000 und 721.500 Euro an zusätzlichen Zuweisungen aus der Einkommensteuer.
Gewerbesteuer
Durch neu angesiedelte Betriebe könnten jährlich etwa 255.000 Euro erlöst werden.