Erdwärme-Bohrlöcher in Böblingen Experten stoßen auf Auffälligkeiten

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Rund 100 Gebäude in Böblingen weisen Risse auf, verantwortlich dafür könnten Erdwärmebohrungen sein. Die ersten Bohrlöcher sind nun von Experten auf schadhafte Stellen untersucht worden.

Inzwischen haben die Wände  einiger Gebäude in Böblingen bis zu fünf Zentimeter breite Risse. Foto: factum/Archiv
Inzwischen haben die Wände einiger Gebäude in Böblingen bis zu fünf Zentimeter breite Risse. Foto: factum/Archiv

Böblingen - Der Verdacht, dass Erdwärmebohrungen in Böblingen für die Erdbewegungen in der näheren Umgebung verantwortlich sind, erhärtet sich offenbar. Die Untersuchung zweier Bohr-­löcher hat aber noch kein endgültiges Ergebnis gebracht. Die Experten sprechen bei einer der Bohrungen von „Auffälligkeiten“ und vermuten Wasserbewegungen in 40 Metern Tiefe, die vertikal verlaufen. Sie erwägen nun eine Erkundungsbohrung, um die Schichten näher zu untersuchen. Die Erdhebungen werden auf das Aufquellen von Gipskeuper zurückgeführt. Ob dies jedoch durch unsachgemäß vorgenommene Bohrungen verursacht worden ist, sollen erst weitere Untersuchungen von Geothermielöchern zeigen.

„Die Gipskeuperschicht beginnt südlich der Stuttgarter Straße in einer Tiefe von 50 Metern“, erklärte der Pressesprecher des Landratsamts, Dusan Minic. Deshalb sei im Fall dieser einen Bohrung noch Klärungsbedarf. Experten sollen nun prüfen, „wie die vermutlich schadhafte Zementfüllung repariert werden kann“, so Minic. weiter. Die andere, südlich der Stuttgarter Straße gelegene Bohrung weise dagegen keine Auffälligkeit auf.

„Bei den Messungen hat sich herausgestellt, dass wir nicht mit allen Instrumenten bis auf den Grund der Bohrung gelangen konnten“, erklärte Jochen Weinbrecht, der Leiter des Amts für Wasserwirtschaft. Nur besonders dünne Instrumente hätten in das Loch abgesenkt werden können. „Bei den Standardinstrumenten war nach rund 35 Metern Schluss“, so Weinbrecht. Die Bohrungen seien jedoch 130 Meter tief.

Die schlechte Zugänglichkeit deute aber auf eine „verzogene Bohrung“ hin. erläuterte Minic. Diese müsse aber nicht durch eine mangelnde Sorgfalt entstanden sein. „Die Bohrungen werden nicht immer vertikal nach unten vorgenommen“, sagte Minic. Die schlechte Zugänglichkeit könne auch auf die Erdhebungen zurückzuführen sein, so der Pressesprecher.

„Wir müssen nun besprechen, wie wir in dieser Situation sanieren können“, sagte Weinbrecht. Eine Expertenrunde mit Vertretern des Umweltministeriums, des Landesamtes für Geologie und Bergbau, des Regierungspräsidiums und des Landratsamts soll sich damit befassen. Bereits beschlossen worden sei, das Messnetz zur Erkundung der Hebungen auszudehnen.

Insgesamt haben rund hundert Hauseigentümer in zwei Böblinger Wohngebieten Häuserschäden gemeldet und klagen über bis zu fünf Zentimeter breite Risse in den Gebäuden. Die Schäden sind nicht nur südlich der Stuttgarter Straße – im Bereich der Altinger-, Gauß-, Röntgen- und Siemensstraße – aufgetreten, wo insgesamt vier Bohrungen stattfanden. „Der Boden hebt sich hier um vier bis sechs Millimeter im Monat“, bilanzierte Weinbrecht. Auch in einem Gebiet im Südosten der Stadt, in der Kniebis- und Feldbergstraße sowie im Hans-Thoma-Weg, sind Schäden aufgetreten. In dem Bereich waren insgesamt 15 Erdwärmebohrungen vorgenommen worden. Dort sollen die Untersuchungen im Februar fortgesetzt werden. „Wir hoffen, danach Rückschlüsse auf die erste Untersuchung ziehen zu können“, sagte Minic.

Einer der betroffenen Hauseigentümer in der Kniebisstraße ist Anfang Dezember ausgezogen. Baustatiker halten das Gebäude nicht mehr für sicher. Auch dort werden die Risse immer größer. Laut der Sprecherin der Hausbesitzer im südöstlichen Wohngebiet, der CDU-Stadträtin Daniela Braun, hat inzwischen rund die Hälfte der Eigentümer selbst Gutachterbüros eingeschaltet. In den nächsten Tagen werde eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen und ein Rechtsanwalt hinzugezogen.

Im wesentlichen gehe es um die Schadensregulierung. Denn die von der Stadt Böblingen gewährte Soforthilfe sei für die Betroffenen eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Zumal die versprochenen Darlehen in Höhe von 5000 Euro, die vor allem für die Deckung der Gutachterkosten und die nötigsten Reparaturen gedacht sind, nach drei Jahren zurückgezahlt werden müssten. In ihrem Wohngebiet kenne sie lediglich einen Hauseigentümer, der einen solchen Kredit beantragte habe, so Braun. In den meisten Fällen seien die Schäden schon so hoch, dass mit dieser Summe nur wenig anzufangen sei. Und ein Ende des Dramas sei nicht in Sicht. „Es ist doch völlig unklar, bis wann die Rissbildungen gestoppt werden können“, sagt Braun. Die Interessengemeinschaft werde darauf dringen, dass es mit den Untersuchungen schneller vorangehe.




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