Die Pläne für das Areal am Karlsplatz waren im Lauf der Jahre einem erheblichen Wandel unterworfen. Unter anderem wurde das Hotel Silber nun doch nicht abgerissen. Vielleicht auch deshalb ist das Dorotheenquartier eines der prominentesten Projekte in Stuttgart.

Lokales: Sven Hahn (hah)

Stuttgart - Die aktuellen Pläne für den Bau des neuen Stadtquartiers am Karlsplatz haben nur noch wenig mit dem gemein, was der damalige Breuningerchef Willem van Agtmael im Jahr 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Vom Namen über die Nutzung bis hin zur Anzahl der Gebäude wurde fast alles verändert. Unbenommen ist, dass es sich um eines der prominentesten Projekte in der Stadt handelt.

Der Neubau zwischen Karlsplatz, Markthalle und Breuninger-Stammhaus sollte ursprünglich den vollmundigen Namen Da Vinci tragen. Als Zeitpunkt für die Eröffnung hatte der Geschäftsmann vor acht Jahren ehrgeizig den 1. September 2012 ins Auge gefasst.

Fläche deutlich verkleinert

Am Dienstag wurde nun der Grundstein für das Dorotheenquartier gelegt. Auf den ursprünglichen Plänen, die Willem van Agtmael bei der Präsentation in den Händen gehalten hatte, waren zwei massive Gebäude mit einer Fläche von rund 50 000 Quadratmetern zu erkennen. Heute befinden sich drei eigenständige Gebäude mit insgesamt weniger als 40 000 Quadratmetern tatsächlich im Bau.

Ein großer Streitpunkt über die Jahre war der Erhalt des Hotel Silber, der ehemaligen Gestapo-Zentrale. Eigentlich, so die Originalpläne, sollte das Haus an der Ecke Dorotheen- und Karlstraße abgerissen und das Grundstück Teil des Bauvorhabens werden. Nach massivem Druck, hauptsächlich durch den Verein Lern- und Gedenkort Hotel Silber, bleibt das Gebäude aber erhalten. Dort ist heute eine Gedenkstätte für die Opfer des Terrors während der Nazidiktatur geplant.

Luxushotel wird nicht gebaut

Im Zuge der politischen Debatte und der daraufhin erfolgten Verkleinerung des Projekts musste Breuninger auch die Nutzung seines neuen Stadtquartiers anpassen. Ursprünglich war zusätzlich zu Wohnungen, Restaurants sowie den Handels- und Büroflächen ein Luxushotel am Karlsplatz geplant. Den aus Breuninger-Sicht akuten Mangel an hochwertigen Hotels in der Landeshauptstadt bemängelt das Handelsunternehmen bis heute.

In der Stadt gilt es aber als großer Erfolg der Kommunalpolitik, dass die ersten Pläne für das Quartier auf das heutige Maß reduziert wurden.

Das Bauvorhaben

Bauherr Das Vorhaben „Dorotheenquartier“ entsteht unter der Regie des Warenhausunternehmens Breuninger. Offizieller Bauherr ist die EKZ Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG, eine Tochtergesellschaft des Unternehmens. Breuninger setzt das Projekt gemeinsam mit den renommierten Stuttgarter Behnisch Architekten um. Sie gingen als Sieger aus dem 2010 einberufenen Architektenwettbewerb hervor.

Kosten und ZeitplanDas Dorotheenquartier zwischen Markthalle und Holzstraße soll im Sommer 2016 fertiggestellt werden. Der Bauherr investiert nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Euro in das Projekt.

Größe Die Bebauung sieht sechs bis neun Geschosse und eine maximale Traufhöhe von rund 21 Metern vor.Breuninger selbst wird imDorotheenquartier keine Flächen nutzen.

Nesenbach Während des Aushebens der Baugrube wurden parallel die Arbeiten am Neubau des Nesenbachabwasserkanals abgewickelt. „Der Kanal wird künftig durch den Neubau, genauer gesagt durch die unterirdischen Parkebenen, verlaufen“, erklärt der Pressesprecher des Unternehmens, Christian Witt.

Logistik Die Abläufe auf der Baustelle haben Bauherrn und Stadtplaner einige Mühen und Diskussionen gekostet. In den ersten Gesprächen über die Baustelleneinrichtung soll ein mehrstöckiges Containerdorf auf dem Karlsplatz zur Sprache gekommen sein. Doch diese Pläne wurden wieder begraben.