Stuttgart - Karger Boden und Sturzfluten aus dem Hochland machen es den Menschen in der Afar-Region im Nordosten Äthiopiens schwer, hier für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. „Die Afar-Region ist ein sehr arides Gebiet. Die nomadische Bevölkerung hat ein sehr großes Problem mit der Versorgung vor Ort, da es sehr trocken ist aber manchmal richtig viel regnet und so Überschwemmungen entstehen. Das sorgt auch dafür, dass junge Menschen hier keine Perspektive haben“, erklärt die 26-jährige Studierende der Universität Stuttgart Nitha Sritharen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Warum sich die junge Frau so gut mit den Bedingungen in Äthiopien auskennt, hat einen einfachen Grund: Sie leitet ehrenamtlich das Stuttgarter Projekt Elrap (Enhancing Livelihood Resilience of Afar People) der bundesweiten Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen. Ziel des Projektes ist es, die Perspektivlosigkeit und die Versorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern: „Wir bauen da nicht einfach einen Brunnen hin oder geben den Menschen Geld. Wir möchten sie befähigen mit den Mitteln vor Ort auch weitere Systeme zu bauen und dieses System weiter selbst zu bewirtschaften“, erklärt Sritharen.
Zisternenbau würde keinen Sinn ergeben
Um das zu leisten, möchten die ehrenamtlichen Helfer bei der Implementierung Ende des Jahres unter Mithilfe der Bevölkerung einen Wasserspeicher, einen Damm und ein System zur Tröpfchenbewässerung bauen. Außerdem sollen Hirse, Mais und Alfalfa angebaut werden.
Dass die Ehrenamtlichen, von denen rund die Hälfte noch studiert und die andere Hälfte berufstätig ist, genau diesen Plan verfolgen, war dabei nicht immer der Fall. Denn die Planung eines solchen Projekts ist ein Prozess, der sich in Absprache mit dem Projektpartner vor Ort immer weiterentwickelt: „Wir wollten erst eine Zisterne bauen und haben dann aber gemerkt, dass das mit den Mitteln vor Ort nicht gut geht. Man hätte eine Steinpresse kaufen, jeden Stein selbst pressen und dann drei Wochen trocknen müssen“, erklärt die Projektleiterin. Dem Projekt trotz des hohen Arbeitspensums und den Rückschlägen bei der Planung den Rücken zu kehren kam der jungen Projektleiterin, die an der Universität Stuttgart Luft- Und Raumfahrttechnik studiert und gerade ihre Masterarbeit schreibt, dabei nie in den Sinn: „Ich kann das ja nicht einfach so stehen lassen. Das ist einfach eine Herzenssache“.
Es fehlen noch 15 000 Euro
Mittlerweile befinden sich die Stuttgarter Ingenieure ohne Grenzen aber auf einem guten Weg: „Das Einzige was nun noch dazwischenkommen kann, sind politische Unruhen und Umwelteinflüsse wie Überschwemmungen,“ so Sritharen. Darüber hinaus müsse auch noch ein wenig Geld gesammelt werden. Noch knapp 15 000 Euro fehlen laut Sritharen, um das Projekt erfolgreich abschließen zu können.
„Wir veranstalten Flohmärkte oder jetzt während der Pandemie virtuelle Pub-Quiz-Abende. Aber am besten ist es für solche Projekte, wenn man Unternehmen oder Stiftungen für sich gewinnt“, erklärt Sritharen, die optimistisch bleibt, dass sie bald alle Mittel zur Verfügung haben, um im Dezember das Projekt fertigstellen zu können, und so die Menschen in Äthiopien zu befähigen, sich künftig autark zu versorgen.