Enzkreis Großes Chaos in der Zulassungsstelle

Von Florian Mader 

Wer im Enzkreis ein Auto in Betrieb nehmen will, hat ein Problem. Termine sind sehr schwer zu bekommen.

An ein neues Kennzeichen zu kommen, ist derzeit nicht einfach. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener
An ein neues Kennzeichen zu kommen, ist derzeit nicht einfach. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener

Heimsheim - Einen VW-Bus hatte Familie Krebs aus Heimsheim gefunden. Es fehlte nur noch die Zulassung – eigentlich eine Formalie. Aber nicht in Corona-Zeiten: Die Zulassungsstelle des Enzkreises in Mühlacker hat ganz geschlossen, für die Stelle in Pforzheim muss man über eine Internetseite einen Termin vereinbaren, und die sind bis Ende Juli restlos ausgebucht. Für August kann man auf der Homepage noch nichts vereinbaren.

Das bittere Fazit von Helmut Krebs: „Von einem aktuellen Autokauf muss eigentlich abgeraten werden“ sagt er. „Das Landratsamt ist in Corona-Zeiten eine Bremse für das Ankurbeln der Wirtschaft.“

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Dort weiß man um die Problematik. „In der Tat gibt es derzeit eine sehr hohe Nachfrage nach Zulassungsdienstleistungen“, berichtet Oliver Müller, der Leiter des Straßenverkehrs- und Ordnungsamts, im Gespräch mit unserer Zeitung. Er gelobt etwas Besserung. „Wir verdichten die Einzeltermine und nutzen die Spielräume vollständig aus, die im Rahmen des Infektionsschutzes möglich sind.“

Ebenso habe er regelmäßig alle aktuellen Entwicklungen im Blick. „So haben wir bereits Ende Mai die Arbeit in getrennten Schichten aufgegeben, um die Abläufe noch effektiver gestalten zu können“, sagt Müller.

Im Kreis Böblingen kann man übrigens mittlerweile ohne Termin die Zulassungsstelle ansteuern, auch die Filialen in Leonberg und Herrenberg haben wieder offen. Ähnliches fordert jetzt auch Günter Bächle, der Chef der CDU-Fraktion im Kreistag des Enzkreises. Er verlangt zumindest die Öffnung der Außenstelle in Mühlacker. Schließlich hätten auch andere Berufsgruppen wie Ärzte, Apotheker und Kassiererinnen im Supermarkt durchgehend mit Kundenkontakt gearbeitet. „Es ist an der Zeit, dass die Politik und der öffentliche Dienst beim Landkreis aus der Komfortzone in die Arbeitswelt zurückkehrt“, sagt Bächle.

Auch das Verfahren der Terminvergabe per Internet missfällt dem CDU-Politiker. „Man hat nur eine Chance auf einen Online-Termin, wenn man nachts um 0 Uhr den PC anschaltet und wartet, bis von Amtswegen wenige Termine in vier bis sechs Wochen freigeschaltet werden“, hat Günter Bächle festgestellt.

Ein zusätzlicher Dienstleister für 200 Euro extra

Oliver Müller, der Chef der Zulassungsstelle im Enzkreis, will daran aber zunächst festhalten, „um die Kundenanträge zeitlich verteilt annehmen und bearbeiten zu können und auf diese Weise das Ansteckungsrisiko für Kunden und Mitarbeiter zu minimieren“, sagt er. Sobald es „lageabhängig und organisatorisch wieder möglich“ sei, wolle er aber die Zulassungsstelle in Mühlacker wieder öffnen, verspricht Müller. Im übrigens sei auch die Zulassung auf der Internetseite des Enzkreises möglich, wenn man sich mit dem e-Personalausweis identifiziert.

Familie Krebs aus Heimsheim hat in der Zwischenzeit übrigens einen externen Dienstleister mit der Zulassung beauftragt. Das hat 200 Euro gekostet.




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