Erfahrungsbericht Bluttransfusion Meine Blutsgeschwister und ich
Wie fühlt es sich an, Blutkonserven zu bekommen? Unsere Mitarbeiterin Leonie Schüler hat dies nach der Geburt ihrer Zwillinge erlebt. Eine bitter-süße Erfahrung.
Wie fühlt es sich an, Blutkonserven zu bekommen? Unsere Mitarbeiterin Leonie Schüler hat dies nach der Geburt ihrer Zwillinge erlebt. Eine bitter-süße Erfahrung.
Von allen Erlebnissen in meinem Leben waren die Geburten meiner drei Kinder am überwältigendsten. Dieser magische Moment des Entstehens – ich war Zeuge geworden. Das Gefühl, über mich hinausgewachsen zu sein, stärkt mich bis zum heutigen Tag.
Aber, seien wir ehrlich, bei einer Geburt geht es ans Eingemachte. Ein Bekannter brachte es auf den Punkt: „Unsere Menschheit ist so hoch entwickelt – aber SO bringen wir Kinder zur Welt?!“ Es floss viel Blut. Bei der Geburt meiner Zwillinge verlor ich 1,4 Liter.
Wegen Komplikationen musste ich nach einer Woche noch einmal operiert werden und verlor dabei wieder mehr als einen Liter Blut. „Als hätte man einen Wasserhahn aufgedreht“, beschrieb mir die operierende Ärztin gar zu bildlich die OP-Situation, bevor sie mich auf die Intensivstation schob. Mein Hämoglobin-Wert war unterirdisch, und er stieg auch am nächsten Tag nicht an.
Bald war klar: Es geht nicht ohne Blutkonserven. Da lag ich also kalkweiß wie die Bettwäsche, und an dem Infusionsständer neben mir hingen zwei dunkelrot gefüllte Plastikbeutel mit fremdem Blut, das in mich hineinfloss. Ich mied den Blick hinunter auf die Stelle, wo der Schlauch sich mit meinem Arm vereinigte. Obwohl ich wusste, dass dieses Blut mir gerade mein Leben rettete, war es ein gespenstisches Gefühl, dass das Blut anderer Personen in meinen Kreislauf floss. Doch das wandelte sich schnell in Dankbarkeit, als mir eine Krankenschwester erzählte, dass eine Patientin, die sich aus religiösen Gründen der Blutinfusion verweigert hatte, verstorben war. Was für ein Segen, dass ich diesen medizinischen Luxus bekommen konnte!
Eine Freundin sagte mir, sie hätte die Blutkonserven nach der Geburt ihrer Tochter einfach als Medizin betrachtet. So wollte ich es auch sehen. In den nächsten Wochen spürte ich noch manches Mal in mich hinein. Hallo Fremdblut? Es graust mich vor dir – aber danke, dass du da bist! Innerhalb von drei Monaten, so sagte mir eine befreundete Ärztin, erneuere sich das Blut in einem Körper komplett. Inzwischen bin ich also lange wieder ganz ich. Trotzdem denke ich hin und wieder an meine Blutsgeschwister und sende ihnen in Gedanken ein riesengroßes Dankeschön zu. Und auch allen anderen Blutspendern, die nie die Dankbarkeit ihrer Spendenempfänger erfahren. Danke, dass ihr die Mühe auf euch nehmt und ohne Eigennutz dieses gute Werk vollbringt – und damit Leben rettet.