Erfindung aus Stuttgart Der schlaue Gärtner

Von Frank Rothfuss 

Wer kennt das nicht? Man war im Urlaub, kommt nach Hause und es trifft einen der Schlag: Die Pflanzen sind entweder verdorrt oder ersoffen. Das Stuttgarter Ehepaar Marei hat nun einen schlauen Gärtner entwickelt, der selbstständig gießt. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

Das Ehepaar Marei und ihr schlauer Gärtner. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Ehepaar Marei und ihr schlauer Gärtner. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Sie blicken von ihrem Balkon in Bad Cannstatt auf den Kurpark. Marie Marei-Wißmann (27) und ihr Mann Ahmed Marei (31) können zwischen den Bäumen beinahe jene Werkstatt sehen, in der Gottlieb Daimler den ersten Motorwagen baute. Nun basteln die beiden nicht gerade an einer Erfindung, die die Welt von Grund auf umwälzt, aber immerhin doch Wasser, und so manchem Pflanzenfreunden den Alltag erleichtern soll. Smart Gardener, der schlaue Gärtner, nennen sie ihr Bewässerungssystem. Pflanzen im Zimmer und auf dem Balkon versorgt es mit Wasser.

Wie kommt man auf so eine Idee? Na klar, man war im Urlaub, kam nach Hause und die Pflanzen waren entweder ersoffen oder verdurstet. Wer kennt das nicht? Das Ehepaar Marei will nun die große Dürre beenden,und auch dafür sorgen, dass man nicht mehr die Nachbarn oder die Familie einspannen muss. Ihr schlauer Gärtner soll das ganz alleine können. Es handelt sich um eine Box so groß wie eine Zigarettenschachtel, sie hat vier Pumpen, acht Pflanzen kann man so versorgen. Man kann einstellen, wann und wie viel Wasser jede einzelne Pflanze bekommen soll, von einem bis tausend Milliliter. Bis zu 2,5 Meter Höhe können die Pumpen das Wasser klettern lassen, auch Hängepflanzen kann man also versorgen. Es gibt auch einen Plastikschutz für die Box, damit er auf dem Balkon einsetzbar ist.

Mit ihrer Firma haben sie sich selbstständig gemacht

Der Kühlschrank kauft selbst ein, die Heizung regelt sich selbst, und nun können sich auch die Pflanzen selbst versorgen. Smart Home oder Home Automation nennt man das auf Neu-Deutsch, wenn man dem Internet freie Hand gibt, Geräte zu steuern. In diesem Bereich forscht das Ehepaar Marei. Mit ihrer Firma Amaronics haben sie sich selbstständig gemacht. Der Smart Gardener ist ihre erste Entwicklung. „Ich spiele seit Jahren mit dem Gedanken mich selbstständig zu machen“, sagt Ahmed Marei. Er stammt aus Kairo, hat in Stuttgart studiert, schafft als Elektroingenieur beim Bosch. Mittlerweile in Teilzeit, im Moment hat er gar unbezahlten Urlaub, um seine Erfindung bekannt zu machen. Seine Frau hat ihre Stelle im Marketing gekündigt. „Wir haben abends und am Wochenende gearbeitet“, sagt sie, „das ging so nicht mehr.“

Via Internet sammeln sie Geld

Beide seien sie jung, sagt sie, „wir wollten das jetzt probieren und nicht irgendwann dasitzen und bedauernd sagen, hätten wir das nur gemacht.“ Ihre Ersparnisse haben sie bereits investiert, nun versuchen sie über die Internet-Plattform Kickstarter sie Geld zu sammeln. 25 000 Euro, um genau zu sein. Davon wollen sie die Prüfung für das europaweite CE-Siegel bezahlen, das kostet zwischen 5000 und 10 000 Euro. So wie die Kosten für die erste Charge bestreiten. Wer 89 Euro oder mehr gibt, bekommt einen Smart Gardener. Der Haken: Sie müssen 25 000 Euro sammeln, ansonsten verfällt alles. Die Unterstützer müssen nicht zahlen, die Mareis bekommen kein Geld. Knapp 4000 Euro haben sie beisammen, Interesse gibt es an 50 Geräten. Und die Zeit wird knapp, die Kampagne läuft noch bis zum 28. Juni.

Marei-Wißmann: „Am Anfang lief es super, aber nach ein paar Stunden musste man uns schon gezielt suchen, um uns zu finden.“ Das Internet hat keine Grenzen und auch kein Geländer, und so spülen fortwährend auf der Plattform Kickstarter die neuen Projekte die alten von dannen. Nun kehren sie zu alter Väter Sitte zurück, haben Flyer gedruckt und verteilen sie. Demnächst werden sie mit ihrem Prototyp vor dem Gartenmarkt Dehner stehen, Kunden ansprechen und ihr Gerät erläutern. Mit Dehner haben sie bereits eine Absprache, ist ihr Gerät marktreif, will die Kette es bundesweit vertreiben. Aber dafür brauchen sie noch Geld.

Und wenn sie es nicht zusammen bekommen? Marei: „Wir machen weiter, dann dauert es eben länger.“ Steter Tropfen höhlt den Stein. Und nährt die Pflanzen.

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