Entspannung in S-West Warum Yoga ein Jungbrunnen ist

Von Martin Haar 

Kamonchanok Sansuk, Yoga-Lehrerin und Pharmazeutin, verrät im OM Yoga das Rezept fast ewiger Jugend.

Als Yoga-Lehrerin verzichtet Jib  gerne auf den Doktortitel. Foto: privat
Als Yoga-Lehrerin verzichtet Jib gerne auf den Doktortitel. Foto: privat

S-West - Fortschritt durch Leiden? Ganz sicher, glaubte Dichterkönig Goethe: „Alle Veränderung resultiert aus Leid.“ Kamonchanok Sansuk, die junge Dame aus Bangkok ist leidensfähig. Also quält sie sich beim Amsterdam-Marathon über die Runden, bis der Arzt kommt. „Ende der Läuferkarriere“, lautet sein Urteil. Diagnose: Die Kniesehne macht nicht mehr mit. Die Studentin der Neuro-Pharmazie an der Universität Leiden/Amsterdam, die schon immer Sport in ihrem Leben brauchte, fragt nach Rat bei Google. Sie sucht im Internet irgendetwas, das fordert und dennoch Knie-schonend ist. „Ich habe nicht spezifisch gesucht“, erinnert sie sich, „gleich unter B fand ich den Begriff Bikram Yoga.“

Anfangs betreibt sie Yoga wie alles in ihrem Leben: wie eine Maschine

Vielleicht hätte Kamonchanok Sansuk etwas mehr recherchieren sollen. Dann hätte sie gewusst, dass sich dahinter eine sehr ambitionierte Spielart des Yoga verbirgt. 26 Positionen, die bei knapp 40 Grad Hitze ausgeführt werden. Vulgo: Hot-Yoga. „Meine erste Stunde war schrecklich“, sagt sie und lacht, „ich musste raus und habe mich übergeben.“ Als sie zurückkommt erlaubt sich der Yoga-Lehrer, ein lockerer Vogel aus Colorado, einen üblen Scherz: „Du musst weitermachen – ohne Wenn und Aber.“ Kamonchanok Sansuk gehorcht, weil sie es gewohnt ist, auf Autoritäten zu hören, weil sie den Scherz für bare Münze nimmt.

Und wieder spielt das Leid Schicksal. Aber Rückschläge scheinen ihr neue Energie zu geben. Wie angefixt praktiziert sie 100 Tage täglich bis zu dreimal pro Tag Yoga. Freunde nennen sie daher halb respektvoll, halb verwundert „Maschine“. Jetzt will es die „Maschine“ wirklich wissen.

Sie übt wie besessen sechs Yoga-Positionen für einen Wettbewerb. Das Ziel lautet: absolute Perfektion. Erst am Ende bemerkt Kamonchanok Sansuk den Wahnsinn, dem sie zunächst auf den Leim geht. „Auf einmal spürte ich, dass es auf dem Weg zu mir selbst nicht auf Perfektion ankommt“, sagt sie. Sie spürt: Die nächste Zäsur in ihrem Leben bahnt sich an. Das Wesentliche – der Weg des Yoga – hat sie gepackt. Die Pharmazie, das teure Auslandsstudium, die Erwartungen ihrer Eltern in Thailand – all das rückt in den Hintergrund. Kamonchanok Sansuk, inzwischen an der Vrije Universität Amsterdam promoviert, ist wild entschlossen – sie will tiefer in das Jahrtausende alte Wissen der Inder eintauchen. Sie wird in Los Angeles Yoga-Lehrerin.

Zwischen Yoga und Wissenschaft

„Es war eine große Sache, das meinen Eltern begreiflich zu machen“, sagt sie und übt weiter den Spagat zwischen Yoga und der Wissenschaft: Sie heuert in Basel bei Novartis an. Doch der Pharmariese steht im Prinzip für das Gegenteil dessen, was ein Yogi anstrebt. Auch Kamonchanok Sansuk erkennt: „Glücklich werde ich hier nicht.“ Aber auch die Rückkehr nach Bangkok bringt nicht die Wende, obwohl sie als Apotheken-Besitzerin nun auch Yoga im eigenen Studio unterrichtet. Sie schafft es nicht, beides unter einen Hut zu bringen. Erst als sie die Welt als so genannter „Travelling Yoga-Teacher“ bereist, kommt die Veränderung.

Bei einem Gastspiel in Stuttgart bei ihrer Freundin Oz im OM Yoga lernt sie ihre große Liebe Heiko, einen Stuttgarter Fotografen, kennen. Zuvor bekommt Kamonchanok Sansuk, die von ihren Freunden nur Jib genannt wird, von der Universität Washington einen besonderen Auftrag. Sie soll alle Studien zum Thema Yoga und Anti-Aging zu einem Artikel zusammentragen. „Meine Arbeit zeigt, dass Yoga eine großartige Möglichkeit sein kann, die biologische Uhr zu verlangsamen. Und dieser Nutzen sei nicht nur durch die üblichen Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und der Beweglichkeit zu erklären.

Für immer jung? Geht das?

Yoga, so die Wissenschaftlerin, beeinflusse auch den Pegel des menschlichen Wachstumshormons, das auf den Alterungsprozess einwirke. Das Geheimnis ihrer Forschung verrät sie bei einem Vortrag zum Thema Altern und Yoga am Sonntag, 15. September, um 14.30 Uhr in den Räumen von OM Yoga Stuttgart, Gutenbergstraße 77 A. Die Quintessenz: „Die Untersuchungen zeigen, dass eine achtwöchige Yoga-Praxis an fünf Tagen in der Woche zu signifikanten Ergebnissen führt.“ Für immer jung? Zweiflern sei empfohlen, in den Westen zu pilgern, um Jib bei einer ihrer Yoga-Stunden oder beim Vortrag selbst zu erleben.

Sonderthemen