Entscheidung in Vaihingen/Enz Grünes Licht für Mittelalter-Erlebnispark mit rund 500.000 Besuchern?

Mittelalterliche Kulissen könnten auch in einem Erlebnispark in Vaihingen an der Enz eine Rolle spielen. Foto: imago/wothe)

Ein privater Investor will einen Mittelalter-Erlebnispark in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) eröffnen. Für die Stadt eine Last oder eine Chance?

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Eines der ambitioniertesten Freizeitprojekte der Region Stuttgart nimmt in Vaihingen an der Enz konkrete Formen an. Der geplante Mittelalter- und Erlebnispark „Erlebniswelt Markstein“ zwischen der Kernstadt Vaihingen und Kleinglattbach steht derzeit im Fokus der politischen Gremien.

 

Noch geht es aber nicht um eine endgültige Entscheidung, sondern um einen Grundsatzbeschluss: Soll die Stadt die Realisierung des Projekts überhaupt baurechtlich unterstützen? Ein erstes Ja gab der Vaihinger Stadtteilausschuss vor wenigen Tagen, das letzte Wort hat der Gemeinderat am 4. Februar. Dass eine solche Entscheidung kein Selbstläufer ist, zeigte die Ablehnung im Markgröninger Gemeinderat im Dezember 2024.

Der Investor Christoph Schlude (links) schlüpft auch selbst gerne in historische Gewänder. Foto: privat

Der Investor hat in den vergangenen Monaten seine Hausaufgaben gemacht. Die Epic Realms Ventures GmbH unter Geschäftsführer Christoph Schlude legte mehrere Gutachten zu Wirtschaftlichkeit, Verkehr, Lärm und Umwelt vor. Sie zeichnen ein Bild, das in wesentlichen Punkten entlastend wirkt.

Gutachten: Geschäftsmodell trägt auch bei weniger Besuchern

Kernstück der jüngsten Prüfungen ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Parks. Eine von der renommierten Beratungsgesellschaft RSM Ebner Stolz geprüfte Rentabilitätsrechnung kommt zu dem Ergebnis, dass das Projekt selbst bei deutlich geringeren Besucherzahlen profitabel betrieben werden kann. In der Basisplanung rechnet der Betreiber mit rund 342.000 Gästen pro Jahr, in Spitzenjahren mit bis zu 545.000.

Selbst ein Rückgang der Besucherzahlen um 30 Prozent würde das Geschäftsmodell nicht kippen. Für die Stadt besonders relevant: Der Park soll ohne kommunale Investitionen realisiert werden, gleichzeitig aber jährliche Gewerbesteuereinnahmen von bis zu 1,7 Millionen Euro generieren.

Auch die Verkehrsfrage, die in der Bürgerschaft zuletzt für spürbare Skepsis gesorgt hatte, wurde intensiver beleuchtet. Erste Prognosen gehen zwar weiterhin von einem hohen Pkw-Anteil aus, doch die Gutachter sehen die Belastung der bestehenden Infrastruktur als beherrschbar an – auch in der Kernstadt Vaihingen und auf der Achse Richtung Kleinglattbach.

Das Mobilitätskonzept des Betreibers versucht, mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zu punkten: Die Nähe zum Vaihinger Bahnhof als regionalem Verkehrsknotenpunkt, ein kostenfreier Shuttle-Service sowie die erwartete hohe ÖPNV-Nutzung, insbesondere während der Gartenschau 2029, sollen den motorisierten Individualverkehr deutlich begrenzen. Gerade in Spitzenzeiten könnten so viele Besucher ohne Auto anreisen.

Entwarnung geben zudem die Lärmgutachten. Sowohl das Parken als auch der damit verbundene zusätzliche Verkehr bleiben nach bisherigen Berechnungen innerhalb der zulässigen Richtwerte. Wohngebiete würden nicht unzumutbar belastet, zumal klare Betriebszeiten und Schutzmaßnahmen vorgesehen seien, teilen die Betreiber mit.

Inhaltlich setzt die Erlebniswelt auf ein breites, familienorientiertes Angebot: ein Mittelalterdorf mit Burganlagen, Handwerksvorführungen, Gastronomie, pädagogischen Programmen, einem Reiterhof, Spiel- und Freiflächen sowie Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen. Anders als klassische Freizeitparks verzichtet das Konzept bewusst auf Achterbahnen und Großfahrgeschäfte. Ziel ist eine ganzjährig geöffnete Erlebnis- und Bildungswelt, die Geschichte erlebbar macht und zugleich touristische Impulse setzt.

Das Ja würde den Weg zu weiteren Planungen freigeben

Politisch ist das Projekt noch nicht in trockenen Tüchern. Mit dem anstehenden Grundsatzbeschluss würde der Gemeinderat jedoch den Weg freimachen für die Aufstellung eines Bebauungsplans, Umweltprüfungen und weitere Detailuntersuchungen. Die Verwaltung um Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth betont, dass offene Fragen – etwa zum Artenschutz oder zur langfristigen Verkehrsentwicklung – im weiteren Verfahren zu klären sind.

Fest steht: Die Erlebniswelt Markstein zeichnet sich seit ihrer ersten Vorstellung deutlicher ab. Ob sie am Ende Realität wird, entscheiden die Gremien in den kommenden Wochen. Für Vaihingen an der Enz könnte es der Startschuss für ein Projekt sein, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung entfaltet – rechtzeitig zur Gartenschau 2029.

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