Erdgas in Baden-Württemberg Widerstand gegen Erdgaserkundungen neu entflammt

Von Wolfgang Messner 

Britische Gesellschaften wollen sich Konzessionen für Untersuchungsrechte von Erdgasvorkommen verlängern lassen. Doch es gibt Widerstand.

Beim Fracking geht es darum, das Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zu erschließen. Foto: dpa
Beim Fracking geht es darum, das Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zu erschließen. Foto: dpa

Stuttgart - Der Widerstand gegen die Ausbeutung von Erdgasfeldern am Bodensee und im Oberland durch das sogenannte Fracking ist neu entflammt, seit bekannt geworden ist, dass britische Unternehmen Anträge zur weiteren Erkundung von drei großflächigen Konzessionsfeldern gestellt haben. Der Oberbürgermeister von Konstanz, Horst Frank (Grüne), sprach sich im Namen seiner Stadt ebenso wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann gegen die umstrittene Technik im Bereich der Trinkwasserversorgung aus. „Fracking“, betonte der im September aus dem Amt scheidende Frank, „ist in unserer sensiblen Bodenseelandschaft nicht machbar.“ Einen entsprechenden Beschluss auf Ablehnung der Technik hatte der Konstanzer Gemeinderat bereits Anfang März gefasst.

Die Fracking oder genauer Hydraulic Fracturing genannte Methode ist heftig umstritten. Es geht dabei darum, das Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zu erschließen. Im Südwesten werden große Vorkommen im Molassebecken zwischen Alpen, Bodensee und Donau vermutet. Dieses Schiefergas ist fünf bis 35 Millionen Jahre alt und hat sich gebildet, als hier ein voreiszeitliches Meer lag. Um das Gas zu gewinnen, wird das Fracking-Verfahren angewandt. Dabei wird ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in den Boden gepresst. um die Gesteins- und Kohleschichten aufzubrechen und das Gas freizusetzen. In den USA haben die Konzerne Exxon Mobile und Halliburton bereits Zehntausende Bohrungen durchgeführt, von denen viele als bedenklich eingestuft wurden, da die eingesetzten Chemikalien als umweltgefährdend, giftig oder krebserregend gelten. Verfechter der Methode verteidigen das Fracking jedoch als weitgehend unbedenklich.

Drei große Konzessionsfelder

In Baden-Württemberg gibt es derzeit drei große Konzessionsfelder, in denen die Experten großflächige Vorkommen von Schiefergas vermuten. Sie liegen alle am Bodensee und in Oberschwaben. Im Einzelnen handelt es sich dabei

a) um das Erkundungsfeld Konstanz, das mit einer Fläche von 1500 Quadratkilometern die Landkreise Konstanz und den Bodenseekreis umfasst und das im Norden über Pfullendorf und im Osten bis nach Ravensburg reicht;   b) um das Erkundungsfeld Biberach, das mit 1100 Quadratkilometern im Norden bis an den Landkreis Ulm geht und im Süden weite Teile des württembergischen Allgäus und des Landkreises Ravensburg umschließt;  und c)  um das zwischen beiden Gebieten liegende Erkundungsfeld Bad Saulgau/Wangen mit einer Fläche von noch einmal rund 1500 Quadratkilometern.

Erkundungen verweigern

Für alle drei Felder hat das für das ganze Land zuständige Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg zum Teil schon seit Längerem und von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt Konzessionen zur Erkundung an britische Unternehmen vergeben. Zwei der drei Lizenzen stehen gegenwärtig zur Verlängerung an. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Behörde dem britischen Energiekonzern Bell Exploration Ltd. für Bad Saulgau/Wangen eine Verlängerung der 2009 erteilten Konzession bis zum 30. August 2013 genehmigt. Erst kürzlich hat das Unternehmen Parkyn Energie Germany Ltd. aus Dublin eine Untersuchung des Feldes Konstanz für weitere drei Jahre beantragt. Die erste Genehmigung an die Parkyn-Tochter 3Legs Resources war Ende April ausgelaufen. Beim Feld Biberach endet die Konzession Ende Mai. Auch hier erwartet die Bergbaubehörde in Freiburg einen entsprechenden Antrag von 3Legs Resources.

Die Landesbergdirektion habe wenig Möglichkeiten, die Erkundungen zu verweigern, solange Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, sagte Holger Schick, stellvertretender Landesbergdirektor. Die Behörde habe sogar ein Interesse an der Erkundung, da sie diese nicht selbst durchführen könne. Es sei vom Gesetzgeber ausdrücklich so gewollt, dass die Untersuchung des Erdreichs auf abbaubare Rohstoffe durch die Industrie vorgenommen werde. erläuterte Schick weiter. Wenn die Konzerne allerdings seismische Untersuchungen oder Probebohrungen vornehmen wollten, seien gesonderte Genehmigungen erforderlich. Erst dann müsse die Behörde im Abstimmung mit dem Bundesumweltamt abwägen, ob eine Ausbeutung der Rohstoffe sinnvoll sei.

Der Grünen-Abgeordnete Lehmann geht davon aus, dass die Landesregierung seismische Messungen am Bodensee nicht genehmigen wird. Lehmann hofft zudem, dass das „antiquierte Bergbaurecht“ modernisiert wird. Das sieht bislang keine Umweltverträglichkeitsprüfung bei Erkundungsanträgen vor. Nordrhein-Westfalen, wo die Anstrengungen der Rohstoffkonzerne weiter gediehen sind, hat eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht, die von der grün-roten Landesregierung in Stuttgart unterstützt wird.