Erdgeschichte in Ludwigsburg Die Geheimnisse des Hungerbergs

Von Susanne Mathes 

Eine neue Führung zeigt, was der Hungerberg Spannendes über die Steine, die Landschaft und die Ludwigsburger Besiedlungsgeschichte verrät. Die Auftakt-Tour ist am 5. Mai.

Gutes Schuhwerk   sollten die Hungerberg-Entdecker mitbringen.Es geht über Treppen und teils unbefestigte Wege. Foto:   9 Bilder
Gutes Schuhwerk sollten die Hungerberg-Entdecker mitbringen.Es geht über Treppen und teils unbefestigte Wege. Foto:  

Ludwigsburg - Ludwigsburg ist ziemlich runtergekommen in den vergangenen 145 Millionen Jahren. „Damals“, erzählt der Natur- und Landschaftsführer Matthias Hyrenbach, „lagen wir auf 1400 Meter Höhe. Seitdem wurden etwa 1200 Meter Gesteinspakete abgetragen.“ Was die Ludwigsburger Geologie geprägt hat, fasziniert den 65-Jährigen. Jetzt hat er sein Wissen darüber in die neue Führung „Kleinod Hungerberg – die Steine, die Landschaft und die Besiedelung durch die Menschen“ gepackt, die er in Kooperation mit der Stadt anbietet.

Neues auch für Alteingesessene

„Es ist eine Führung“, sagt Manuela Priber von Tourismus und Events Ludwigsburg, „bei der auch Leute viel Neues erfahren, die denken, dass sie Ludwigsburg ganz gut kennen.“

Das rund 65 000 Quadratmeter große Naherholungsgebiet Hungerberg ist ein renaturierter Steinbruch der Firma Hubele. Rund fünf Millionen Tonnen Stein wurden dort einst aus der Landschaft gebrochen. Heute bevölkern Wechselkröten und Gelbbauchunken das Gebiet; mit einer nachgebauten keltischen Sonnenuhr wird der Menschen gedacht, die im Laufe der Geschichte in der Region siedelten. Zwei fast senkrechte Einschnitte in die Landschaft klappen Erd- und Gesteinsschichten aus dem Eiszeitalter und der Muschelkalkzeit wie ein Bilderbuch auf – sogenannte geologische Fenster. Der Berg hat es Matthias Hyrenbach angetan: „Die Steine haben eine Botschaft an die Menschen“, sagt er. Doch wem der Background fehlt, dem sagen sie wenig. Hyrenbach hat daher nicht nur massig Informationen im Gepäck, sondern will die Geologie des Areals auch mit vielen Sinnen erfahrbar machen. Man soll sie fühlen und schmecken können. Am Ausgangspunkt gibt es deshalb erst mal ein Probiererle vom Mineralwasser, das beim Hohenecker Bohrturm von 1906 aus dem Brunnen rinnt. Auch aus der Solequelle, deren Wasser aus tiefen Schichten zwischen Buntsandstein und Muschelkalk kommen, lässt Hyrenbach die Gäste ein paar Tröpfchen nippen. „30 000 Jahre alt ist das Wasser, das muss man sich einmal vorstellen“, schwärmt Hyrenbach. „Da war der Homo sapiens noch als Jäger und Sammler unterwegs.“

Verbackener Schotter, versteinerte Spuren

Droben auf dem Hungerberg, wo sich schöne Blicke Richtung Poppenweiler auftun, zeigt der Guide Brocken von Grundgebirge, Buntsandstein und Muschelkalk, lässt später Lößklumpen und verbackenen Neckar-Schotter fühlen, weist auf kleine Versteinerungen hin, lässt immer wieder einfließen, wie sich Lage und Verlauf des Neckars im Laufe von Jahrmillionen veränderte und das Landschaftsbild prägte. Sein Anliegen ist es nicht nur, die Augen für die Wunder der lokalen Erdgeschichte zu öffnen: „Ich will“, sagt er, „auch sensibilisieren und einen Beitrag dazu leisten, die Natur zu schützen und zu erhalten.“