Entlang der Glems wird die Natur für den Menschen erlebbar gemacht und so stärker ins Bewusstsein gerückt.
Leonberg - Die Natur ruft, die Sonne lacht – lasst uns die Schaufel schwingen“, sagt der Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Gesagt und getan. Mit Ortschaftsräten, der Ortsvorsteherin Bärbel Sauer und Thomas Bopp, dem Vorsitzenden des Verbands Region Stuttgart, lässt der Rathauschef vor dem Hintergrund der legendären Höfinger Hauerlöcher den Worten Taten folgen.
Es ist der symbolische Spatenstich für das Projekt „Naturerfahrungsraum“ entlang der Glems. Es gehe darum, die Natur mit dem Bewusstsein der Sinne zu erfahren. „Die Natur ist wichtig für uns“, sagt Cohn. Deshalb sei es wichtig, dass das Höfinger Täle an Bedeutung gewinne und ein besonderes Profil erhalte – und das soll ihm das Projekt „Naturerfahrungsraum“ liefern. Dessen Vorgeschichte begann bereits im Jahr 2008, als die Eheleute Marianne und Erwin Beck der Stadt als Alleinerbin ihr Vermögen in Höhe von rund 650 000 Euro vermacht haben, mit der Maßgabe, es für Höfingen zu verwenden. „Höfingen kann stolz sei, wenn sich Bürger auch posthum für ihren Ort einsetzen“, so der Oberbürgermeister.
Fördergelder aus dem Programm „Landschaftspark“
Von 2016 an haben der Höfinger Ortschaftsrat, die Ortsverwaltung und eine breite Bürgerbeteiligung etwa 20 Ideen für Einzelprojekte entwickelt. Davon gab das Gremium acht zur Prüfung in die Verwaltung. Übrig geblieben sind drei Projekte: Eine Seilbahn auf dem Spielplatz Albert-Schweitzer-Straße (12 000 Euro), die Umgestaltung des Rathausplatzes (280 000 Euro) und der Naturerfahrungsraum Höfinger Täle (250 000 Euro). Die Kosten für den Naturerfahrungsraum Höfinger Täle betragen allerdings rund 310 000 Euro.
Daran beteiligt sich die Region Stuttgart mit 60 000 Euro Fördergeldern aus dem Programm „Landschaftsparks“. Thomas Bopp, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, bekannte sich dazu, dass Termine, wie dieser Spatenstich, zu den schönsten in seinem Amt gehörten. Bereits bei der Gründung des Verbandes sei bei den Aufgaben festgehalten worden, die vielfältige Landschaft zu erhalten und erlebbar zu machen. So habe die Region in den vergangenen zwölf Jahren mehr als 30 Millionen Euro Fördergelder für derartige Projekte locker gemacht, die ein Investitionsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro nachgezogen haben.
Pilot für andere Kommunen an der Glems
Ziel des Höfinger Projektes ist es, Pilot für die anderen Anliegerkommunen der Glems zu sein, die Idee der Erlebbarkeit des Flusses und der Stärkung des Naturraumes im urbanen Gefüge perlenschnurartig fortzuführen. Ortsvorsteherin Bärbel Sauer stellte die Stationen vor:
„Hauerlöcher“: Hier entsteht ein Sichtfenster, um auf die Muschelkalkfelswand aufmerksam zu machen, und dazu ein Verweilpunkt für Wanderer und Radler des Glemsmühlenweges
„Lindenberg“: Sitzgelegenheiten und Neuordnung des Amphibienweges
TSV Sportanlage: Hier wird Glems sichtbar gemacht, indem der Damm zurück versetzt wird und Terrassen und Sitzmöglichkeiten in der Uferböschung entstehen
„Tilgshäuslesmühle“: Ein Treppenpfad an die Glems soll zum Spielen am Wasser einladen
„Tilgshäuslesbach“: Angelegt wird ein natürlicher, mäandrierender Verlauf und Sitzbänke aufgestellt. Ergänzt werden die fünf Stationen durch Informationspulte und Lehrtafeln
Ein Erbe für Höfingen
Möglich wurde der Umbau, weil Höfingen 2008 rund 650 000 Euro vom Ehepaar Marianne und Erwin Beck geerbt hat. Für die Abwicklung des Erbes mussten viele juristische Hürden überwunden werden. Bereits im Mai 2008 wurde das Erbe fällig.
Die Becks hatten in der Varnbülerstraße gewohnt. Erwin Beck war Kriminalbeamter gewesen. In Höfingen hat es ihnen gefallen. 1970 haben der 1915 geborene Erwin Beck und seine sechs Jahre jüngere Ehefrau Marianne im Testament bestimmt: „Jeder von uns beruft zu seinem Alleinerben die Gemeinde Höfingen.“
Nach der Eingemeindung von Höfingen haben die Becks 1983 ihr Testament geändert und die Stadt Leonberg zur Alleinerbin gemacht – mit der Auflage: Das Vermögen soll ausschließlich in Höfingen eingesetzt werden. „Über die Verwendung entscheidet der Ortschaftsrat allein“, hieß es im letzten Willen. Dafür pflegt die Stadt das Grab der Becks 40 Jahre lang.
Das Regierungspräsidium Stuttgart war dagegen, dass der Ortschaftsrat eine Bürgerstiftung gründet, die das Vermögen verwaltet und über die Verwendung entscheidet. Das Vermögen gehöre der Stadt, das Geld in eine Stiftung auszulagern, bedeute, es der Haushaltshoheit des Gemeinderates zu entziehen.
So haben sich der Ortschaftsrat, die Ortsvorsteherin Bärbel Sauer und zahlreiche Bürger Gedanken gemacht und Projekte ausgearbeitet, die ausschließlich Höfingen zugute kommen. Auch die Hauptsatzung der Stadt wurde geändert. Bei der Verwendung von Vermächtnissen und Erben entscheidet nun das darin ermächtigte Gremium, ohne dass Verwaltung oder Gemeinderat einbezogen sind.