Auch Angela Merkel hat schon kritisch nachgefragt

Die Facebook-Gruppe „Sarajevo-Bürger gegen die Erdogan-Kundgebung“ wirft der größten Bosniaken-Partei SDA und deren Chef Bakir Izetbegovic ein „Vasallenverhältnis“ zu Erdogan vor – und kündigt Proteste an: „Die Kundgebung ist ungesetzlich, schürt Spannungen – und ist nicht gut für die Völker und Bürger von Bosnien.“   Türken leben auf dem jahrhundertelang von den Osmanen beherrschten Balkan kaum mehr. Doch obwohl die Auslandsorganisation der AKP die 20 000 Plätze in der für die Olympischen Winterspiele von 1984 errichteten Zetra-Halle nur mit Erdogan-Anhängern aus Deutschland und Österreich füllen kann, hofft der AKP-Chef mit seinem Wahlkampfabstecher in Sarajevo gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.   Einerseits sollen die Bilder eines umjubelten Bosnien-Auftritts ihn als einflussreichsten Politiker auf dem Balkan präsentieren   – und die stimmentscheidenden Wähler in der Diaspora mobilisieren. Gleichzeitig will Erdogan den EU-Staaten signalisieren, dass er sich auch von Auftrittsverboten nicht bremsen lässt.   In Brüssel stößt der Aufmarsch für den Sultan auf Skepsis: Dass neben Moskau verstärkt auch Ankara im EU-Wartesaal den Einfluss zu vergrößern sucht, wird von Brüssel misstrauisch beäugt. Kritische Nachfragen zum Erdogan-Auftritt bekam Izetbegovic letzte Woche von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu hören. Er habe Merkel gesagt, dass Erdogan ein „Freund Bosniens“ und an dessen Visite „nichts Fragwürdiges“ sei: „Weder Merkel noch Erdogan sind in Bosnien die Chefs: Beide sind hier willkommen.“